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    Sind Investmentbanken Betrüger? | Drucken |  E-Mail
    Sunday, 10. August 2008
    Investmentbanken betrogen ihre Kundschaft in großem Stil mit raffinierten Tricks, so der Vorwurf der US-Staatsanwaltschaft. Schaden: Viele Milliarden Dollar. Betroffen: Hunderttausende Kunden.

     

    Kein geringer als der New Yorker Generalstaatsanwalt Andrew Cuomo warf unter anderem der  Citigroup einen "Multi-Milliarden-Dollar-Betrug" vor - in Zusammenhang mit den so genannten Auction-Rates-Securities (ARS)*. Betroffen: Allein bei der Citigroup 40000 Kunden. Die Bank habe in betrügerischer Weise Auktions-Anleihen vermarktet und verkauft. Zudem habe das Institut Tonaufnahmen mit Telefongesprächen über ARS vernichtet, die von der Staatsanwaltschaft angefordert worden seien.** Citigroup kauft die Promblem-Anleihen jetzt zurück und zahlt 100 Millionen Dollar Strafe. Citigroup, ein Einzelfall? Nein!

    Betroffen ist die ganze Branche. Viele großen Namen haben mitgemacht. Noch kurz bevor der 330 Milliarden Dollar Markt der Auction-Rate-Securities zusammenbrach wurden die Produkte gegenüber Kunden fälschlicherweise als sicher, liquide und bargeldgleich dargestellt, so der Generalstaatsanwalt in New York.

    Doch der ARS Markt ist seit Februar tot, die Kunden können ihre Anleihen nicht mehr verkaufen. Nun macht die Staatsanwaltschaft Druck und zwingt die Institute zum Rückkauf. Aus Angst vor noch höheren Strafen und Verlust an Ansehen erklärten sich die meisten Häuser dazu bereit.

    UBS hat sich ebenfalls dem Druck der Staatsanwaltschaft gebeugt, kauft  für 19 Mrd. ARS zurück und zahlt sogar 150 Millionen Dollar Strafe.

    Auch Merrill Lynch kommt den Forderungen der Staatsanwaltschaft nach. Die Details, die aus diesem renommierten Investmentbank zu Tage traten, erinnern an ein tolldreistes Gaunerstück.

     

    Luxusdinner vor dem Zusammenbruch

    Während die Merrill Banker ihren Kunden Milliarden an unsicherem Kreditmüll unterjubelten, gingen sie abends in die teuersten Restaurants von Manhattan und vergnügten sich mit edelsten Weinen. 1000$ pro Flasche und 2000$ pro Dinner waren keine Seltenheit. Bei Champagner und Kaviar witzelten die Banker dann über den nahenden Kollaps und bedauerten, dass nun auch das Ende der Luxusdinner naht. Das hielt sie jedoch nicht davon ab, am nächsten Tag die ARS in höchsten Tönen zu preisen.

    Als der ARS-Markt schon kurz vor dem Kollaps stand, posaunte Merrill Analyst Kevin Conery am 8.Februar noch: „Berichte über einen nahenden Zusammenbruch scheinen größtenteils übertrieben“. Wenige Tage später ging nichts mehr. Die Banken weigerten sich strikt, die Anleihen zurückzukaufen. Sie waren froh, das „Zeug“ los zu sein.

    Aussage eines Bank-Insiders gegenüber der FTD Deutschland: "Der ARS-Markt wird für lange Zeit tot sein, und das Allerletzte, was wir wollen, ist, dieses Zeug auf unseren Büchern zu halten."

    Doch das Ende nahte unausweichlich. „Komm runter und besuch uns im Brechraum!!“ (Zitat) schrieb Merrill Direktor Frances Constable einem Kollegen, als sich die Lage zuspitzte. Ein anderer bedauerte: „No more 2K dinners at CRU“ – Keine 2000$ Dinner mehr beim CRU, dem teuersten Restaurants in Manhattan. Diese Aussagen ermittelte die Staatsanwaltschaft in Boston.

