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22.02.2015

Der Euro, so das Mantra der politischen Einheitsfront von dunkelrot bis tiefschwarz, nützt Deutschland. Wie sehr wir alle vom Euro profitieren, lässt sich unter anderem erkennen an - ja, woran eigentlich?

 

Von Dagmar Metzger und Steffen Schäfer, Liberale Vereinigung

Der Euro, so das Mantra der politischen Einheitsfront von dunkelrot bis tiefschwarz, nützt Deutschland. Nicht nur dass der gesamte europäische Kontinent sich ohne diese „Friedenswährung“ sofort in ein schwarzes Loch stürzen würde und auf Nimmerwiedersehen verschwände (zumindest aber, um die Kanzlerin zu zitieren, „scheitern“ würde), nein ohne die wundervolle und segensreiche Gemeinschaftswährung wären wir Deutschen auch viel ärmer. Wie sehr wir alle vom Euro profitieren, lässt sich unter anderem erkennen an - ja, woran eigentlich?


Vielleicht an der wundervollen Infrastruktur, die uns auch die kommenden Jahre ein effizientes Wirtschaften ermöglicht – internationale Großflughäfen, moderne Autobahnen oder öffentliche Nahverkehrsprojekte? Oder an prunkvollen neuen Universitäten, die es der nächsten Generation ermöglichen, sich zeitgemäß und umfassend zu bilden und so als Kernphysiker, Bauingenieure oder Bioinformatiker zum volkswirtschaftlichen Wohlstand beizutragen? Nein, leider nein.


Auch die restliche Infrastruktur unseres Landes ist – gerade im Westen der Republik – völlig marode. Da werden Brücken unversehens gesperrt, weil die Polizei deren Einsturz fürchtet, Landstraßen sind ohnehin nur mehr ein Fleckenteppich und es gleicht einem Wunder, wenn alle Fahrspuren einer Autobahn frei befahrbar sind. Überall wird der Mangel verwaltet. Die Verzweiflung ist inzwischen so groß, dass der Wirtschaftsminister plant, die Bürger über einen „Bürgerfonds“ Infrastrukturprojekte „mitfinanzieren“ zu lassen. Bisher kam das Geld für Straßen und Brücken ja bekanntlich aus dem Topf voll Gold am Ende des Regenbogens.


Großartige Infrastruktur findet sich dagegen eher in Spanien oder ja, auch in Griechenland. Zwar hat dort eine vierspurige, auch nachts taghell erleuchtete und ins griechisch-türkische Niemandsland führende Autobahn ebenso wenig Nutzen wie internationale Großflughäfen in Castellón oder Ciudad Real. Aber wer weiß, zumindest die „Griechenhighways“ könnten sich noch einmal als nützlich erweisen: Schließlich hat der Russenkonzern Gazprom jüngst beschlossen, die Türkei zum Erdgashub für „Europa“ zu machen...


Zurück zum Thema – den Nutzen des Euro erkennt man, so wird der ein oder andere vom Euro-Fieber infizierte keynesianische Wirtschaftswissenschaftler (wahlweise auch der genauso ahnungslose Politiker) einwenden, daran, dass Deutschland Exportweltmeister ist. Nun ja - Deutschland war schon immer eine Exportnation, dies ist nicht erst seit dem Euro so. Zudem war dieses Geschäftsmodell früher irgendwie lohnender. In den 1950er und 1960er Jahren konnte Deutschland dank des Exports unter dem Dollar-Goldstandard von Bretton Woods den offiziell zweitgrößten Goldhort der Welt anhäufen – satte 3.400 Tonnen kamen so zustande. Gut, ob diese nicht inzwischen einmal oder gar mehrmals verliehen wurden und de facto nur mehr auf dem Papier existieren, wissen wir nicht, da sich die Bundesbank jedem Audit standhaft wiedersetzt – aber theoretisch sollten sie noch in den Tresoren in New York, in London und, ja doch, sogar in Frankfurt liegen und einen echten Vermögenswert des deutschen Volkes darstellen.


