Eine Bank kann globales Finanzsystem zerstören

    Bundesbank-Vorstandsmitglied Andreas Dombret sieht Finanzwelt noch immer nicht für die Pleite einer großen Bank gerüstet: "Um ehrlich zu sein: Auf den Zusammenbruch einer großen Bank sind wir heute kaum besser vorbereitet als vor der Finanzkrise“ - Kritik an der Idee eines Trennbankensystems und Plänen für eine Finanztransaktionssteuer.

     

    Kurz vor der anstehenden G20-Runde zur Finanzmarktregulierung in Mexiko hat sich Bundesbank-Vorstandsmitglied Andreas Dombret unzufrieden über den schleppenden Verlauf wichtiger Reformen geäußert. Zwar sei ein erheblicher Teil der Reformagenda bereits abgearbeitet, ausgerechnet für das größte Problem gebe es aber noch keine Lösung, sagte der Notenbanker im Gespräch mit der „Welt“: „Wir haben bis heute keine echte Lösung für Banken, die zu groß sind, als dass der Staat sie einfach insolvent gehen lassen könnte. Da liegen wir leider immer noch weit hinter unseren Zeitplänen zurück. Um ehrlich zu sein: Auf den Zusammenbruch einer großen Bank sind wir heute kaum besser vorbereitet als vor der Finanzkrise“, sagte Dombret.

    Bei der anstehenden G-20-Runde in Mexiko wird es vor allem um die Frage gehen, wie das weltweite Finanzsystem besser gegen Krisen gewappnet werden kann. Die Diskussion darüber, wie sich die Systemrisiken durch die mögliche Pleite sehr großer Banken eindämmen lassen, steht dabei seit Jahren in Mittelpunkt – ohne dass es bisher zu einer Einigung gekommen wäre. Dabei seien sich die Aufseher bei der Zielsetzung im Grunde einig, sagte Dombret weiter: „In einer Marktwirtschaft muss ein Finanzinstitut auch aus dem Markt ausscheiden können, und zwar ohne dass das System zusammenbricht oder der Steuerzahler einspringen muss.“ Deshalb brauche es glaubwürdige Abwicklungsmechanismen. „Aber dieses Ziel zu erreichen, ist ungeheuer komplex.“ 

    Skeptisch äußerte sich der Bundesbanker über Vorschläge, eine Trennung zwischen Kapitalmarkt- und Kreditgeschäft bei großen Banken herbeizuführen, um etwaige Systemrisiken zu minimieren: „Wir sollten uns nicht der Illusion hingeben, ein Trennbankensystem könnte alle Verflechtungen innerhalb des Finanzsektors auflösen. Und genau diese Verflechtungen können aus der Krise einer Bank eine Systemkrise machen.“ Vielmehr sei Deutschland mit dem Universalbankensystem gut gefahren. „Deshalb sehe ich keinen Grund, den Banken vorzuschreiben, welches Geschäftsmodell sie betreiben sollen“, sagte er weiter.

    Kritisch äußerte sich Dombret, der im Vorstand der Bundesbank unter anderem für den Bereich Finanzstabilität zuständig ist, auch über die von der Bundesregierung angedachte Finanztransaktionssteuer. „Wenn man eine Finanztransaktionssteuer einführt, sollte sie möglichst viele Finanzprodukte erfassen und zumindest an allen maßgeblichen Finanzplätzen gelten. Eine Transaktionssteuer, die New York und London nicht erfasst, wird keinen großen Nutzen haben.“ Zwar betonte Dombert, dass Steuern die Sache der Politik seien und nicht die der Notenbank. „Aber wenn Sie mich nach meiner Meinung fragen: Ich habe den Eindruck, dass bei einer Finanztransaktionssteuer die volkswirtschaftlichen Kosten höher sind als der Nutzen.“

    Bei der laufenden Reform des Geldmarktzinses Libor pochte Dombret indes auf die Zuständigkeit der Privatwirtschaft: Die Bundesbank sei zwar an der Reformdiskussion beteiligt, weil der Libor für die Wirkung der Geldpolitik Bedeutung habe. „Wir haben ein großes Interesse an Stabilität und sehen ganz klar Handlungsbedarf.“ Aber die Ermittlung des Libor finde in privater Verantwortung statt, und das solle auch so bleiben. „Staatliche und private Verantwortung dürfen nicht vermischt werden.“

    Anzeige



    Wandere aus, solange es noch geht!

