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    Maultaschen absurd | Drucken |  E-Mail
    Saturday, 17. October 2009
    Kündigung wegen angeblichen Diebstahls von sechs Maultaschen, die im Abfall gelandet wären. Richter im Urteilswahn. Wenn's um Bagatellen geht, dann  rauscht es im Blätterwald. Das Absurde: Massenmedien verteidigen den Richterspruch. 

     

    Wo kämen wir hin, wenn jeder Maultaschen klaut, die ansonsten im Abfall gelandet wären? Deutschland sucht das Superthema. 

    Während das Volk trickreich mit Billionen zur Kasse gebeten wird - ausgehend vom größten vorstellbaren Betrug der Menschheitsgeschichte durch die USA, kennt der Stammtisch derzeit nur ein Thema: Die Masse debattiert Maultaschen. War es wirklich Diebstahl? 

    Eine herrliche Geschichte. In ihrem Unvermögen, das wahre Ausmaß der Geldsystemkrise zu erfassen, haben die Medien endlich ein Thema, dass jeder anfassen kann. Kündigung wegen Maultaschenklau. Zu Recht? Rausschmiss wegen 1,3 Euro-Pfandbon. Richtig? Wo kämen wir dahin, wenn das jeder machen würde...

    Stellvertretend für den Stand der Mainstream-Diskussion hier ein Kommentar der hoch angesehenen  "Neue Osnabrücker Zeitung". Das konservative Blatt spricht aus, was die  rechtschaffende Vorstadt wirklich denkt: Eigentlich ist der Richterspruch berechtigt.

    Der Kommentator wird zum Schluss sogar - sicherlich ungewollt - komisch:  "Wenn aber jeder hier und da zugreifen dürfte, wäre der rechtspolitische wie wirtschaftliche Schaden enorm." Also: Drohende Wirtschaftskrise wegen mutmaßlichen Massen-Maultauschenklau? Bleibt zu hoffen, dass in Zukunft die Menschen nicht aus anderen Gründen "hier und da zugreifen". 

     Menschenverachtend, barbarisch, asozial - deutsche Arbeitsrichter müssen sich in diesen Tagen einiges anhören von Gewerkschaftern und Politikern. Die empören sich über fristlose Kündigungen langjähriger Mitarbeiter, ausgesprochen wegen vermeintlicher Bagatellen. Die Justiz-Schelte mag populär sein, liegt aber neben der Sache.

     Zugegeben, ein sofortiger Rauswurf wegen einiger Teigtaschen oder Pfandbons ist menschlich bitter. Dennoch ist er berechtigt. Denn tatsächlich geht es nicht um Petitessen, sondern um Grundsätzliches: Loyalität, Zuverlässigkeit, Ehrlichkeit - all das stellt infrage, wer seinen Arbeitgeber bestiehlt. Nichts anderes hat auch die Pflegerin aus Konstanz getan, die trotz eines klaren Verbots im Betrieb heimlich Maultaschen mitnahm. Das Arbeitsrecht kennt hier aus gutem Grund keine Toleranz. Eine Bagatellgrenze kann es schon deshalb nicht geben, weil sie einer Erlaubnis für kleinere Diebstähle gleichkäme. Wenn aber jeder hier und da zugreifen dürfte, wäre der rechtspolitische wie wirtschaftliche Schaden enorm.

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