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    Wallstreet-Mafia erpresst Politik | Drucken |  E-Mail
    Tuesday, 30. September 2008
    Wer hätte nicht gern ein paar Hundert Milliarden vom Steuerzahler? Wenn die Politiker nicht parieren, dann zeigen wir es ihnen eben.
     
    Das Rettungspaket-Theater in den USA geht ins Finale. Dass die Politiker nicht sofort gespurt haben, als die Investmentbanken staatliche Unterstützung forderten, hat selbst hartgesottene Profis überrascht.

    Doch die Investmentbanken sitzen bekanntlich am längeren Hebel. Für den unwahrscheinlichen Fall, dass der Kongress gegen die Steuerzahler-Milliarden stimmt, hatte man schon eine schöne Antwort parat: Den Sell-Buttom.

    Kurz bevor sich im Kongress abzeichnete, dass eine knappe Mehrheit gegen den Rettungsplan votierte, war es dann so weit: Es regnete S&P Futures. Der Aktienmarkt ging in die Knie. Resultat: Der größte Punkte-Verlust in der Geschichte des Dow Jones.

    Das ist nun wirklich ein Argument, das überzeugt. Am nächsten Tag stellt sich US-Präsident Bush vor die Kamera und sagt sinngemäß: „Seht ihr, das habt ihr nun davon. Der Aktienmarkt hat an einem Tag 1 Billion (US: 1 Trillion) Dollar Marketcap eingebüßt. Jetzt müssen wir uns ernsthaft Sorgen machen. Betroffen ist jeder Amerikaner, jeder dessen Alterssicherung am Aktienmarkt hängt. Betroffen die Pensionskassen, die Versicherungen, die private Altersvorsorge“

    Dieses Argument hat nun auch die letzten Zweifler überzeugt. Aus Angst vor weiteren Kursverlusten dürfte die nächste Abstimmung sicherlich positiv ausfallen. Bush wörtlich: „Der Aktienmarkt hat gestern 1 Billion Dollar eingebüßt. Machen sie sich deshalb klar, wie wichtig die 700 Milliarden Hilfe ist. Wird sie nicht bewilligt, dann müssen wir uns auf weitere Kursstürze gefasst machen, die dem Bürger weit teurer zu stehen kommen als der Rettungsplan.“

    Besser hätte man es nicht formulieren können. Bush als Pressesprecher vorn Goldman Sachs & Co.?

    Die großen Investmentbanken sind die Hauptprofiteure des staatlichen Geldsegens. Darauf hat selbst Warren Buffett spekuliert, der wörtlich sagte: „Es sei eine Wette darauf, dass die Politiker das Richtige tun“. Buffett hatte sich zuvor mit ca. 5 Milliarden rund 10% an Goldman Sachs gesichert.

    Richtig kann aus dieser Sicht natürlich nur das sein, was auch ordentlich Rendite abwirft. Und mit staatlicher Hilfe geht das natürlich viel leichter.

    Dass das berüchtigte Plunge Protection Team am Montag also nicht eingegriffen hat, hat seinen Sinn. Eine klare Botschaft an den Kongress: Wenn ihr keine Knete rausrückt, lassen wir den Aktienmarkt absaufen. Und dann gewinnt Obama die Wahl.

    Kein Wunder, dass ein sichtlich verstörter US-Präsident noch mal eindringlich klar macht, dass es zu dem vermeintlichen Rettungsplan keine Alternative gebe.

    Dabei weiß jeder an der Wall Street, dass dies nur ein krönender Abschluss eines perfiden Spiels ist, welches in der Geschichte seines Gleichen sucht.

    Jeder in den Chefetagen der Investmentbanken wusste, dass das Kreditmüll- Pyramiden-Spiel nicht aufgeht. Trotz großer krimineller Energie heisst dies jedoch nicht, dass man nicht noch die letzte Karte ausreizt.

    Jetzt, wo das Kartenhaus zusammenbricht, soll der Steuerzaler noch ein letztes Mal bluten. Eine letzte riesige Umverteilungsaktion von Milliarden Dollar. Der triumphale Sieg von Moral Hazard. Und die Politiker spielen mit.



     

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