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Währungsreform und Kriegsfinanzierung

Der frühere Bundesbank-Präsident Helmut Schlesinger ist fassungslos in Anbetracht der EZB-Billionen für Banken und der Finanzierung der Staaten durch die Notenbank-Presse: "Das erinnert mich an Kriegsfinanzierung". Einen solchen Geldüberhang hat man früher nur mit einer Währungsreform oder Inflation wegbekommen.

 

In Anbetracht der Rettungspakete und EZB-Billionen übt der frühere Bundesbank-Präsident Helmut Schlesinger scharfe Kritik an EZB und Finanzpolitik. In einem Interview mit der "Welt am Sonntag" bewertete er die Billionen-Hilfe für marode Euro-Banken extrem negativ und sagte wörtlich, die Ausweitung der Bilanzsumme der europäischen Notenbank erinnere ihn an "Kriegsfinanzierung". Heute hätte sich die Bilanzssumme der EZB in kurzer Zeit verdreifacht, damals hatte sie sich verzehnfacht.

Schlesinger kritisierte außerdem die hohen Target-Salden der Bundesbank und hatte schon sehr früh auf die drohenden Ungleichgewichte und deren Konsequenzen hingewiesen. Vollkommen unfassbar sei der Dreijahrestender der EZB. So etwas sei früher unvorstellbar gewesen.

Den gewaltigen Geldüberhang bei der EZB könne man eigentlich nur über eine Währungsreform oder über Inflation beseitigen, so Schlesinger. Dem Versprechen der EZB, dass sie die gewaltigen Geldsummen kontrollieren könne, widerspricht der Ex-Bundesbank-Präsident vehemment.

Er selbst rechne noch in DM und sei erstaunt darüber, wie teuer alles gworden sei. Dem Euro steht er skeptisch gegenüber, ein Austritt einzelner Länder sei aber zum gegenwärtigen Zeitpunkt schwierig ohne dass es zu internationalen Verwerfungen kommen würde.


Welt am Sonntag: Sie sorgen sich, das viele Geld könnte in eine Inflation münden?

 

Helmut Schlesinger: Wir haben keine Erfahrungen mit einer derartigen Geldpolitik in Friedenszeiten. Die Notenbankbilanz hat sich innerhalb kurzer Zeit von einer auf drei Billionen Euro verdreifacht. Das sind Dimensionen, die eher an die Kriegsfinanzierung erinnern. Damals hat sich die Bilanzsumme verzehnfacht.

 

Welt am Sonntag: Die EZB sagt, sie habe das im Griff.

 

Helmut Schlesinger: Lassen Sie mich das historisch beantworten. Einen Geldüberhang hat man in der Geschichte durch zweierlei wegbekommen: entweder durch eine Währungsreform, so wie das in Deutschland 1948 der Fall war. Damals wurde die Geldmenge gezehntelt. Oder durch Preiskontrollen und Zwangsbewirtschaftung. Diesen Weg ist Großbritannien nach dem Zweiten Weltkrieg lange Zeit gegangen. Damals hat man über zehn Jahre mit erhöhter Inflation gelebt, bis das viele Geld schließlich von der Wirtschaft absorbiert war. Wenn die EZB also sagt, sie komme da schnell wieder raus, gibt sie ein Versprechen ab, das erst einmal näher begründet werden müsste.

...

Helmut Schlesinger: Man kann den Euro nicht einfach wieder abschaffen. Der Zusammenbruch der Währungsunion wäre eine Katastrophe für alle Beteiligten. Unter ganz bestimmten Bedingungen aber könnte ein Land auch wieder aus dem Euro-System austreten.

 

Welt am Sonntag: Wie sollte das gehen?

 

Helmut Schlesinger: Es dürfte nicht ad hoc passieren. Man müsste ein Team von Experten zusammenrufen, die das vorbereiten. So ähnlich wie damals bei der Währungsreform: eine Kaserne im Nirgendwo, gutes Essen, gutes Trinken, keine Störungen und keine Verbindung nach außen. Es ist wichtig, dass es sich um ein Land mit sehr speziellen Problemen dreht ...

 

Welt am Sonntag: ... wie Griechenland?

 

Helmut Schlesinger: ... das vollkommen anders ist als die anderen, dann ginge das. Bei einem normalen Euro-Mitglied ginge es nicht. Das wäre ein Tabubruch und würde eine stete Unruhe in die Währungsgemeinschaft bringen.

Zum kompletten Interview

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