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    Kapitulation des Euro? | Drucken |  E-Mail
    Wednesday, 22. October 2008
    Kapitulation in den Carry-Trades  belastet EUR/USD. US-Daten extrem schwach. Zwangsliquidationen in einem erheblichen Umfang?

     

    Der Euro ist in den letzten 24 Stunden massiv eingebrochen. Hintergrund sind aggressive Auflösungen von „Carry-Trades“ auf JPY und CHF Basis, die Kapitulationscharakter aufweisen. EUR-USD stellt sich heute morgen auf 1.2850, nachdem Tiefstkurse bei 1.2750 im asiatischen Handel markiert wurden.

    USD-JPY hat im Zuge der Entwicklung unterproportional an Boden verloren und notiert bei 99.70. EUR-JPY oszilliert aktuell bei 128.10. Zwischenzeitlich wurden  Tiefstkurse bei 126.96 erreicht. EUR-CHF eröffnet aktuell bei 1.4950 nach Tiefstkursen bei 1.4899 im asiatischen Handel.

    Die Marktbewegung weist einen Charakter von Zwangsliquidationen in einem erheblichen Umfang  aus. Die aktuellen Preise am Devisenmarkt bilden damit keine fundamentalen Bewertungen ab, sondern sie stellen Resultate geringer Liquidität und eines hohen Stressniveaus im Rahmen der Finanzkrise dar. Sie sind auch Ausdruck eines Abbaus von Leverage. Schlussendlich sind „Carry- Trades“ Charaktermerkmale des Aufbaus von Leverage und damit des so genannten „Goldilocks Szenario“ von gestern.


    Die Daten aus den USA, die gestern veröffentlicht wurden, waren extrem schwach und zeichnen ein  Bild, das im Hinblick auf die aktuelle Bewertung des USD gegenüber Hauptwährungen nicht ansatzweise passt.

    Fundamentaldaten spielen derzeit jedoch eine untergeordnete Rolle, solange Zwangsanpassungen  bei der Positionierung großer Finanzmarktteilnehmer dominieren. Gleichwohl werden die fundamentalen  Betrachtungen nicht dauerhaft ausgeblendet werden können.


    Diese Fundamentaldaten sprechen in einer fulminanten Art und Weise gegen den USD. Dabei macht es Sinn auf die aktuelle öffentliche Verschuldungssituation in den USA einzugehen. Nach nur 20 Tagen des laufenden Fiskaljahres stellt sich die Neuverschuldung in der  verfassungskonformen Darstellung auf 440 Mrd. USD oder circa 3% des US-BIP.

    Das ist doch einmal eine Leistung! Im Fiskaljahr beginnend Oktober 2007 bis September 2008 ergab sich ein  Gesamtdefizit von 1.017 Mrd. USD oder circa 7% des US-BIP. Die aktuelle Dynamik ist fraglos der Finanzkrise und der damit einhergehenden Programme zu begreifen.

    Gleichwohl verdeutlicht die  Betrachtung der letzten 12,66 Monate (1.457 Mrd. USD oder 10% des US-BIP), dass die finanzielle Fragilität der USA im Vergleich zu anderen industrialisierten Ländern ungleich dramatischer ist. Genau dieser Aspekt wird derzeit nicht an den Devisenmärkten diskontiert.

     

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