    Haftungsausschluss

    Diese Internet-Präsenz wurde sorgfältig erarbeitet. Der Herausgeber übernimmt für eventuelle Nachteile oder Schäden, die aus den aufgeführten Informationen, Empfehlungen oder Hinweisen resultieren, keine Haftung. Der Inhalt dieser Homepage ist ausschließlich zu Informationszwecken bestimmt. Die Informationen sind keine Anlageempfehlungen und stellen in keiner Weise einen Ersatz für professionelle Beratung durch Fachleute dar. Bei Investitionsentscheidungen wenden Sie sich bitte an Ihre Bank, Ihren Vermögensberater oder sonstige zertifizierte Experten.


    Für Schäden oder Unannehmlichkeiten, die durch den Gebrauch oder Missbrauch dieser Informationen entstehen, kann der Herausgeber nicht - weder direkt noch indirekt - zur Verantwortung gezogen werden. Der Herausgeber übernimmt keine Gewähr für die Aktualität, Richtigkeit und Vollständigkeit der bereitgestellten Informationen auf seiner Internet-Präsenz.

     

    Vorsorglicher Hinweis zu Aussagen über künftige Entwicklungen
    Die auf dieser Website zum Ausdruck gebrachten Einschätzungen geben subjektive Meinungen zum Zeitpunkt der Publikation wider und stellen keine anlagebezogene, rechtliche, steuerliche oder betriebswirtschaftliche Empfehlung allgemeiner oder spezifischer Natur dar.

    Aufgrund ihrer Art beinhalten Aussagen über künftige Entwicklungen allgemeine und spezifische Risiken und Ungewissheiten; und es besteht die Gefahr, dass Vorhersagen, Prognosen, Projektionen und Ergebnisse, die in zukunftsgerichteten Aussagen beschrieben oder impliziert sind, nicht eintreffen. Wir weisen Sie vorsorglich darauf hin, dass mehrere wichtige Faktoren dazu führen können, dass die Ergebnisse wesentlich von den Plänen, Zielen, Erwartungen, Einschätzungen und Absichten abweichen, die in solchen Aussagen erwähnt sind. Zu diesen Faktoren zählen

    (1) Markt- und Zinssatzschwankungen,

    (2) die globale Wirtschaftsentwicklung,

    (3) die Auswirkungen und Änderungen der fiskalen, monetären, kommerziellen und steuerlichen Politik sowie Währungsschwankungen,

    (4) politische und soziale Entwicklungen, einschliesslich Krieg, öffentliche Unruhen, terroristische Aktivitäten,

    (5) die Möglichkeit von Devisenkontrollen, Enteignung, Verstaatlichung oder Beschlagnahmung von Vermögenswerten,

    (6) die Fähigkeit, genügend Liquidität zu halten, und der Zugang zu den Kapitalmärkten,

    (7) operative Faktoren wie Systemfehler, menschliches Versagen,

    (8) die Auswirkungen der Änderungen von Gesetzen, Verordnungen oder Rechnungslegungsvorschriften oder -methoden,

    Wir weisen Sie vorsorglich darauf hin, dass die oben stehende Liste der wesentlichen Faktoren nicht abschliessend ist.

    Weiterverbreitung von Artikeln nur zitatweise mit Link und deutlicher Quellenangabe gestattet.

     

    © 2017 MMnews.de

    Please publish modules in offcanvas position.