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Reform der internationalen Geldordnung | Drucken |
29.06.2010

Barclays-Chefökonom Polleit fordert Reform der internationalen Geldordnung. "Schuld an der Finanz- und Wirtschaftskrise ist in letzter Konsequenz nicht mangelnde Regulierung, sondern in der Konstruktion des Geldsystems zu finden“

 

Nach Ansicht des Chefvolkswirts von Barclays Capital setzen die Finanzmarktreformen der internationalen Staatengemeinschaft an der falschen Stelle an. „Denn Schuld an der Finanz- und Wirtschaftskrise ist in letzter Konsequenz nicht mangelnde Regulierung, sondern in der Konstruktion des Geldsystems zu finden“, sagte Polleit Handelsblatt Online. Als Hauptschuldigen sieht der Ökonom die Zentralbanken, die für ein Ausweiten der Geldmenge „aus dem Nichts“, per Kreditgewährung, sorgten. „Das wiederum sorgt unweigerlich für Boom-und-Bust-Zyklen und eine immer weiter anwachsende Schuldenlast.“ Polleit hält daher eine Reform der internationalen Geldordnung für dringend geboten: „Bei der Geldpolitik müssten die Ursachendiagnose und die Präventionsbemühungen ansetzen, nicht bei der Regulierung.“



Vor diesem Hintergrund äußerte sich Polleit skeptisch zu dem G20-Beschluss, wonach die Industriestaaten bis 2013 ihre Staatsdefizite halbieren und bis 2016 ihre Haushalte ausgeglichen haben sollen bzw. die Staatschuldenquote nicht mehr ansteigen dürfe. Was in Toronto vereinbart wurde, sei „kein sehr ambitioniertes Abschlussdokument, weil wichtige Aspekte ungeklärt blieben – wie etwa die Fragen, ob die Defizite durch Ausgabenkürzungen oder Steuererhebungen reduziert werden sollen? Und was passiert, wenn das Ziel nicht eingehalten wird?“ Das Ziel, staatliches Verschulden zu beenden, sei zwar ökonomisch richtig, fügte der Barclays-Chefvolkswirt hinzu. „Die entscheidenden Fragen sind aber vielmehr: Kommt das Eindämmen der Staatsschulden überhaupt? Kommt es rechtzeitig, und erfolgt es auch in ausreichendem Maße?“ Polleit glaubt daher, dass man sich durch den G20-Gipfel den „nötigen Vertrauensschub“ wohl kaum erhoffen könne.



Die Staats- und Regierungschefs der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer hatten sich am Wochenende in Toronto auf einen Zeitplan für den Abbau der Schuldenberge geeinigt. Die Reform des Weltfinanzsystems wurde aber bis zum nächsten Gipfeltreffen im Herbst in Seoul vertagt. Auch eine Bankenabgabe oder eine Finanztransaktionssteuer wird es nicht auf globaler Ebene geben - Länder wie Japan und Kanada, die die Finanzkrise nicht so hart getroffen hat, stellten sich quer.

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