Desertec: Die Fiat Money Fata Morgana

Das Desertec-Mega-Projekt hat alle Merkmale einer gigantischen Fehlallokation von Ressourcen, Kapital und menschlichem Geist, wie sie nur in politisch-zentralistisch statt marktwirtschaftlich gesteuerten Systemen des keynesianischen Sozialismus und des ungedeckten Papiergelds vorkommen kann.

 

Von Peter Boehringer

In der gediegenene Atmosphäre des aufwendig sanierten Altbaus der HVB-Zentrale berichtet der "Leiter Corporate Climate Center" der Munich Re - und damit ein hoher Vertreter von "Desertec" - in schillernden Farben nicht etwa über das Betriebsklima der Munich Re [wie man aufgrund seines "Corporate Climate"-Titels vermuten könnte...], sondern über das "Desertec"-Projekt, das noch im laufenden Jahrzehnt riesige Mengen an Solarstrom aus der Sahara zu uns bringen und unseren mitteleuropäischen Energiebedarf decken solle.

Es ist ein wirtschaftliches Megaprojekt, in dem sich viele politisch korrekten (Un)Wahrheiten zum Plan eines absurden neuen EUropäischen Turmbaus zu Babel vereinigen und konkretisieren:

 

Auszug aus Desertecs "Globalem Mission Statement":
"Die Menschheit steht vor gewaltigen Herausforderungen: Bevölkerungswachstum und zunehmende Industrialisierung lassen den weltweiten Energiebedarf rasant ansteigen. Gleichzeitig muss der globale CO2-Ausstoß innerhalb weniger Jahre drastisch reduziert werden, um einen katastrophalen Klimawandel zu vermeiden."

 

"Bevölkerungswachstum" ist in Afrika und im Nahen Osten und in Südasien leider traurige, verantwortungslose (und von Desertec nicht kritisch hinterfragte) Realität. Über die "zunehmende Industrialisierung" kann man post PeakOil zwar streiten - aber das lassen wir heute mal sein. Und über die "CO2"-Religion lästern wir hier und heute ebenfalls nicht schon wieder - siehe dazu erst den vorigen Blogeintrag.

In jedem Fall aber hat dieses Desertec-Mega-Projekt alle Merkmale einer gigantischen Fehlallokation von Ressourcen, Kapital und menschlichem Geist, wie sie nur in politisch-zentralistisch statt marktwirtschaftlich gesteuerten Systemen des keynesianischen Sozialismus und des ungedeckten Papiergelds vorkommen kann. 

 

Dennoch herrschte bei der o.g. Präsentation vor anwesenden potenziellen FREMDkapitalgebern (= Bankern), Fremdkapitalverwaltern (= Hedge Fonds Managern), Gelddruckern (= Zentralbankern) und Politikern (= verantwortlich allen eben Genannten) eine gute Stimmung, denn der Lunch und der Wein waren gut, das Wetter schön, der Vortrag davor sehr unterhaltsam wenn auch leicht systemkritisch (HVB-Analyst Purps zur Zukunft des EUros). Und selbst die der anwesenden GoldSilber-Bug war´s zufrieden, denn der präsentierende Vertreter des Desertec-Konsortialführers Munich Re erklärte in ruhigen und sonor-gesetzten Worten, dass eine staatliche Anschubfinanzierung des Mega-Projekts NICHT erforderlich sein würde! Man habe bereits mehrere Dutzend sehr potente Konsortiumsmitglieder und Partner. Und außerdem würde nun erst einmal eine Machbarkeitsstudie erstellt, so dass sicherlich kein Kapital verschwendet werden würde - schon gar kein Steuergeld.

 

Soweit so gut. Auch der bzgl. Desertec etwas skeptische GoldSilber-Bug im Publikum ließ es gut sein, denn was soll man gegen ein rein privatwirtschaftlich finanziertes Projekt auch sagen? Entweder es würde funktionieren - dann wunderbar für alle Aktionäre der Mitglieder des Desertec-Konsortiums. Oder es würde nicht realisierbar sein: dann würde das Projekt nach der Machbarkeitsstudie abgebrochen - und diese versenkten Millionen werden von den Aktionären der Mitgliedsunternehmen zu tragen sein, die schon deshalb ihren CEOs streng auf die Finger schauen würden.

 

Szenenwechsel, Frankfurt 23. Oktober 2010:

Seit  23. Oktober, aber ist bei Desertec ALLES anders: Paul van Son, Geschäftsführer der "Desertec Industrial Initiative", forderte via FAZ-Interview implizit -aber eindeutig und öffentlich und entgegen bisherigen Plänen- STEUERMITTEL für sein -zudem noch "alternativloses"- superteures Projekt: "Dem deutschen Steuerzahler kann man versprechen, dass die Investitionen der ersten 15 Jahre in den zweiten 25 Jahren zurückverdient werden". 

