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    Massenflucht aus Dubai | Drucken |  E-Mail
    Sunday, 10. May 2009
    Die Krise hat Dubai voll erfasst. Das Immobilienmärchen aus 1001 Nacht crasht. Mensch und Kapital auf der Flucht. Hunderttausende verlassen das Scheichtum. Herrscher erlässt Aufenthaltspflicht für Untertanen. Ausreise nur noch nach Bankkonto-Check.
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    Noch in diesem Jahr soll das höchste Haus der Welt fertig werden. Bizarr sticht das Bauwerk wie eine Nadel 800 Meter in den Wüstenhimmel. Der Burj Dubai - der Turm von Dubai -  überragt alles bisher Dagewesene. Doch während oben noch gebaut wird, versinkt unten die Baustelle in einem Meer von Problemen.

    Fluch oder böses Omen? Die Geschichte hat oft gezeigt, dass die Fertiggestellung des höchsten Bauwerks einer Epoche auch eine nachhaltige Krise einleitet. Der „Hochhaus-Indikator“ macht keine Ausnahme: In den Vereinigten Arabischen Emiraten geht es steil bergab.

    Dubai im Mai 2009. Flirrende 40Grad lassen die Megabaustelle am Persischen Golf wie eine Fata Morgana erscheinen.
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    Im Herbst letzten Jahres war die Welt am Golf noch in Ordnung. Auf die Frage, ob es eine Krise gebe, wurde von offizielle Seite abgewiegelt: „Wir sind hier im Auge des Hurrikans – und dort ist es bekanntlich sehr ruhig“ sagte ein Analyst bei Bloomberg.

    Doch der Hurrikan ist weiter gezogen. Und er hinterlässt auch am Golf eine Spur der Verwüstung. Es wird zwar noch gebaut - die Frage ist nur, wie lange noch? Die größten Baufirmen in Dubai sollen angeblich pleite sein.

    Hunderttausende Menschen verlassen den Wüstenstaat. Allein für Sommer sollen bei Emirates Airlines und anderen Fluggesellschaften angeblich 100000 Oneway-Tickets gebucht worden sein.  Inoffiziell spricht man von bis zu einer Millionen, die weg wollen oder müssen – denn es gibt keine Arbeit mehr. Abreise ohne Wiederkehr?

    Während die Ausreise bei den Arbeitsameisen aus Asien einer geordneten Deportation gleichkommt gestaltet sich der Heimgang beim sogenannten „Mittelstand“ schwieriger. Viele kamen mit hohen Erwartungen. Business, Apartments, Auto – alles auf Kredit gekauft. Die Einnahmen stocken, die Zinsen bleiben. Folge:

    Tausende Expatriates sind im letzten halben Jahr Hals über Kopf aus Dubai geflohen. Menschen, die ihre Arbeit oder ihr Business verlieren und hohe Bankschulden haben, hauen ab. Raten für Apartment und Auto können nicht mehr bedient werden. Aus der Traum vom schnellen Geld. Einziger Ausweg: Schnell zum Airport und weg.  Tausende von Autos wurden am Flughafen sichergestellt, teilweise steckte noch der Schlüssel. Jeden Tag kommen neue hinzu.

    Auf dem Parkplatz der Polizeiakademie im noblen Dubai Jumeirah kann man die zurückgelassenen Luxuskarossen bestaunen  - ihr ehemaliger Glanz verblasste der Wüstenstaub.
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    Um diesen Trend zu stoppen, wurde die Ausreise aus Dubai nun erschwert. Raus kommt nur, wer über eine einwandfreie Bonität verfügt. An der Passkontrolle wird gleichzeitig das Konto gecheckt. Wer seine Raten nicht bezahlt hat, fliegt statt nach Hause in den Schuldenturm. Denn bei  Zahlungsverzug droht in den Emiraten Gefängnis.


    In den Zeitungen steht von all' dem nichts. Doch die Menschen sprechen eine andere Sprache. Viele Arbeiter wurden bereits gefeuert, müssen die Heimreise antreten. Alle haben Angst, dass es nicht mehr weiter geht wie bisher. Viele stehen vor dem Nichts.
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    Viele Hochhäuser stehen leer. Viele Unternehmen schließen ihre Niederlassungen. Viele Geschäfte ohne Kunden. Viele Europäer warten nur noch auf die Sommerferien, um mit ihren Kindern abzureisen.

    Baustopp auf den beiden Palmen, die  Prestigeprojekte in Dubai. Auf den neuesten Landkarten sind diese Aushängeschilder des Wüstenbauwahns schon gar nicht mehr abgedruckt – als hätten Sie nie existiert. Tun sie aber: Wer vom Golf aus mit dem Flugzeug landet, kann die verlassene Palm Deira bewundern. Betreten verboten.
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     The Palm Jumeirah: Die größte künstliche Insel der Welt.

    Von der „The World“, einem künstlichen Inselparadies, von der  Michael Schuhmacher ein Fleckchen besitzt, wird auch nicht mehr gesprochen. Das, was einst die Welt in Form kleiner Luxusinselchen reprästenieren sollte, sind jetzt verwaiste Sandbanken im Persischen Golf.

    Baustopp auch auf vielen Baustellen. Fertiggestellt wird nur noch, was sichtbar in den Himmel ragt. Doch auch hier stockt es.
     
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    Glückliche Konsumenten: Küssen verboten
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    Die größte Shopping Mall der Welt hat erst vor zwei Monaten eröffnet. Doch das superlative Einkaufsparadies vereinsamt. Dort, wo sonst Menschen wie Vieh durch Shoppinglabyrinthe treiben, dröhnt gähnende Leere. Ausgeshoppt. Einsam verweist das Eingansschild auf die Hauspolitik des Konsumtempels: „Küssen und emotionale Affektion nicht gestattet.“

    Leer auch viele Hotels trotz neuer Touristenrekorde, welche die Zeitung meldet. Die Dollarabsauganlage Dubai funktioniert nicht mehr. Und billig ist es sowieso kaum noch.

    Dubai glänzt nicht mehr wie früher. Dubai ächzt unter der Krise. Und damit der Exodus nicht zum Kollaps führt, hat der Herrscher eine Anwesenheitspflicht für seine Untertanen eingeführt. Das heißt  die früher so begehrten „Residence Visa“ erhält nur noch, wer  nachweislich 186 Tage im Scheichtum verbleibt. - Nur wer will das schon?

    Wahrscheinlich war es diese Bestimmung, welche den Niedergang der  Immobilienpreise noch verstärkte. Emsig wird an einer Aufweichung der Regel gearbeitet. 6 Monats-Visa sollen den Immobilien-Markt beleben. Doch das wird nichts nutzen.

    Schwacher Trost: Dubai steht nicht alleine da. Alle Staaten und Städte am Golf haben das gleiche Problem und machen sich noch gegenseitig Konkurrenz. Megaprojekte und künstliche Inseln gibt es auch in Abu Dhabi, Quatar, Bahrein, Oman. Häuser wie Sand am Meer. Wüste zu betoniert. Wer soll hier je einziehen?

    Dubai war als zentrale Schnittstelle der Globalisierung geplant. Die Megametropole im Wüstensand. Nur ein Märchen aus 1001 Nacht?
     
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