Auch nachdem das System von Bretton Woods 1973 zusammengebrochen war (Grund hierfür waren die starren Wechselkurse sowie der Unwille der USA, ihren Verpflichtungen nachzukommen und weiterhin US-Dollar gegen Gold zu tauschen), blieb das Geschäftsmodell „Export“ lohnend. Die D-Mark wertete in den 1970er und 1980er innerhalb des Europäischen Wechselkurssystems wenigstens einmal im Jahr auf und bescherte so den Bürgern reale Kaufkraftgewinne. Die Infrastruktur wurde innerhalb dieser Zeit ein letztes Mal rundum modernisiert und viele Städte bauten damals ihre öffentlichen Nahverkehrssysteme auf.


Wie anders dazu doch die Situation seit Einführung des Euro und insbesondere nach dem offenen Ausbruch der Krise des Geldsystems ab 2007. Statt Goldreserven häufen wir Target-Salden an. Uneinbringbare Forderungen gegen ein System, welches am Rande des Zusammenbruch wandelt und irgendwann zusammenbrechen wird. Die Zentralbank manipuliert den Zins in den negativen Bereich und reduziert so die Sparguthaben der Bürger, nicht allein auf dem Konto, sondern auch in den Lebensversicherungen – zu deren Auszahlung so mancher deutsche Bürger noch eine böse Überraschung erleben wird dürfen (so sie denn überhaupt noch ausbezahlt werden). Nicht zuletzt mussten die deutschen Arbeiter und Angestellten deutliche Reallohneinbußen hinnehmen. Der wirtschaftliche Wettbewerb – nicht mit anderen EU-Staaten, sondern mit China, Korea, den USA und anderen Nationen – ließ dies notwendig erscheinen.


Bemerkenswert ist jedoch, dass gerade China, der Konkurrent um den Titel des Exportweltmeisters schlechthin in einer ganz anderen Situation ist. Für die Chinesen lohnt sich der Export nach wie vor. Sie häufen gewaltige Währungsreserven an, mit denen sie wiederum weltweit auf Einkaufstour gehen: Deutsche Mittelständler, ukrainisches Ackerland und Gold. Das chinesische Volk profitiert ebenfalls: die Infrastruktur wird in ungeheurer Geschwindigkeit ausgebaut, die Reallöhne steigen und sogar der von der chinesischen Regierung nach unten manipulierte Renminbi wertet dennoch auf und bescherte den Chinesen so deutliche Wohlstandszuwächse.


Dass der Euro den deutschen Bürgern insgesamt mehr schadet als nützt, dürfte jeder, der unvoreingenommen ist, inzwischen begriffen haben. Es findet dank des Euro ein dramatischer Kapitalexport zugunsten der übrigen Euromitgliedsstaaten statt. Bedenkt man jedoch hinsichtlich des deutschen Exporterfolges, der inzwischen weitaus stärker in Übersee als im heimischen Europa stattfindet, die chinesischen Währungsreserven, so wird eine andere Frage ebenfalls interessant: Wie ist es eigentlich um die Leistungsbilanzüberschüsse bestellt, die im Handel mit der restlichen Welt entstehen? Müssten sich so nicht jede Menge an US-Dollar, Pfund etc. im Währungsreservenportfolio der Bundesbank ansammeln? Müssten angesichts der enormen Exportstärke unseres Landes (nur 40% des Exports geht in die Eurozone) die deutschen Währungsreserven nicht deutlich stärker anschwellen? Anders gefragt: Profitieren auch vom Export in die restliche Welt immer stärker andere und weniger die deutsche Gesellschaft als solche?


Spätestens wenn es daran geht, das Eurosystem abzuwickeln, wird diese Frage relevant und auch auf die ein oder andere Weise beantwortet werden. Bis dahin werden sich noch viele im Schein eines Titels sonnen, der uns tatsächlich ärmer macht.
 


h - dein Beitrag hier

 


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