Und da wir uns nicht wie die Demonstranten von zB Stuttgart 21 vorwerfen lassen wollen, wir hätten zu spät den Mund aufgemacht, nachfolgend nur eine erste, garantiert noch unvollständige Frage- und "Issue"-Liste an die Desertec-Verantwortlichen.

Seit gestern nämlich sind diese Herren UNS ALLEN (= der Öffentlichkeit und auch allen Lesern dieses Blogs) verantwortlich. Erstens darf in dieser Welt - speziell am BEGINN eines Projekts - NICHTS "alternativlos" sein. Und schon gar nicht bei einem Projekt, von dem sogar der Geschäftsführer selbst sagt, dass praktisch alle wichtigen Fragen zu technisch-geographisch-politischer Machbarkeit und auch zur ökonomischen Machbarkeit "bestenfalls im Ansatz" beantwortet werden können.

Und zweitens sind wir seit gestern ALLE Auftraggeber des Desertec-Projekts, denn offenbar trauen sich die "18 Gesellschafter und 32 assoziierte Partner aus Nordafrika, aus dem Mittleren Osten und aus Europa" die Umsetzung ihrer "Vision" schon a priori nicht PRIVATwirtschaftlich zu, sondern rufen schon heute (!) nach uns allen, also nach dem Staat und seinen Steuerzahlern und seiner Kreditgeld-Druckerpresse.

 

Versprechungen für 2050?

Warum aber sollten wir Herrn van Son nach all den alternativlosen und superteuren Bankenrettungen und nach all den staatlichen Fehlprojekten der letzten Jahrzehnte auch nur ANSATZWEISE glauben, wenn er im Interview über ein schon nach ersten (immer viel zu geringen) Schätzungen 400 Mrd. EUR teures Projekt ernsthaft sagt: "Dem deutschen Steuerzahler kann man versprechen, dass die Investitionen der ersten 15 Jahre in den zweiten 25 Jahren zurückverdient werden." ?

Welche Glaskugel zur Welt in 2025 bzw. 2050 hat Herr van Son? Ich fordere neben der Öffentlichkeit auch die Aktionäre aller deutschen Konsortiumsbeteiligten [Munich Re, Deutsche Bank, RWE, Eon, Siemens sowie weitere] auf, ihren Vorständen auf HVs und auf anderen Wegen RECHTZEITIG mindestens die nachfolgenden Fragen zu stellen und auf BELASTBAREN Antworten zu bestehen! Es ist UNSER Steuergeld.

Und selbst wenn es "nur" Geld aus der keynesianischen Fehlallokationsmaschine der staatlichen Gelddruckerpresse sein sollte: es ist UNSER Inflationsschaden, für den schon in den kommenden Monaten bis 2012 ("Spatenstich Anfang 2013") unwiderruflich der Startschuss gegeben werden soll. Hier also eine erste Frageliste an die Politik und an den Desertec-Manager van Son zu "unserem" neuen Staats- und Bürgerprojekt "Desertec" :

 

1. Technologische Machbarkeit


 

2. Rohstoffkosten

 

3. Gesamt-Kosten

4. Zeitplan

 

5. Sinnhaftigkeit generell?

 

6. Umweltverträglichkeit

 

7. Politische Sinnhaftigkeit?

Fazit

Diese größenwahnsinnigen Fata Morgana namens "Desertec" bzw. diese Morgengabe des Abendlandes an das moslemische Morgenland und diese megalomanische Fehlallokation von Kapital wäre unter einem Goldstandard nicht einmal andenkbar gewesen!

Keynes argumentierte zwar einstmals ernsthaft, sogar das Grabenlassen von Löchern und das Wiederzuschütten sei sinnvoll, denn es brächte ja Arbeit und Arbeitsplätze. Aber nur weil dieser geadelte Mega-Verbrecher des 20. Jahrhunderts so etwas postulierte, heißt das nicht, dass Desertec, die Deutsche Regierung und wir alle sklavisch diesem absurden Diktum auch heute noch folgen müssen!

Bestehen Sie auf Antworten auf die oben nur bruchteilig angerissenen Fragen - die im Kommentarbereich unten gerne noch ergänzt werden können. Wir sind Laien - also formulieren wir die Fragen laienhaft und stichwortartig. Weitere Nachfragen behalten wir uns explizit vor. Wir tun dies NICHT wie bei S21 erst nach 17 Jahren, sondern hier und heute. Die Desertec-Verantwortlichen müssen uns dankbar sein für unsere frühzeitigen Fragen! Die Antworten der technischen und betriebswirtschaftlichen Managerprofis von Desertec dazu müssen professionell und umfassend und belastbar sein! Wir sind die Steuerzahler und seit gestern Desertec-Finanziers:

Ich fordere neben Lesern des Blogs und neben der Öffentlichkeit und den unabhängigen Aktionären der o.g. Desertec-Konsortiums-Mitglieder natürlich auch die Massenmedien dazu auf, dieses Projekt von Anfang an höchst kritisch zu begleiten - und auch medial Antworten auf die o.g. Fragen einzufordern!

www.goldseitenblog.com/peter_boehringer

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