Finanzsystem vor Kernschmelze?

Lieber ein  Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende?  EZB im internen Zerwürfnis. Obama mit neuem Konjunkturprogramm. EMS ist Spiel auf Zeit, aber die Zeitbombe tickt. Kernschmelze in Finanzsystem möglich. Weltbörsen weiter im Panik-Modus.

 

von Andreas Männicke
 
„Haben Sie Angst um Ihr Geld? Haben sie also Angst vor einem Lehman II im Quadrat?“Dann gehören Sie zu den 90%, die im Moment ein ungutes „Bauchgefühl“ haben und nicht mehr so recht wissen, was „ da oben“ eigentlich gespielt wird und wie es weitergehen soll. Was ist der Plan B und gibt es überhaupt einen bei der Rettung von Griechenland, des Euros, der Banken und des Welt-Finanzsystems?

 

Die Börsen befinden sich nach wie vor im Panik-Modus und reagieren auf jede „bad news“ mit großen Kursabschlägen gen Süden. Damit signalisieren sie, dass es im Moment eine großen Vertrauensverlust in die Gestaltungsfähigkeit der Politik gibt. Dies verwundert nicht, da von Politikeren ständig Verträge und Zusagen gebrochen wurden und im Moment versucht wird, nur auf Zeit zu spielen, aber die eigentlichen Probleme nicht nicht gelöst werden. Die EZB wird zunehmend von der Politik instrumentalisiert und verliert damit ihre Unabhängigkeit. Dabei tickt die Zeitbombe.



Wenn schon ein Josef Ackermann bei seinen letzten Reden anmahnt, dass eine Reihe von europäischen Banken Pleite gehen würden, wenn sie die „PIGS“-Anleihen auf das erforderlichen Maß abschreiben würden, natürlich ohne Namen zu nennen, dann kann man den letzten Bankenstresstest getrost in die Tonne werfen. Ein „too big to fail“ darf es meiner Meinung nach in einer funktionierende Marktwirtschaft nicht geben. Sicherlich muss dafür Sorge getragen werden, dass wenn eine Großbank Pleite geht, nicht auch alle anderen Banken der Welt durch die vernetzten Systeme Pleite gehen.

 

Es muss also einen regionalen und eine globalen Rettungsfonds geben, wo aber nur die Banken abgefedert werden, die durch eine Bank, die Pleite geht, nicht allzu sehr stark in Mitleidenschaft gezogen werden. Der globale Rettungsfonds ist im Moment der IWF auch  dem werden die Gelder bald ausgehen, wenn es so weiter geht. Zudem müssen die Eigenkapitalquoten auf mindestens 10% festgelegt werden. Wer so etwas wie PIGS Anleihen oder intransparente Derivate im Depot hat, braucht ein Eigenkapital von mindestens 25%.



Wir werden es in den nächsten drei Jahren mit einigeren Zerwürfnissen am Kapitalmarkt zu tun haben, auf das Sie sich mental vorbereiten sollten. Der Zustand der FED und der EZB, die beide von einer unabhängigen Notenbank zu einer abhängigen „bad bank“ mit Schrottanleihen mutierten, ist bereits alarmierend. So verwundert es überhaupt nicht, dass der Chef-Volkswirt der EZB Stark nicht mehr bei dem bösen Spiel mitmachen will und das Handtuch wirft. Auch Ex-Bundesbankchef Weber ist gegen die gegenwärtige Trichet-Politik, die durch den Aufkauf von „PIGS-Anleihen im Volumen von 125 Mrd. € nur auf Zeit spielt. Was wäre die Alternative gewesen?

 

Eine Staatspleite von Griechenland und die Pleite von einigen Banken. Durch den Eingriff der EZB haben wir keine Marktwirtschaft mehr, sondern eine Art gelpolitischen Zentralverwaltungswirtschaft, also dass was wir im Systemkampf immer abgelehnt und bekämpft haben. Wenn wir nun einen europäischen Finanzminister hätten,  was Ex-Bundeskanzler Schröder jetzt so vehement fordert, würde sich der Trend zur europäischen Zentralverwaltung(miß)Wirtschaft nur verstärken. Aber wäre dann die angehäuften Europaschulden von 10 Billionen € verschwunden?


Auch ein ESM, der am 23. September vom Deutschen Bundestag beschlossen werden soll, ist nur ein Spiel auf Zeit. Aber die Zeitbombe tickt dann auch weiter und zwar immer schneller. Die Bürgschaftssumme erhöht sich dann für Deutschland auf 210 bzw. 250 Mrd €, was zwei Drittel des deutschen Bundeshalts sind. Damit wird jetzt von „oben“ über unsere zukünftige Verschuldungssituation entschieden, ob wir es wollen oder nicht.

 

Der Bürger wird damit entmachtet. Ich fordere  eine Volksabstimmung für den ESM und auch für den Fortbestand des Euros in allen EWU-Ländern, denn wir sind das Volk, leider nicht in der Finanzpolitik. Auch der IWF wird demnächst an die Grenzen der Belastbarkeit kommen. Da sind wir, wenn es so weitergeht alle nur die Opfer. Aus dieser Opferrolle sollten wir alle herauskommen und auf die Straße gehen und offen zeigen, was wir von der gegenwärtigen Europa-Politik  und der Finanz-Politik halten.

