Fast alle
Staaten der Welt sind in unvorstellbarer Höhe verschuldet, teils schon
Billionen Dollar. Sind
alle Regierungen unfähig oder handelt es sich um einen Systemzwang? Staatsverschuldung: Der wirklich böse Schildbürgerstreich.
Um das Dilemma um die Staatsschulden zu verstehen, bearf es eines näheren Blicks in unser Geldsystem:
Vermögen und Schulden wachsen aufgrund der Zinsen ständig und unaufhaltsam (laut
Europäischer Zentralbank in den letzten Jahren um ca. 11,5% pro Jahr).
Um das ständige Wachstum der Vermögen
(durch die Habenzinsen) zu ermöglichen, müssen die Banken ständig neue
Schuldner finden (welche die Zinsen zahlen). Wenn sich nicht genügend Schuldner
finden (die Kreditnachfrage zu gering ist), können die Banken die Habenzinsen nicht
mehr zahlen, die Zinsen sinken gegen Null, die Geldflüsse und die Wirtschaft
stagnieren...
Was kann der Staat tun, wenn
Privathaushalte und Wirtschaft sparen (sich also noch mehr Vermögen bilden),
aber niemand bereit ist sich zu verschulden? Er kann entweder andere dazu
animieren, noch mehr Schulden zu machen (z.B. die Regeln der Kreditvergabe und des
Banksystems wie Eigenkapitalrücklagen, Kontrollen etc. lockern) - oder selbst
Schulden machen (Die USA haben beides getan). Wenn man das Banksystem nicht
unverantwortlich destabilisieren will, ist die Staatsverschuldung also der
einzige Ausweg - reiner Systemzwang
und Selbstzweck.
Wenn dies stimmt, müsste das primäre Ziel sein, Schulden zu machen und ständig immer
mehr Zinsen zu zahlen, anstatt sinnvolle Investitionen zu tätigen. Dies ist
tatsächlich so, wenn man sich die Daten der Bundesbank ansieht: Deutschland hat bisher in Summe ca. 1,6 Billionen Zinsen gezahlt. Der Schuldenstand ist bis 2009 auf rund 1,7 Billionen Euro angewachsen -
siehe nachfolgendes Diagramm)!
 Zeitbome Staatsschulden: Grau und rot = Staatsschulden insgesamt. Rot: bisher geleistete Zinszahlungen
Die
Staatsschulden resultieren also zu etwa 90% aus den Zinszahlungen (Im Jahr
2007 betrug der Anteil der Zinsen an den Schulden in Österreich sogar fast
97%!). Ohne Zinsen hätten wir so gut wie keine Schulden. Die Neuverschuldung
entspricht im Schnitt etwa den Zinszahlungen, das heißt, dass kaum etwas von
diesem Geld investiert werden konnte.
Der Staat verhält sich also
eigentlich völlig unlogisch und unverantwortlich. Jeder „normale“ Schuldner ist
darauf bedacht, den Kredit so schnell wie möglich zu tilgen, um möglichst wenig
Zinsen zu zahlen. (Dennoch zahlt auch ein Häuselbauer
nach 30 Jahren ca. das Doppelte seines Kredits zurück.) Wer seine Kredite in Summe nicht
tilgt, zahlt Zinsen bis in alle Ewigkeit. Wer im Gegenteil sogar ständig neue
Schulden aufnimmt, um überhaupt die Zinsen zahlen zu können, zahlt immer
mehr Zinsen bis er unweigerlich in den Konkurs geht...
Das „Beste“ zum
Schluss: Da der Staat keine Kredite von der Bundesbank bzw. von der Nationalbank bekommt, muss er sich auch
das Geld für Bankenrettungspakete
bei den Banken leihen - gegen hohe Zinsen. Dieses Geld leiht er dann den selben
Banken zu günstigen Konditionen (keine Rückzahlungen bei Verlusten etc. - die
genauen Vertragsbedingungen sind geheim).
Das Bankenpaket funktioniert also
nach der Logik: „Wir leihen den Banken günstig Geld, das wir uns zuvor teuer
bei ihnen ausgeliehen haben.“ Das wird uns BürgerInnen als gutes Geschäft
verkauft. Da würden selbst die Schildbürger vor Neid erblassen!
Nachtrag
Ein weiterer Systemfehler
ist, dass für die Bezahlung der Raten (Zinsen) nie genügend Geld vorhanden ist.
Dazu ein kleines Beispiel (Kurzfilm „Wie funktioniert Geld?“ von Max von Bock -
siehe YouTube):
„Auf einem Planeten mit 10 Lebewesen wird Geld in Form von Lederstücken
eingeführt. Jeder erhält 10 Stück zu einem Zinssatz von 10%. Am Ende müssen
also 110 Stücke zurückgezahlt werden, obwohl es nur 100 gibt. Woher kommt der
Rest? Einer muss all seine Lederstücke verlieren, damit die anderen genug
haben, um die Zinsen zu zahlen. Weil niemand am Ende ohne Geld dastehen möchte,
werden sich also alle bemühen, so viel wie möglich zu verdienen. Doch so sehr
sich auch alle bemühen - am Ende wird irgendwo Geld fehlen. Und woher bekommt
man Geld? Eben: Durch einen Kredit.“
Kreditraten
können also im Gesamtsystem (Staat, Haushalte und Unternehmen) nur getilgt
werden, indem einzelne ihr Vermögen verlieren (Konkurs gehen) oder neue Schulden
aufnehmen.
Unser Geldsystem ist also ein Schuldgeldsystem, ein
Pyramidenspiel mit eingebautem Verfallsdatum, bei dem die Vermögen der einen
auf den Schulden der anderen basieren (Paul C. Martin spricht von einem sog. Debitismus). Würden alle Schulden zurückbezahlt,
würde es kein Geld mehr geben. Oder korrekt ausgedrückt: Damit die Schuldner
ihre Schulden jemals vollständig tilgen könnten, müssten die Vermögenden ihre
Vermögen vollständig her- bzw. ausgeben.
Richtig problematisch wird das Ganze durch den
sog. Zinseszinseffekt: Die Schulden
und Vermögen wachsen exponentiell, also umso rascher, je größer sie werden, bis
sie faktisch explodieren. Je mehr Geld vorhanden ist, umso rascher vermehrt es
sich, umso mehr wird spekuliert. Je größer die Schulden, umso mehr Zinsen
müssen gezahlt werden...
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