G20 mit falschen Signalen

    USA mit Ego-Vorschlägen auf Konfrontationskurs. Beim Währungskrieg wird noch nicht geschossen. Seltene Erden als Geheimwaffe Chinas. Investitionshemmende Sondersteuern  in Ungarn. Herbstrallye bleibt intakt.

     


    von Andreas Männicke

    Die USA gaben beim mit Spannung erwarteten G 20 Gipfel in Südkorea sogleich den Ton an und  gaben dabei – selbst mit dem Rücken zu Wand -  einige gutgemeinte (?) Vorschläge zur Beseitigung der globalen Handels-Ungleichgewichte. Demnach sollten die exportstarken Länder mehr die Binnenwirtschaft fördern anstelle das Wachstum über den Export zu generieren. Dies ging vor allem an die Adresse von China, aber auch Deutschland und Japan als Exportweltmeister.  Die Vorschläge von Geithner  sind sicherlich auch als Vor-Wahlkampf-Propaganda zu verstehen, denn im November könnten diese Fragen hochkochen, um von internen Problemen abzulenken.

    Die USA suchen weiterhin  den Schuldigen für die selbst herbeigeführte Misere im Ausland, was ich für einen Fehler halte. China hat immerhin als Antwort auf die Unterbewertung des Yuan mit einer Zinserhöhung um 0,25% reagiert, um den Renmimbi bzw. Yuan zu stärken, der im Übrigen auf einem neuen Jahreshoch zum Dollar notiert. Umgekehrt gibt es von den Chinesen und anderen Emerging Markets Bedenken, dass die USA sich durch einen schwachen Dollar Wettbewerbsvorteile im Export erheischen möchten.  In Deutschland und auch in China sollen zudem durch moderate  Lohnsteigerungen die Binnenkonjunktur angekurbelt werden.

    Beim G20 Treffen wird in erster Linie über Währungsfragen kontrovers gesprochen. Dabei reagierte China schon sehr klug im Vorfeld mit einer überraschenden Zinserhöhung um 0,25% Basispunkte und einer Aufwertung des Yuan um 2%. Damit hat China den USA den Wind aus den Segeln genommen.

    Beim möglichen Währungskrieg zwischen den USA und China wurde zwar noch nicht geschossen – siehe dazu auch ausführlich meine letzte Kolumne -, aber es gibt weiterhin denkwürdige Vorschläge der USA zur Lösung der strukturellen Ungleichgewichte zwischen Ländern und Kontinenten. Auf die Drohung der Amerikaner, China mit höheren Importzöllen zu bestrafen, könnte China mit der Nicht-Lieferung von Seltenen Erden reagieren, was zum Teil jetzt schon geschieht. Auch in Deutschland gibt es schon einen Lieferengpass von Seltenen Erden.

    Die Aktienkurse von Seltene Erden-Produzenten gehen durch die Decke. Die Kurse von China Rare Earth (China), Arufa Resources (Australien) oder Lynas (Australien) verdreifachten sich seit dem Juni-Tief bereits. Auf diese Möglichkeit eines subtilen Handelskriegs zwischen China und den USA hatte ich schon mehrfach hingewiesen.  Wenn Seltene Erde von China als Haupt-Produzenten nicht geleifert werden, könnte viele Teile der Hoch-Technologie, vor allem aber Automobil-Zulieferbetriebe und Windkraftanlagen ein Produktionstopp drohen. Aber auch für den Wachstumsmarkt Elektro-Auto sind Seltene Erden unentbehrlich. Dies gilt in Zukunft als „Produktionsausfall-Risiko“ zu beachten.

    Ich hätte mir erhofft, das beim G20 Gipfel der brisanten Themen „koordinierte Maßnahmen“ bzw. konzertierte Aktionen der G20 im Falle der Deflation und koordinierte Maßnahmen im Falle der Inflation auf den Plan und die Fahne geschrieben hätten anstelle mit Schuldzuweisungen wie die USA zu kommen. Die USA wollen in jedem Fall eine Asset-Deflation vermeiden und versuchen dies durch die Liquiditätsspritzen der FED, dem sogenannten „quantitative easing“, also Anleihenkäufe und damit Gelddrucken,  zu verhindern. Dies ist bisher auch gelungen, nur muss sich die USA fragen, wie die Risiken und Nebenwirkungen dieser ungewöhnlichen Maßnahmen in Zukunft  aussehen und wie das Geld wieder abgeschöpfte werden. Die Nullzinspolitik führt gegenwärtig noch zu steigenden Kursen bei den Rohstoff- und Aktienmärkten. Was wird aber passieren, wenn die Zinsen wieder zu steigen beginnen?

    Das fragile internationale Finanzsystem wird in den nächsten beiden Jahren noch vor großen Herausforderungen stehen. Es sollten schon jetzt ein Frühwarnsystems und Anti-Krisen-Mechanismen erarbeitet werden. Was bisher vorgeschlagen wird, ist ein Anfang, reicht aber nicht aus, um die strukturellen Verschuldungs- und Refinanzierungsprobleme nachhaltig zu lösen. Auch kann der US-Hypotheken-Bankensektor noch in Schieflagen kommen, wenn sich der Immobiliensektor, vor allem bei gewerblichen Immobilen, nicht bald nachhaltig erholt, was bisher noch nicht erkennbar ist. Die Schließung eines weiteren deutschen Immobilienfonds spricht bereits Bände und zeigt, dass die Liquiditäts- und Finanzierungskrise in diesem Sektor keinesfalls überwunden ist. 

    Auf dem G20 sollte jetzt besprochen werden, dass in 2011/12 nicht protektionistische Maßnahmen Überhand nehmen, die das Investitionsklima schädigen. Ich befürchte aber, dass die jeweiligen Regierungen bei der Eintreibung von Steuern und Abgaben aus Finanznot immer kreativer werden und damit auch ausländische Investoren schädigen. So will die ungarische Regierung zur Verminderung des Defizits  für ausländische Unternehmen aus dem Einzelhandel, der Telekommunikation und der Energiebranche eine Sondersteuer in Höhe von 6,5% des Umsatzes einführen, wobei die EU nun prüft, ob dies Rechtens ist.  Auch dies ist  in jedem Fall eine neue Form des Protektionismus, was wohl zunehmen wird. Auch die ungewöhnlich hohe Bankensteuer wurde vom IWF abgelehnt, wird aber wohl in Ungarn umgesetzt.  Nun sind auch in Ungarn Kommunalwahlen, wobei auch in Ungarn ein populistischer Wahlkampf mit Steuermitteln geführt wird. Die ungarische Regierung scheint aber besonders „kreativ“ zu sein. Da ist die Rentenerhöhung in Frankreich von 60 auf 62 mit gewaltsamen Protesten auf der Straße noch nichts dagegen.

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