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    Dow Jones manipuliert? | Drucken |  E-Mail
    Sunday, 28. September 2008
    Ist der Dow ein Aktienbarometer oder ein Seismograph für Aktivitäten des Plunge Protection Teams?

    Beruhigen, beschwichtigen, betrügen – das ist die Antwort auf die größte Finanzkrise des Kapitalismus.

    Politiker beruhigen, Medien beschwichtigen, Bänker sagen einen Tag vor dem Bankrott: „Alles bestens.“ Wie soll diese Krise bewältigt werden, wenn die Beteiligten nicht in der Lage sind, der Wahrheit ins Gesicht zu blicken?

    Anstatt die Tiefe des Problem-Eisbergs auszuloten, werden Beruhigungspillen verabreicht. Wenn Kurse sinken, dann gibt es ein Shortselling Verbot. Wenn alles nicht mehr hilft, dann zahlt der Steuerzahler – und die Medien feiern Moral Hazard als Rettung. Motto: Es ging halt nicht anders. Ob es doch anders geht, wird nicht hinterfragt.

    Der Gipfel der offiziellen Berichterstattung war am Freitag bei Bloomberg (GB-Ausgabe*) zu beobachten. Thema: Die Pleite von WaMu, US-Rettungsplan und die Folgen fürs Banksystem. Die Moderatorin kicherte und gluckerte sich vollkommen inkompetent durch die Sendung. Tiefgang: Null. Gekrönt wurde diese journalistische Sternstunde mit einem Interview eines Analysten, der Bankaktien zum Einstieg empfahl.

    Nun werden Sie sagen, Herr Mross, sie sind doch selber bei CNBC on Air – kann man im Glashaus mit Steinen werfen?

    Bei CNBC kommen zwar ebenfalls Optimisten zu Wort. Doch auch Leute wie Martin Weiss (--->Weiss Group ) durften hier ihre Meinung kundtun. Und Martin Weiss sagt es klipp und klar:

    Der US-Rettungsplan ist ein Witz. Schnell gestrickt und schlecht durchdacht. Die Wahrheit:

    1.479 Mitgliedsbanken des FDIC mit Vermögenswerten in Höhe von 2,4 Billionen Dollar sind vom Untergang bedroht.

    Weitere 158 Sparkassen mit Vermögenswerten von 756 Mrd. Dollar sind bedroht.

    Insgesamt sind also Vermögenswerte von 3,2 Billionen Dollar betroffen, also 36 mal mehr sich aus der Liste der FDIC ergibt.

    Diese Zahlen legen nahe, dass die 700 Mrd. des vorliegenden Rettungsplans nicht ausreichen könnten.


    Auch der Privatsektor, Gemeinden und Kommunen halten Hypothekenkredite in substantiellen Größenordnungen. Folglich müsste der Rettungsplan auch folgende Investorengruppen umfassen:

    Investmentbanken und andere Emittenten von durch Vermögenswerte gesicherten Anleihen (die halten zurzeit 2,1 Billionen Dollar an Wohnimmobilienkrediten).

    Finanzinstitute, die keine Banken sind (426 Mrd. Dollar).

    Genossenschaftsbanken (332,4 Mrd. Dollar).

    Kommunen und Gemeinden (159 Mrd. Dollar).

    Lebensversicherungen (61,6 Mrd. Dollar).

    Pensionskassen, Beamtenpensionskassen und private Haushalte.

    Dies ist nur ein kleiner Ausschnitt aus einem offenen Brief von Martin Weiss an den US-Kongress.

    Die alles entscheidende Frage aber ist, wie soll das eigentlich finanziert werden? Bekanntlich sind die USA ja schon jetzt überschuldet. Bleibt also nur das Drucken von Schuldscheinen und deren Verkauf ans Ausland. Es erscheint sehr fraglich, ob China und Russland zum Beispiel gewillt sind, einen neuen Schwall an US-Schuldscheinen zu kaufen.

    Ich würde es jedenfalls nicht tun.

    Und damit sind wir beim Dow Jones. Freitag. WaMu bankrott. Weltbörsen stürzen. Dow eröffnet Minus 200. Dann schließlich, gegen 21 Uhr, kann man, wie so oft, die Uhr nach stellen: Zeit für das übliche Dow Jones Wunder: Das Aktienbarometer schießt nach oben und schließt mit 1,5% im Plus.

    Die Schlussglocke leutet. Alles im Lot. Am nächsten Tag stehts in der Zeitung: Börsen im grünen Bereich. Botschaft: Alles in Ordnung.

    Ich möchte hier nicht behaupten, dass der Dow tatsächlich manipuliert wird. Doch es ist an einem solchen Tag, wie letzten Freitag, schon sehr außergewöhnlich, dass ausgerechnet im Mutterland der Finanzkatastrophe die Börse nicht den Ernst der Lage reflektiert.

    Es könnte sein, dass dies gewollt ist.

    Wenn ich Anfang des Jahres eine Wette angeboten hätte, dass der Dow trotz Pleite der größten Investmentbanken, trotz Bankrott von Fannie und Freddie, trotz Untergang 14 großer Geschäftsbanken (Wachovia schon eingerechnet), trotz Bankrott des größten Versicherungskonzerns der Welt ... trotz all der Fakten, die wir kennen, ... dass also der Dow Jones dann immer noch bei 11000 stehen würde – man hätte mich für verrückt erklärt.

    Doch es ist Realität geworden.

    Lesen Sie hier die komplette Analyse von Martin Weiss:  Zuwenig, zu spät, um die Kreditkrise zu beenden. Zu viel und zu schnell für den US Bondmarkt. ---> Link zur Studie (PDF Format)
    *) Die deutsche Ausgabe von Bloomberg ist wesentlich analytischer.

     

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