| Begegnung mit dem Weissen Hai |
| Sunday, 25. January 2009 | |
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Begegnung mit dem Grossen Weissen Hai . Im Käfig hinab in die Tiefe. Ein tollkühnes und wagemutiges Abenteuer auf hoher See. Warten auf den Weissen Hai
Irgendwo in den kalten Gewässern an der Südspitze Afrikas – etwa 50km südöstlich vom Kap der Guten Hoffnung. Eine Stunde Fahrt mit dem Boot liegt hinter uns und der grosse weite Ozean vor uns. Eiskalt ist das Wasser hier, bedingt durch den Benguelastrom, eine aus den antarktischen Gewässern gespeiste, kalte Meeresströmung im Südatlantik. An dieser Stelle ist der Große Weiße Hai zuhause. Das heißt jedoch nicht, dass er sofort aus den blauen Fluten emporgespringt, sobald dort ein Boot vor Anker geht. Folge: Geduldiges Warten. Der Skipper kippt literweise Blut ins Meer, wirft kiloweise Fischkadaver in die Fluten. Eine Plastikrobbe dient als Köder. Als wir schon alle Hoffnung fahren lassen wollen, sehen wir plötzlich eine Flosse am Horizont. Szenerie wie im Film.
Aus dem Nichts taucht er lautlos aus der Tiefe auf, und der Anblick der dreieckigen Rückenflosse lässt erschaudern. Langsam und neugierig tastet sich der riesige König der Meere an unser Boot heran. Wir machen uns bereit für den Abstieg.
Ein Biss, ein Flossenschlag genügt, um den Käfig zu zerstören. Einziger Trost: so gefrässig wie im Film ist der Fisch nicht. Und ganz oben auf der Speisekarte steht die Robbe, nicht der Mensch. Allerdings: in unseren schwarzen Taucheranzügen sehen wir eher aus wie Robben.
Der gefährlichste
Moment
Ich entscheide mich deshalb, den Taucheranzug wieder auszuziehen und hangele mich vom Boot in den Käfig, der bereits im Wasser dümpelt. Ich trete auf die Seite des oben geöffneten Schutzbehältnisses – ein fataler Fehler! Der Käfig droht aufgrund meines Körpergewichtes mitsamt den Insassen umzukippen noch bevor der „Deckel“ verschlossen ist. Horrorvorstellung. Angesichts des kippenden Schutzbehältnisses Entsetzen bei den Käfiginsassen. Weit aufgerissene Augen schauen mich durch die Tauchbrillen an. Schreie unter Wasser. Für den Bruchteil einer Sekunde frage ich mich, wer nun als erster im Rachen des Weissen Hais landet? Die Kollegen, die in ihren Anzügen so aussehen wie Robben, oder ich. Aufmerksam umkreist der Hai die menschliche Beute. Er schaut neugierig zu uns herüber. Dann hebt er den Rachen über das Wasser und öffnet das riesige Maul, so als wenn er sagen wollte: „Schaut mal, wie viele Zähne ich habe!“. Durchaus beeindruckend, dieses Schauspiel. Dann schnappt er nach Teilen der umherschwimmenden Fischkadaver und taucht wieder ab in die Tiefen des Ozeans.
Gelegenheit für mich, vorsichtig in den Käfig hinabzusteigen und den Deckel sicher zu verschließen. Zitternd und bibbernd, teils vor Kälte, teils aus Angst, harren wir der Dinge. Wegen Strömung und Wellengang bleibt uns nichts anderes übrig, als uns an den Gitterstäben festzuklammern. Keine optimale Idee - davon zeugt die Hand unseres Skippers: Der Mittelfinger fehlt. Den hat ein Hai weggeknabbert. Plötzlich wieder aufgeregte Signale vom Boot. Der Hai ist wieder da. Er schwimmt am Käfig vorbei, so als wolle er uns ignorieren. Dann eine Kehrtwende. Mit aufmerksamen Augen begutachtet die riesige Kreatur die Käfiginsassen, so als denke sie nach, wie sie ihrer am besten habhaft werden könne. Gott sei Dank wissen Haie nicht, wie sie mit Käfigen umgehen sollen. Ein einzigartiges Naturschauspiel, welches in diesem Moment alle Ängste vergessen lässt. Ab und zu öffnet die Bestie ein wenig den Rachen und zeigt ein furchteinflössendes Gebiss. Das Tier scheint ein wenig ratlos.
Haie gehören zu den schnellsten Lebewesen des Meeres. In Süd Afrika schießen die Meeresräuber zuweilen jäh aus dem Meer um Robben zu fangen. Es ist dies eine der wenigen Gegenden auf der Welt, wo Haie, Delfinen gleich, aus dem Meer springen – auf der Jagd nach Beute. Aber „unser“ Hai unternimmt keine akrobatischen Anschalten. Er kommt näher, umkreist uns, bleibt stehen, schaut interessiert auf die menschlichen Körper – als wenn er denken würde: „Was wollen die denn hier?“
Die Gitterstäbe unseres Käfigs getrauen wir uns in dieser Situation nicht anzufassen. Etwas hilflos und aufgeregt treiben wir in unserer metallenen Umgrenzung. Ein unvergessliches Ereignis. Nach 30 Minuten ist das Schauspiel vorbei. Unser Freund schwimmt von dannen und kehrt nicht wieder zurück. Leicht unterkühlt hangeln wir uns zurück ins Boot. Vorsichtig, denn ins Wasser fallen will hier keiner. Etwa 4 Meter misst das Tier. Bis zu 8 Meter lang können Weisse Haie werden. Ihr Name rührt aus dem Umstand, dass ihre Unterseite weiß ist. Von oben sehen sie dagegen aus wie „gwöhnliche“ Grauhaie. Haie zählen zu den bedrohten Tierarten. Seit 400 Millionen Jahren sorgt der Hai dafür, dass alles Schwache, Absterbende, Unvorsichtige aus den Meeren selektiert wird. So leistet er einen wertvollen evolutionären Beitrag zur Vielfalt der Unterwasserwelt. Doch die Haie werden zunehmend ausgerottet. Ihre Flosse gilt in Asien als Delikatesse und wird dort teuer verkauft. Millionen von Haien wurden allein aus diesem Grund weggeschlachtet. 200 Millionen Haie werden jährlich vom Raubtier Mensch getötet - auf einen vom Hai getöteten Menschen kommen etwa 30 Millionen getötete Haie! Den schlechten Ruf tragen die Haie ungerechtfertigter weise. Die Gefräßigkeit und die Gefährlichkeit der Haie wird oft übertrieben. Auf der Welt gibt es jährlich nur etwa 10 tödliche Haiunfälle. Meistens wollen die Könige der Meere nur mit ihren Opfern spielen. Menschfleisch mögen Hai nämlich nicht. |
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