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    Kippt die Schweiz? | Drucken |  E-Mail
    Tuesday, 2. December 2008
    Droht der Schweiz das Schicksal Islands? Spekulationen über die Zukunft des Alpen-Staates. Banken wackeln. Bankgeheimnis unsicher. Politische Unruhen möglich.

     

    Ein isoliertes, europäisches Land mit einer Wirtschaft, die auf Finanzen und Wintersport ausgerichtet ist, das ist Island. Es ist aber auch die Schweiz.

    Bloomberg philosophiert derzeit darüber, was passiert, wenn die schweizer Geld-Bastion fällt - in einem derzeitigen Szenario schwindender Kreditwürdigkeit offenbar nicht ganz unrealistisch. Die Autoren der Bloomberg-Analyse konstatieren der Schweiz wackelnde Banken und sinkende Franken-Kurse. Bleibt die Frage: Wie lange hat die "Stand alone" - Situation der Schweiz noch Bestand?

    Selbst die Schweizer fragen sich, ob sie gegen die Kräfte immun sind, die am Ende in Island die Kernschmelze ausgelöst haben. Das Island-Drama könnte ein vorsichtiger Hinweis auf das sein, was der Schweiz auch noch bevorsteht.

    Zwar ist die Alpenrepublik in einem besseren Zustand als die Eisinsel. Doch die Schweiz könnte im Rahmen der Krise sehr bald ihren Status als Welt-Vermögensverwalter verlieren. Die Dynamik der Finanzkrise ist kaum kontrollierbar - und die Hauptleidtragenden sind die Banken, welche die Schweiz groß gemacht haben.

    Michael Baer, der Ur-Enkel des Gründers von Bank Julius Baer, meint, dass die Isolation der Schweiz kein Vorteil sei. Das Land sei nicht immun gegen globale Entwicklungen, insbesondere wenn es um die Auswirkungen der Finanzkrise auf die Wirtschaft gehe.

    Die UBS musste bisher allein mit 59 Milliarden $ gestützt werden. Zusätzliche Probleme ergeben sich dadurch, dass die Banken praktisch auf Druck der Staaten ihr Bankgeheimnis aufgeben müssen.

    Langsam spürt man auch in der Bahnhofsstraße, dass es weh tut, schreibt Bloomberg. Und die Auswirkungen seien nun auch landesweit zu spüren.

    Die Schweizer Wirtschaft wird dieses Jahr erstmalig schrumpfen. Zwar nicht so stark wie in Island - aber immerhin um 0,2%, prognostiziert die OECD. In Island gehen die Experten vom IWF für nächstes Jahr sogar von einem Rückgang um 10% aus.

    Die UBS, einst das schweizer Aushängeschild für Wohlstand und Zuverlässigkeit, hat Risse bekommen. Und das bleibt nicht ohne Auswirkungen auf das Land. Ähnlich sieht es bei Credit Suisse aus. Und ähnlich wie in Island spielen die Banken in der Schweiz eine überragende Rolle: Die Bilanzen beider Banken sind sieben mal höher als das gesamte Schweizer Bruttoinlandsprodukt. Sollten also die Banken ernsthaft wackeln, dann wackelt automatisch auch das ganze Land.

    Früher beflügelten diese gewaltigen Summen die Schweiz, die Einnahmen stützten das gesamte Land. Heute schmerzen sie und sorgen für ernsthafte Probleme.

    So ist auch für die Schweiz denkbar, was noch vor kurzer Zeit undenkbar war: Politsche und soziale Krisen. Michael Baer sieht jedenfalls soziale Unruhen, Streiks und Aufruhr in der Alpenrepublik heraufziehen - sollte die Finanzkrise länger andauern.

    Bereits im Oktober gab es Demonstrationen, als Protestanten die UBS in Zürich verbarrikadierten. Sie verlangten, dass die Manager ihren Bonus zurückzahlen. Auf Plakaten war zu lesen: "United Bandits of Swizerland".

    Doch die größte Bedrohung kommt aus den USA. Dort ermitteln die Behörden gegen die UBS wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung. Damit steht der größte Trumpf aller schweizer Banken auf dem Spiel: Das Bankgeheimnis.

    Die Anklage lautet, dass die UBS amerikanischen Kunden dabei behilflich war, 20 Milliarden Dollar zu hinterziehen. Betroffen sollen 20000 wohlhabende US-Kunden sein. Unter dem Druck der US-Behörden soll die Bank bereits das Bankgeheimnis in diesem Bereich praktisch aufgehoben haben.

    Auch Peer Steinbrück schiesst scharf gegen die Schweiz und bezichtigt die gesamte Republik der Beihilfe zur Steuerhinterziehung. Steinbrück will die Schweiz sogar auf die schwarze Liste der Schurkenstaaten setzen lassen - zusammen mit anderen dubiosen Steueroasen.

    Die berühmte Schweizer Diskretion wird wohl am Druck der Aussenwelt zerbrechen. Und dann gibt es keinen besonderen Grund mehr, ein Konto in der Bahnhofsstrasse aufzumachen. 

    Edwin Trueman, ein ehemaliger US-Zentralbanker, geht davon aus, dass schweizer Banken in Zukunft an Attraktivität verlieren werden. Zu der Frage, ob der Schweiz auch das Schicksal Islands blüht antwortet Trueman:  "Die gute Nachricht ist, dass die Schweiz nicht Island ist. Aber was kann die Schweiz tun?"  Kein Land könne sich vor der globalen Krise  verstecken und auch die Schweiz werde Probleme kriegen. 

    --->Switzerland feels Iceland’s pain with banks teetering

    ---> newsXL das neue Newsportal 

     

     

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