Massenflucht aus US-Staatsanleihen?

    Top-Ökonomen warnen USA wegen Schuldenkrise. Barclays-Chefvolkswirt fürchtet Massenflucht aus US-Staatsanleihen. "Einigen sich Republikaner und Demokraten zu spät, zerstören die Amerikaner viel Vertrauen. China könnte sich wieder einmal als Hort vermeintlicher Stabilität präsentieren.“


    Führende Ökonomen in Deutschland haben für den Fall, dass in den kommenden Tagen keine tragfähige Lösung für die US-Schuldenkrise gefunden wird, vor massiven weltwirtschaftlichen Folgen gewarnt. Während der Chefvolkswirt der Commerzbank, Jörg Krämer, die USA in einem fast unlösbaren Dilemma sieht, hält der Chefvolkswirt von Barclays Capital, Thorsten Polleit, sogar eine Massenflucht von Investoren aus US-Staatsanleihen für möglich - mit entsprechenden Folgen für andere Volkswirtschaften.

    Auf dem amerikanischen Staatsanleihemarkt werde de facto der Langfristzins auch anderer Währungsräume bestimmt, sagte Polleit Handelsblatt Online. Daher werde die Einschätzung der Ratingagenturen bedeutsam sein: „Ein Herabstufen etwa dürfte zu Verkaufsdruck auf dem Treasury-Markt führen.“ Dies hätte wiederum Rückwirkungen auf die Bewertungen von Besicherungen („Collateral“) von Finanzgeschäften: Viele Derivate-Transaktionen und ihre Preise stünden in Abhängigkeit von der Kreditqualität der Staatsanleihen. Polleit sieht daher die US-Politik in der Pflicht Vorsorge zu treffen. „Entscheidend für die Zinsmärkte wird sein, dass die USA ihren Zins- und Tilgungsverpflichtungen nachkommt“, sagte der Barclays-Chefökonom. „Das könnte möglicherweise ein Zurückstellen anderer Zahlungen, etwa für Gehälter oder Transferleistungen erfordern.“

    Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer sagte, anders als im Fall Griechenlands stehe zwar die Zahlungsfähigkeit der Vereinigten Staaten „fundamental nicht in Zweifel. Aber einigen sich Republikaner und Demokraten zu spät, zerstören die Amerikaner viel Vertrauen. China könnte sich wieder einmal als Hort vermeintlicher Stabilität präsentieren.“ Krämer wies zudem auf die immensen Kosten eines drohenden Zahlungsausfalls hin, selbst wenn noch eine Einigung erzielt werden sollte. 1979 hätten die USA nach langer Diskussion die Schuldenobergrenze erhöht. Aber aufgrund technischer Probleme hätten die Eigner kurzfristiger US-Schatzanweisungen ihre Zinsen nicht pünktlich erhalten. Der Zins für die Schatzanweisungen sei sofort um 60 Basispunkte gestiegen. Noch ein halbes Jahr später sei der Zins höher als üblich gewesen. „Ein Zahlungsausfall käme den US-Finanzminister auch diesmal teuer, selbst wenn er nur wenige Tage anhielte“, sagte Krämer.

    Der Vorsitzende der fünf Wirtschaftsweisen, Wolfgang Franz, geht nach wie vor davon aus, dass sich die Parteien in den USA „klug genug verhalten und einen Kompromiss finden, wenngleich in letzter Minute“. Denn: „Alles andere wäre für die Reputation der US-amerikanischen Staatsanleihen höchst bedenklich, erst recht eine Zahlungsunfähigkeit, die über einige wenige Tage hinaus geht“, warnte er im Gespräch mit Franz Handelsblatt Online. Zugleich mahnte er die USA, sich mit Ratschlägen zur Lösung der Krise im Euro-Raum zurückzuhalten. Vielmehr sollten sich die Amerikaner derzeit den Problemen ihres eigenen Landes widmen.

    Noch größere Probleme für die USA sieht der Chefvolkswirt der Dekabank, Ulrich Kater. „Die US-Wirtschaft hat nicht nur das akute Problem der gegenwärtigen politischen Blockade über die Schuldengrenze, von der ich davon ausgehe, dass sie recht oder schlecht überwunden werden kann“, sagte Kater Handelsblatt Online. „Das Ganze ist darüber hinaus Ausdruck eines dahinter stehenden Themas von einer Konjunkturpolitik, die am Ende ihrer Möglichkeiten angekommen ist, ohne dass die wirtschaftlichen Probleme des Landes gelöst sind.“
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