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US-Wahlkampf: ein Spiegel des Zustandes der USA
27.09.2016

Für die Realwirtschaft sieht es nicht gut aus in den USA - mit privater und öffentlicher Verschuldung, die mehr und mehr besorgniserregend wird (Haushalte sind wieder ähnlich hoch verschuldet wie 2008).

 

Via GEAB

Trotz der geringen Qualität der Debatte erlaubt der US-Wahlkampf doch einen “Moment der Wahrheit” — eine Befreiung des Diskurses, geknüpft an den Bruch der Gesellschaft (inklusive des Establishment selbst) in zwei Lager. Und hier im Rahmen der heutzutage über-polarisierten Debatte, wurde das Zerwürfnis zwischen dem demokratischen und republikanischen Lager so groß, dass lange unübliche Eindrücke über den Zustand des Landes zu Tage kommen.

 

So kommt es, dass alarmistische Artikel über den Zustand der US-Wirtschaft florieren. Neben den politischen Resorts, die wir sehen, gibt es eine Abschwächung der Kommunikation. Nehmen wir die Ankündigung der Fed zum Beispiel, wo Frau Yellen von Monat zu Monat stärker versucht die Märkte mit beruhigenden, aber wenig überzeugenden Erklärungen über Zinserhöhungen zu steuern. Zinserhöhungen, welche nie eintreten (wir kommen später darauf zurück).

 

Mit der anstehenden Wahl wurde es unmöglich die Probleme unter einem Mantel der guten Nachrichten oder Auslandsnachrichten zu verstecken, immerhin zwingt eine Wahl ein Land dazu, auch über sich selbst zu reden und sich seine eigenen Probleme anzuschauen. Seltsamerweise ist es gerade jetzt zu diesem Zeitpunkt, dass die Arbeitslosenzahlen steigen. Mai ist der schlechteste Monat seit 2010 in Sachen Arbeitsplatzschaffung (sogar März und April wurden bedeutend nach unten korrigiert). Dies löste eine kleine Panik aus, genau vor einem Treffen der Fed, auf dem die Erhöhung des Leitzins vorgesehen war. Nun gibt es eine gute Ausrede damit noch etwas zu warten.

 

Bill Gross warnt vor Supernova

Die Finanzwelt beginnt nun auch sich zu beunruhigen. Mehr als 10.000 Milliarden Dollar Staatsschulden haben zur Zeit negative Zinsen, nahezu das gesamte BIP der Euro-Zone. Die Motivation eines Investors ist nicht Geld zu verlieren, sondern er hofft auf eine weitere Senkung, um seine Investition mit Gewinn verkaufen zu können (in einer Niedrigzins-Umwelt wird diese Dynamik noch interessanter). Diese Spirale, beziehungsweise die Angst das sie im Falle einer Zinserhöhung ins Stottern kommt, bereitet beispielsweise Bill Gross große Sorgen. Er warnt vor nicht weniger als einer “Supernova”.

 

George Soros hingegen setzt auf den bevorstehenden Preisverfall, indem er seine Anteile für Gold verkauft. Auch Goldman Sachs sieht über die nächsten zwölf Monate (die Zeit der amerikanischen Präsidentschaftswahl) einen Preisverfall vorher. Nach Aussagen der Bank schalten die Märkte derzeit in den “Verzweiflungsmodus”, in einer Konstellation, die stark an 2007 erinnert.

 

Zudem explodiert zurzeit die Anzahl von Mainstream Artikeln, die vor der Ähnlichkeit der aktuellen Exzesse mit 2007 warnen: die Anleihemärkte waren nie so hoch bewertet und gleichzeitig so wenig kontrolliert, die Finanzmärkte schweben, und das sogar noch mehr als in den Jahren 2000 und 2007, der befürchtet Schock eines Brexits macht das britische Pfund so volatil wie 2008, wir sprechen wieder von Subprime Anleihen in den USA, dieses Mal im Automobilbereich, wo der Prozentsatz schlechter Anleihen 20% erreicht, was die Ausfallrate gefährlich in die Höhe schießen lässt.

 

Es regnet Warnungen vor dem Zustand der Wirtschaft, möglicherweise der Versuch eine zweite Tragödie wie 2008 — die von nahezu niemandem vorhergesehen wurde — zu verhindern, indem sie die globalen wirtschaftlichen Akteure dazu bringen wollen einen erneuten Kataklysmus, der uns alle (wie bereits zuvor) beträfe zu vermeiden. Dieses Mal jedoch stehen die USA sehr viel unabhängigeren Akteuren entgegen, bedeutend weniger beunruhigt durch die USA und viel mehr konzentriert auf ihre eigenen Probleme: China legt leise, aber stetig die Grundsteine für eine neue Welt (mehr dazu später), Russland geht seinen eigenen Weg, ohne groß auf den Westen als Existenzgarant zu vertrauen, US-Ölkonzerne scheinen vor den Preiskampf der OPEC kapituliert zu haben, während Pleiten stetig häufiger werden. Kurz gesagt, ein “hard landing” in einer Hollywood-würdigen Neuauflage von 2008 scheint nicht weit.

 

Es muss gesagt werden, zusätzlich zur Finanzwelt, auch für die Realwirtschaft sieht es nicht sehr gut aus in den USA, mit privater und öffentlicher Verschuldung, die mehr und mehr besorgniserregend wird (Haushalte sind wieder ähnlich hoch verschuldet wie 2008), die Arbeitslosenzahlen, die nach drei vielversprechenden Monaten wieder steigen (weniger als 63% Partizipation am Arbeitsmarkt, verglichen mit 67% im Jahr 2000), die Anzahl der Nahrungscouponbedürftigen mit 45 Mio. auf Rekordhöhe, der Ölsektor, der nicht mehr unter den Niedrigpreisen leiden könnte und der amerikanischen Wirtschaft nicht helfen kann, die anhaltende Stilllegung von Haushalten, etc.

 

Wir können selbstverständlich weitermachen mit dem Porträtieren einer Gesellschaft in der die Arbeitslosigkeit, Armut, sozialen Probleme stärker und stärker an Bedeutung gewinnen. Was jedoch neu ist, ist, dass diese Probleme durch die Interessenkonflikte vor der Wahl im November an die Oberfläche gespült werden. Das ist die Risikophase in der ein kleiner Funken genügt um ein Feuer zu entfachen — um ein “hard landing” zu verursachen, wie wir es im Januar antizipiert haben.

 

Auf eine bestimmte Art und Weise haben die florierenden schlechten Nachrichten und die gesammelten Offenbarungen darüber, dass seit zehn Jahren keine Probleme gelöst wurden, bei vielen selbst im Establishment zu einer Entmutigung geführt, die in der Versuchung enden könnte die heiße Kartoffel Trump zuzuspielen... (Extrakt GEAB 106)

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