| China greift Dollar an |
| Thursday, 9. July 2009 | |
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China mit Frontalangriff auf US-Währung beim G8-Gipfel. Zweifel am Dollar als Leitwährung. EZB sieht dagegen kein Problem: Der US-Dollar habe auch in der Krise die Position als weltweite Leitwährung behauptet.
China geht offen auf Konfrontationskus zum US-Dollar über. Ein chinesischer Regierungsvertreter hat auf dem G8-Gipfel in Italien einen seiner direktesten Angriffe auf den Dollar als Leitwährung unternommen. Der chinesische Staatssekretär Dai Bingguo verlangte bei einer Rede vor US-Präsident Barack Obama sowie einigen EU-Staats- und Regierungschefs eine Diversifizierung des internationalen Währungssystems. „Wir sollten ein besseres System für die Ausgabe und Regulierung von Reservewährungen haben“, sagte Bingguo am Donnerstag. Der chinesische Staatspräsident Hu Jintao hatte wegen Unruhen in der chinesischen Provinz Xinjiang bereits am Vortag den Tagungsort in den Abruzzen verlassen. Die chinesische Zentralbank hat sich wiederholt für eine Neuordnung des durch den Dollar dominierten Währungssystems ausgesprochen. Doch mit Bingguo verlangt erstmals ein hochrangiger Politiker einen solchen Schritt. Laut einer Mitteilung des chinesischen Außenministeriums begründete Dai seine Forderung mit den Worten, dass eine Reform unter anderem zu einer Stabilisierung der Wechselkurse zwischen den großen Währungen beitrüge. Direkt zum Dollar äußerte sich Dai jedoch nicht. Ein Sprecher des Außenministeriums unterstrich, die Äußerungen Dais spiegelten auch die Meinung der chinesischen Führung wider. Chinas Zentralbank hatte im März eine umfassende Reform des internationalen Währungssystems und langfristig eine Ablösung des Dollar als weltweite Leitwährung gefordert. Dabei brachte die Notenbank die Sonderziehungsrechte (SZR) des Internationalen Währungsfonds (IWF) als übernationale Reservewährung ins Gespräch. Die Europäische Zentralbank verteidigte dagegen die Stellung des US-Dollars als internationale Leitwährung.
Der amerikanische US-Dollar habe auch in der Krise seine Position als
weltweite Leitwährung behauptet, teilte die EZB mit. Die Turbulenzen
auf den weltweiten Finanzmärkten hätten überdies die Bedeutung des Euro
als internationale Währung im vergangenen Jahr kaum verändert.
„Die Reform des internationalen Währungssystems zielt eindeutig in
Richtung der Schaffung einer supranationalen Reservewährung. In
akademischen Kreisen besteht darüber kein Zweifel," sagt Xi Junyang, der stellvertretende Direktor des Forschungszentrums für
modernes Finanzmanagement bei der Shanghai University of Finance and
Economics. Dies
entspreche nicht nur den Erfordernissen der wirtschaftlichen
Entwicklung Chinas, sondern auch den Interessen der Entwicklungsländer
und der BRIC-Staaten.
China ist derzeit der größten Gläubiger der USA. Obwohl der Anstieg des Kaufs von Staatsanleihen bereits beträchtlich verlangsamt wurde, ist China mit einem Gesamtvolumen von 763,5 Milliarden US-Dollar nach wie vor der größte Eigentümer von US-Staatsanleihen. Die meisten chinesischen Ökonomen sehen diese Situation mit großer Sorge. Zwar haben Chinas Finanzbehörden bislang noch keinen eindeutigen Beschluss verkündet, die Bestände an US-Staatsanleihen zurückzuschrauben. Dennoch waren seit Monaten Schritte in dieser Richtung bemerkbar, wobei China kurzfristige US-Staatsanleihen weiterhin gekauft hat, während Anleihen mit langer Laufzeit schrittweise verkauft wurden.
Quellen: Reuters, Beijing Rundschau |
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