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Facebook: Kursrutsch am Zuckerberg

Geht Facebook jetzt den Bachrunter? Die Unternehmensbewertung war von Anfang an gierig. Jetzt kommt der Kater. Das angepeilte Gewinnwachstum ist Schnee von gestern - vor dem Unternehmen steht ein holpriger Weg. Keine gute Zukunft für das größte "soziale" Netzwerk der Welt. Wird Facebook je wieder den Ausgabepreis von 38$ erreichen?

 

von Carsten Englert

Der Mittwochabend hatte es schon angedeutet, dass es am Zuckerberg ungemütlich werden könnte. Der Online-Spielanbieter Zynga hatte die Märkte geschockt. Im zweiten Quartal „erwirtschaftete“ der Erfinder der vielen nervigen Farmville-Abfragen einen Verlust von 23 Millionen Dollar. Das Unternehmen kappte auch gleich die Prognose für das Gesamtjahr. Für die Aktie ging es erdrutschartig um 40 Prozent nach unten. Der (Kurs-)Boden am Zuckerberg begann sich daraufhin ebenfalls zu lockern. Kein Wunder: Die Unternehmen Zynga und Mark Zuckerbergs Facebook sind sehr eng miteinander verzahnt. Zynga steuerte zuletzt 15 Prozent zum Umsatz von Facebook bei und umgekehrt sorgt Facebook bei Zynga sogar für 90 Prozent der Umsätze. Am gleichen Abend ging es somit für Facebook wenig überraschend um acht Prozent in die Tiefe. Am nächsten Tag bestätigte sich das Minus bis zum Handelsschluss. Doch dann kamen nach dem Läuten der Börsenglocken in New York auch von Facebook die Zahlen. Nun kam auch der Kursrutsch am Zuckerberg. Nochmals minus zehn Prozent auf ein neues Allzeittief bei knapp 24 US-Dollar. Der Ausgabepreis lag übrigens bei 38 US-Dollar.


Dicker Verlust

Was war passiert? Das Unternehmen des milliardenschweren Studenten Mark Zuckerberg hatte bei der ersten Quartalsbilanz einen Verlust von 157 Millionen Dollar präsentiert. Zumindest wenn man Sondereffekte nicht raus rechnet. Zudem gab es ein ordentliches Steuergeschenk, ohne dass der Verlust noch deutlich höher ausgefallen wäre und auch der bereinigte Gewinn von 0,12 Dollar je Aktie. Zwar konnte Facebook immerhin den Umsatz um 32 Prozent steigern. Doch gleichzeitig sank die operative Marge von 53 auf 43 Prozent. Zuckerberg hat vorsorglich in der Telefonkonferenz mit den Analysten drauf hingewiesen, dass dieser Wert weiter sinken wird, da weiter die Investitionen in Forschung und Entwicklung und Infrastruktur „aggressiv“ erhöht werden.


Geht die Aktie jetzt den Bach runter?

Diese Frage mögen sich interessierte Anleger ebenso stellen wie investierte Anleger. Ich habe dazu auch eine klare Meinung! Man muss sich keine Sorgen machen, Facebook wird sicher nicht Pleite gehen. Das Geschäftsmodell funktioniert und wird überdauern. Facebook ist eine sehr gute Kommunikationsplattform. Es ist auch richtig, viel in Forschung und Entwicklung zu investieren. Für besonders Weise sogar halte ich die Entscheidung, nicht wie vom Markt spekuliert wurde, ein eigenes Facebook-Smartphone zu entwickeln. Laut Zuckerberg macht ein eigenes Telefon „wirklich keinen Sinn für uns“. Ich stimme ihm zu, das wäre ein Milliardengrab geworden. Gegen Samsung und Apple hätte sich ein Neuling niemals durchsetzen können.

Dennoch wird die Aktie erst einmal noch eine ganze Weile den Rückwärtsgang einschlagen! Warum? Ganz einfach. Die beim Börsengang zu Grunde gelegte Bewertung war aberwitzig. Es wurde bereits maximal schnelles Gewinnwachstum unterstellt und das auch noch mit einem maximal möglichen Gewinnmultipel bewertet. Doch spätestens die Quartalszahlen haben gezeigt, dass Facebook erst nochmal ein paar Hausaufgaben zu erledigen hat, bevor das Netzwerk in die Cash Cow Phase eintritt. Das bedeutet zunächst schwaches Gewinnwachstum, vielleicht sogar den ein oder anderen Gewinnrückgang. Aber solange das so ist, kann der Konzern natürlich keine 50 oder 60 Milliarden Dollar schwer sein. Facebook muss nun nach dem Börsengang-Desaster und der falschen Kommunikation der Ist-Situation erst einmal Vertrauen zurück gewinnen. Das dauert. Zunächst wird die Bewertung auf ein gerechtfertigtes Maß gestutzt werden. Wo genau die liegt, kann nur der Mark festlegen. Doch ich halte es durchaus für möglich, dass sich der Kurs zwischen 10 und 15 Dollar dann einpendelt, um nach ersten Erfolgen im operativen Geschäft auch erste Erfolge auf dem Börsenparkett zu feiern.

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