 

Die Reden von Obama und Merkel haben an den Börsen auch nichts bewirkt. Mehr Gehör fanden schon die warnenden Worte von Josef Ackermann, der vor weiteren Systemrisiken warnt, und von EZB-Chef Trichet, der für den Euroraum eine deutliche Wachstumsabschwächung erwarte. Auch dass der EZB-Chefvolkswirt zurücktrat, hatte Wirkung gehabt. Das kam nicht gut an Die Analysten befinden sich jetzt alle in einer black box, wo alle Prognosen schon durch die nächste bad news über den Haufen geworfen werden kann. Die Anleger reagieren jetzt sehr nervös.

 

Viele haben Angst um ihr Geld und flüchten sich weiter in Gold/Silber, Barliquidität oder Bundesanleihen, nachdem der Schweizer Franken aufgehört hat, der „sicherer Hafen zu sein.  Die Börsen schauen in die Zukunft und sie sprechen im Moment eine sehr deutliche Sprache. Die Politiker sollten endlich  aufwachen und die Warnsignale richtig deuten. Die Börsen und Devisenmärkte bleiben damit im Panik-Modus. Nicht nur Josef Ackermann fühlt sich an die Lehman-Krise zurückerinnert, nur dass die jetzt zu bewältigenden  Probleme (Staatsschuldenkrise, Bankenkrise, Euro-Krise, Ohnmacht der Politiker, Demokratieschwund, Systemrisiken, Generationsprobleme. Inflationsgefahren der Zukunft) noch großer sind als nach dem Lehman-Crash. Es kann also ein Lehman-Crash im Quadrat werden. Alles dies sind deutliche Warnsignale für das Finanz-Chaos in dem wir uns im Moment befinden.


Die Folgen werden notwendige Steuererhöhungen,  höhere Sozialabgaben, schleichende Enteignungen (auch über höhere Sozialbeiträge und höher Inflation), und Machtwechsel in der Politik sein. Was wir aber vermeiden müssen ist ein 1929, also eine Konzeptlosigkeit, die zum Bankensterben und zur Massenarbeitslosigkeit und zur großen Depression oder zu Kriegen führt. Aber wie?



Geld regiert die Welt? In der Finanzpolitik scheint dies so zu sein. Was  ist denn nun besser: ein Ende mit Schrecken oder ein Schrecken ohne Ende? Wir haben es selbst in der Hand, denn wir Menschen aktiv gestalten (oder passiv dulden) unsere Zukunft. Für die Börse sicherlich ein Schrecken mit Ende, auch wenn dies einen Börsen-Crash bedeuten würde. Aber danach geht es weiter. Was brauchen wir also? Eine Währungsreform? Wenn ja, welche Art der Währungsreform? Machen Sie mit: Gestalten Sie die Welt nach ihren Wünschen und lassen die nicht von der Welt gestalten! Management heißt sich aktiv kümmern. Kümmern Sie sich und  seien nicht nur bekümmert. Machen Sie mit bei der Ideenfindung der nächsten kommendem Finanzproblemen die uns alle mehr beschäftigen werden als uns lieb ist.



Seien Sie also ein aktiver Leser und nicht ein passiver, anonymer Leser. Was sind Ihre Vorschläge zur Verbesserung  der globalen Finanzwelt und zur Vermeidung des Super-Gaus und der Kernschmelze? Welche sinnvollen und praktikablen Alternativen gibt es zur gegenwärtigen Geld- und Finanzpolitik? Was würden Sie machen, wenn Sie Bundeskanzler oder Obama wären? Oder ist der Super-Gau und die Kernschmelze notwendig- nach dem Maya-Kalender haben wir Zeit bis zum 21. Dezember 2012, dann gibt es keine Maya-Kalender mehr.


Bitte vormerken: die Jahre 2012 -2015 werden die Jahre des dramatischen Wandels mit sich zuspitzenden Problemen und radikalen Veränderungen. Stellen Sie sich schon einmal darauf ein. Es ist dann wie nach 9/11. Danach ist nichts mehr so wie es früher einmal war. Wir befinden uns schon jetzt im Ausnahmenzustand.  Berlusconi will sein „Scheißland“- so wird es selbst zitiert -  verlassen, wenn es so weitergeht. Das ist die falsche Flucht der Verursacher des gegenwärtigen Zustands.

 

Nehmen wie die Herausforderungen als Gestalter und nicht als Opfer an. Sie können selbst dazu einen Beitrag leisten. Wir leben im Moment wahrlich nicht in normalen Zeiten, sondern im Ausnahmezustand. Jede Krise birgt auch eine Chance in sich, die Chance der Veränderung.

 

Die G20 hat bisher viele gute Chancen verpasst, denn es hat sich seit der Lehman-Pleite im Finanzsektor nicht viel geändert. Es ist noch etwas Zeit zu verändern oder wollen wir jetzt alle nur Bargeld, Gold/Silber und Konserven zum Überleben sammeln. Ist das alles tatsächlich „alternativlos“? Es gibt viel zu tun. Packen wir es gemeinsam an ohne unser schönes Land zu verlassen!

www.eaststock.de

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