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Crasht Öl?
20.02.2017

Das vom Westen geduldete Öl-Kartell (Opec), mit dem Autofahrer weltweit u.a. eine Scheichclique am Golf bereichern, wird brüchiger. Bricht Opec, crasht Öl. Die Zeit dafür könnte reif sein.

 

Börsen-Zeitung: "Rückschlagsgefahr", Marktkommentar von Dieter Kuckelkorn

Kartelle haben bekanntlich die aus Sicht ihrer Mitglieder unangenehme Eigenschaft, nicht besonders gut zu funktionieren. Wird das Kartell per Absprache der verkauften Menge gesteuert, finden sich gewöhnlich immer Mitglieder des Kartells, die die Absprache unterlaufen und heimlich größere Mengen auf den Markt werfen als versprochen.

 

Die Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) ist ein gutes Beispiel für diese Mechanismen. Bereits über Jahrzehnte hat das Kartell nicht besonders gut funktioniert, wie sogar Insider wie der mittlerweile pensionierte ehemalige saudi-arabische Ölminister Ali al-Naimi einräumen.

 

Gelegentlich aber schweißt die Not zusammen. Diesmal wird das Ende November vergangenen Jahres von den Opec-Mitgliedern abgegebene Versprechen, die Förderung um insgesamt 1,2 Mill. Barrel pro Tag (bpd) zu reduzieren, zu rund 90% eingehalten, wie die Nachrichtenagenturen Reuters und Bloomberg errechnet haben.

 

Dass einige wenige Opec-Mitglieder wie der Irak noch etwas hinterherhinken, fällt (bislang) kaum ins Gewicht, weil das Schwergewicht Saudi-Arabien sein Versprechen offensichtlich übererfüllt. Für den Januar hat das Land von Kürzungen von rund 718000 bpd berichtet, rund 310000 bpd mehr als erforderlich. Allerdings ist nicht klar, wie belastbar diese Zahlen wirklich sind, was Akteure auf dem Ölmarkt zur Vorsicht veranlasst.

 

Rally vorerst beendet

Trotz der für Opec-Verhältnisse ungewöhnlich hohen Einhaltung der Quoten hält sich der Anstieg des Ölpreises in Grenzen. Gegenüber dem Zwischentief von Mitte November hat sich der Brent-Ölpreis um ca. 25% erholt. Bei etwa 56 Dollar je Barrel hat die Rally jedoch vorerst ihr Ende gefunden. Der Ölpreis bewegt sich derzeit in einer engen Handelsspanne mit einer Bandbreite von rund 5 Dollar je Barrel und einer Obergrenze knapp über 56 Dollar. Insofern ist das mit der Produktionskürzung verbundene Kalkül des Kartells nur begrenzt aufgegangen.

 

Dafür gibt es mehrere Ursachen. So sind die Lagerbestände an Rohöl aufgrund der dreijährigen Ölschwemme nach wie vor außergewöhnlich hoch. Zumindest was die USA betrifft, haben sie seit Jahresanfang sogar noch deutlich zugenommen. Dafür verantwortlich sind zwar auch Verschiebungen von Ölmengen innerhalb Nordamerikas hin zu Lagerkapazitäten, die von der US-Regierung erfasst werden.

 

Darüber hinaus waren zeitweilig die US-Ölexporte schwächer als erwartet. Ein weiterer Grund weckt allerdings erhebliche Sorgen: So ist zwischenzeitlich die amerikanische Nachfrage nach Benzin deutlich zurückgegangen. Der von der Energy Information Administration (EIA) der US-Regierung erfasste Vierwochendurchschnitt liegt derzeit um 6% unter den Wert für die Benzinnachfrage im gleichen Vorjahreszeitraum.

 

Ein solch ausgeprägter Rückgang tritt eigentlich nur im Rahmen einer Rezession auf - oder aber in einem Umfeld, in dem der Verbraucher nicht hinreichend an der Erholung der US-Wirtschaft teilnimmt.

 

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die deutliche Erholung der amerikanischen Schieferölproduktion, die auch auf die US-Lagerbestände durchschlägt. Nach den jüngsten EIA-Daten beträgt die US-Rohölproduktion derzeit knapp 9 Mill. bpd, dies sind ungefähr 400000 bpd mehr als noch vor einigen Monaten.

 

Die EIA erwartet, dass die Schieferölförderung im März um fast 80000 bpd steigen wird, das größte Wachstum seit fünf Monaten. Aktuell sind in den USA 591 Ölförderanlagen in Betrieb, wie der Dienstleister Baker Hughes errechnet hat. Dies sind immerhin 114 mehr als Ende November vergangenen Jahres, als die Opec ihre Kürzungsbeschlüsse finalisierte. Es handelt sich zudem um den höchsten Stand seit Oktober 2015.

 

Zu berücksichtigen ist auch, dass Saudi-Arabien nicht unbefristet dazu bereit sein wird, die Hauptlast der Anpassungen innerhalb der Opec zu tragen, wenn der Irak, aber auch der Iran und Venezuela weiterhin mehr produzieren, als von ihnen erwartet wird.

 

Geduldsfaden könnte reißen

Spätestens dann, wenn Saudi-Arabien öffentlich erkennbar der Geduldsfaden reißt, dürfte die Zeit reif sein für eine Korrektur des Ölpreises. Davon geht zumindest eine steigende Zahl von Analysten aus.

 

Kritisch wird es in dieser Hinsicht im Mai, wenn die aktuelle Übereinkunft der Opec-Mitglieder und weiterer Staaten wie Russland ausläuft und es darum geht, ob sich eine Nachfolgeregelung durchsetzen lässt. Bislang gab es in dieser Hinsicht aus Saudi-Arabien wie auch aus Russland eher skeptische Äußerungen.


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