SPD-Parteitag offen für neue GroKo


Martin Schulz, über dts NachrichtenagenturDie SPD will "ergebnisoffene Gespräche" mit der Union über die Bildung einer Bundesregierung aufnehmen. Auf dem SPD-Bundesparteitag in Berlin stimmte am Donnerstagabend eine große Mehrheit der Delegierten für einen entsprechenden Antrag der Parteiführung und lehnte einen Antrag der Jusos auf Ausschluss einer Großen Koalition ab. Zuvor hatte es über fünf Stunden lang eine teils hitzige Debatte über den Leitantrag gegeben, die eine so große Mehrheit zwischenzeitlich nicht erwarten ließ.

SPD-Chef Martin Schulz hatte für Gespräche mit der Union ohne "Automatismus" für eine Große Koalition geworben. "Wir müssen nicht um jeden Preis regieren, aber wir dürfen auch nicht um jeden Preis nicht regieren wollen", sagte er in seiner Auftaktrede. In der anschließenden Aussprache forderten aber mehrere Vertreter der Jusos, eine erneute Große Koalition auszuschließen. "Wir fordern die Einhaltung eines politischen Beschlusses, für den es gute Gründe gab und dessen sachliche Grundlage unverändert bestehen geblieben ist", sagte der Vorsitzende der Jusos, Kevin Kühnert. Davon sei er fest überzeugt. Bei der Forderung der Jusos handele es sich demnach nicht um einen "revolutionären Akt". Kühnert sprach davon, dass es im Erneuerungsprozess der SPD auch um eine "tiefe Vertrauenskrise" gehe. "Die Erneuerung der SPD wird außerhalb einer Großen Koalition sein, oder sie wird nicht sein", sagte der Juso-Vorsitzende zum Abschluss seiner Rede. SPD-Vize Olaf Scholz sagte, dass die SPD sich nach dem Jamaika-Scheitern nicht einfach davon stehlen könne. Es gebe in der aktuellen Situation der SPD "keinen Platz für schnelle Antworten und leichte Lösungen". Kurz nach dem Abbruch der Jamaika-Sondierungen hatte der SPD-Vorstand eine Neuauflage der Großen Koalition noch einstimmig ausgeschlossen.

Foto: Martin Schulz, über dts Nachrichtenagentur

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