Asylanten: Balkan befürchtet Exodus

    Die anhaltende Flucht aus ihren Ländern versetzt die Regierungen des westlichen Balkans in Unruhe. "Die Innenminister aus Montenegro und dem Kosovo haben uns eindringlich geschildert, wie groß in ihren Ländern die Sorge vor einem Exodus ist".

     

    Die Suche nach Aufnahmezentren für Flüchtlinge vom Balkan könnte sich nun doch schwieriger gestalten als zunächst angenommen: Bundesinnenminister Thomas de Maizičre (CDU) hatte vor einigen Wochen erklärt, er wolle Flüchtlinge aus den westlichen Balkanländern künftig in einigen wenigen Erstaufnahmelagern unterbringen, um sie im Falle einer Ablehnung des Asyls schneller abschieben zu können.

    Laut eines Berichts des Nachrichtenmagazins "Focus" hieß es in Berliner Koalitionskreisen, Baden-Württemberg wolle eines der Pilotprojekte starten. Doch ein Sprecher von Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) sagte auf Anfrage des Magazins: "Spezielle Aufnahmezentren für Flüchtlinge vom Balkan streben wir nicht an."
     
    Die anhaltende Flucht aus ihren Ländern versetzt unterdessen auch die Regierungen des westlichen Balkans in Unruhe. Dem "Focus" zufolge haben zahlreiche Politiker dieser Staaten in den letzten Wochen bei Regierungsmitgliedern und Parlamentariern in Berlin vorgesprochen. "Die Innenminister aus Montenegro und dem Kosovo haben uns eindringlich geschildert, wie groß in ihren Ländern die Sorge vor einem Exodus ist", berichtet Wolfgang Bosbach (CDU), Vorsitzender des Bundestags-Innenausschusses.
     
    "Hochrangige Politiker aus Albanien, dem Kosovo und Montenegro haben an uns die Bitte herangetragen, dass wir den Menschen in ihren Ländern deutlich signalisieren, dass sie keine Chance auf Asyl in Deutschland haben." Über 50 Prozent der Asylbewerber in Deutschland kommen vom westlichen Balkan. Ihre Anerkennungsquote erreicht aber nicht einmal ein Prozent.
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