Commerzbank-Chef unter Feuer

    Politik verliert Geduld mit Commerzbank-Chef Blessing. „Es kann nicht sein, dass der Vorstand der Commerzbank ein Jahr, nachdem er die Deckelung der eigenen Bezüge aufgehoben hat, nun massiv an der Personalschraube dreht“


     
    In der Politik mehren sich Zweifel, ob Commerzbank-Chef Martin Blessing seiner Aufgabe eines großangelegten Umbaus der Bank noch gewachsen ist. Für großen Unmut sorgt vor allem der geplante Abbau von bis zu 6 000 Stellen vor dem Hintergrund, dass Blessing die Deckelung der Vorstandsgehälter auf 500 000 Euro wieder abgeschafft hat. „Es kann nicht sein, dass der Vorstand der Commerzbank ein Jahr, nachdem er die Deckelung der eigenen Bezüge aufgehoben hat, nun massiv an der Personalschraube dreht“, sagte der Vorsitzende der hessischen SPD, Thorsten Schäfer-Gümbel, Handelsblatt Online. „Es muss genau geprüft werden, ob diese Stellenstreichungen tatsächlich notwendig sind, oder ob es sozialverträgliche Alternativen gibt“, fügte Schäfer-Gümbel, der den Kanzlerkandidaten der SPD, Peer Steinbrück, im Wahlkampf in Finanzfragen berät, hinzu.

    Noch deutlicher wird der Vorsitzende der SPD in Schleswig-Holstein, Ralf Stegner. „Wer als Banker immer noch die Deckelung von Vorstandsgehältern ablehnt und gleichzeitig Arbeitsplätze abbaut, hat offenbar den Schuss nicht gehört“, sagte der Koordinator der Linken im SPD-Bundesvorstand Handelsblatt Online. Wenn dies bei einer Bank geschehe, die teilweise in öffentlichem Eigentum sei, mache das die Sache noch schlimmer. „In Sachen Bankenkontrolle muss offenbar noch viel härter durchgegriffen werden“, so Stegner.

    Der Grünen-Finanzexperte Gerhard Schick äußerte deutliche Zweifel am Krisenmanagement der Bank. „Offenbar sind die Spitzen in Vorstand und Aufsichtsrat, die die Bank bereits in die Schieflage gebracht hatten, nicht in der Lage, die Bank auf einen tragfähigen Pfad zu führen und faire Lösungen bei den schwierigen Entscheidungen voranzubringen“, sagte Schick, der auch Mitglied im Finanzmarktgremium zur Kontrolle des Sonderfonds für Finanzmark! tstabilisierung (das sogenannte „SoFFin-Gremium“) ist, Handelsblatt Online. Er kritisierte zudem, dass der Vorstand bei seinem eigenen Gehalt mit Unterstützung des Bundesfinanzministeriums „sehr schnell“ dafür gesorgt habe, dass die Krise überwunden werde und sich wieder mehr als 500 000 Euro genehmigt habe. Doch für die Steuerzahler, die immer noch im Risiko stünden und deren Einlage bisher nicht angemessen verzinst sei und für die Mitarbeiter, denen nun die Entlassung droht, sei die Krise noch lange nicht überwunden. „Eine solche unfaire Lastenverteilung halte ich für falsch“, sagte Schick. „Die Bundesregierung als wichtigster Aktionär muss hier für einen anderen Kurs sorgen.“

    Der Finanzexperte der FDP-Bundestagsfraktion, Björn Sänger, betonte, dass der Bund ein großes Interesse daran habe, dass die von ihm gehaltenen Anteile an der Commerzbank zumindest ohne Verlust wieder privatisiert werden können. Insofern bestehe natürlich eine „große Erwartungshaltung an den Vorstand“, das Ins! titut rasch in eine „auskömmliche Ertragssituation“ zu führen, sagte Sänger Handelsblatt Online. „Die bislang getroffenen Entscheidungen machen auf mich nicht den Eindruck, dass dies gelingt.“ Mit Blick auf den geplanten Stellenabbau sagte Sänger, wenn die Wende geschafft werden solle, sei die „aktive Mithilfe“ der Belegschaft notwendig. „Die Institutsleitung muss darauf achten, dass die Maßnahmen nicht als einseitig wahrgenommen werden.“

    Die Union will zunächst abwarten, wie die geplanten Maßnahmen des Vorstands wirken. Blessing habe ein Konzept entwickelt und begonnen, dies umzusetzen. „Ob und wie weit dieses trägt und mit unserem Ziel vereinbar ist, wird man im Zeitverlauf sehen“, sagte Fraktionsvize Michael Meister Handelsblatt Online. Alles andere sei „ureigenste Aufgabe“ der Organe der Commerzbank AG. „Unser Ziel ist unverändert die werthaltige und möglichst zeitnahe Veräußerung dieser Beteiligung“, betonte d! er CDU-Politiker. Dies sei allen Beteiligten bekannt. Meister sagte aber auch: „Ein Blick auf den aktuellen Aktienkurs zeigt, dass wir noch ein gutes Stück von diesem Ziel entfernt sind.“
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