     

    Die Rolle der Rating-Agenturen

    Der Generalanwalt in Connecticut, Richard Blumenthal,  ermittelt unterdessen gegen die Ratingagenturen Moody’s, Fitch und Standard & Poor’s Tochterunternehmen Mc Craw Hill.

    Der Vorwurf lautet: „Unfaire, betrügerische und illegale Geschäftspraktiken.“ Die Ratingfirmen sollen u. a. bei kommunalen Anleihen die Bonität ungerechtfertigter Weise zu tief angesetzt haben – und zwar bewusst und systematisch. Folge: Höhere Kosten für die Schuldner. In diesem Zusammenhang wird auch von einer „Wall Street Steuer“ gesprochen.***)

    Auch bei den Rating-Prozeduren von Kreditprodukten förderte die Börsenaufsicht   Erschreckendes zu Tage.


    Wie aus internen Mails von Analysten und von für die Kreditbeurteilung zuständigen „Experten“ der Agentur hervorgeht, warnten diese eindringlich vor vielen Hypothekenprodukten -  wie das Wall Street Journal berichtet****).

    Zitat: "Wir sollten es nicht raten (Bonität bewerten)!" Antwort vom Vorgesetzten:  "Wir raten jeden Deal." Ausserdem wurde zusätzlich noch darauf hingewiesen: "Wir raten alles, auch wenn es von Kühen strukturiert worden ist."

     In einem anderen Fall urteilten die dafür betrauten Mitarbeiter sogar, dass die neu verpackten und „verdrehten“ Schuldvehikel „absolut lächerlich“ seien. Bei S&P hiess es intern, dass man darin auf keinen Fall investieren solle. Dies hielt die Bewertungsagentur allerdíngs nicht davon ab, Bestnoten zu erteilen.

    Das Wall Street Journal zitierte einen Untersuchungsbericht der US-Börsenaufsicht SEC. Daraus geht hervor, dass die Methoden bei S&P kein Einzelfall waren sondern bei allen Rating-Agenturen zur Tagesordnung gehörten: Beste Bonitätsnoten trotz interner Bedenken.

    In einem anderen Fall wurde ein S&P Mitarbeiter mit folgenden Worten zitiert: „Wir schaffen mit diesen CDOs ein irrsinniges Monster. Last uns hoffen, dass wir alle wohlhabend und pensioniert sind, bevor das Kartenhaus zusammenkracht.“ 


    Zwei Klagen pro Tag

    Angesichts solcher Praktiken wollen immer mehr Betroffene nun ihr Geld zurück. Dabei spielt es praktisch keine Rolle, in welche exotischen Kreditvehikel man investiert hat. Letzte Woche verklagte die STMicrosystems die Credit Suisse auf 450 Millionen Dollar. Weitere Klagen werden folgen. Das könnte ein ernsthaftes Problem für die Kreditinstitute werden. Denn jeder hat das Spiel in irgendeiner Weise mitgespielt. Durch Klagen und Schadenersatzforderungen könnte nach Einschätzung von Experten manchem Haus das Ende drohen.

    Nach einer Studie von Navigant Consulting gab es allein in den USA im ersten Quartal pro Tag zwei Klagen gegen Banken in Zusammenhang mit Verlusten durch die  Subprime Krise. Tendenz steigend.

    Hintergrund: *) Was sind Auction-Rate-Securities?

    Quellen: **) http://de.reuters.com/article/topNews/idDEFRO76503920080807
    ****)http://online.wsj.com/article/SB121764476728206967.html
    ***) http://www.bloomberg.com/apps/news?pid=20601109&sid=acU0YiYA2MFQ&refer=home
    http://www.bloomberg.com/apps/news?pid=20601087&sid=asi6Nsyny5h4&refer=home  

     

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