Börsen: Bearmarketrally in den letzten Zügen

    Sentimentindikatoren geben Verkaufssignale für die Aktienmärkte – Gold konsolidiert. 66% der Anleger wieder mittelfristig bullish - Das spricht für fallende Aktienkurse. Ein weiterer Sentimentindikator hat sogar ein neues Hoch erreicht.

     

    Von Claus Vogt

    Rezessionswarnung für die US-Wirtschaft bleibt bestehen

    Bei dem Kursanstieg an den Weltaktienmärkten, der am 11. Februar 2016 begonnen hat, handelt es sich mit großer Wahrscheinlichkeit nur um eine Bearmarketrally, das heißt um eine vorübergehende Aufwärtsbewegung im Rahmen einer Baisse. Das signalisiert unter anderem mein umfangreiches Prognosemodell, in das unter anderem die fundamentale Bewertung, Sentimentindikatoren, Zinsdifferenzen, Momentumindikatoren und makroökonomische Kennzahlen eingehen. Dieses Modell ist eindeutig bearish und deutet darauf hin, dass die Baisse an den Aktienmärkten noch sehr viel Platz nach unten hat.

     

    Die anhaltende Rezessionswarnung für die US-Wirtschaft, die ich in meiner aktuellen Krisensicher Investieren Themenschwerpunkt-Ausgabe ausführlich besprochen habe, untermauert diese Sichtweise bzw. Prognose sehr eindringlich. Außerdem zeigen zahlreiche Aktien und Aktienindizes weltweit klare Topformationen, aus denen die Kurse oft schon nach unten ausgebrochen sind. Wichtige Trendfolgeindikatoren wie die 200-Tage-Durchschnittslinien bestätigen die Baisse ebenfalls.                                

     

    Bearmarketrally an den Aktienmärkten wahrscheinlich in den letzten Zügen  

    In Bezug auf den Weltleitindex S&P 500 ist das Ausmaß dieser Bearmarketrally angesichts der klaren Verkaufssignale für die Aktienmärkte, der rückläufigen Unternehmensgewinne und der deutlichen konjunkturellen Abschwächung ein wenig überraschend. Allerdings bewegt sich diese Rally noch immer in den Grenzen historischer Vorgaben und gibt Ihnen folglich keinen Grund, das Baisse-Szenario abzuschreiben.

     

    Mittlerweile deutet sogar alles darauf hin, dass sich diese Bearmarketrally in den letzten Zügen befindet und die nächste große Abwärtswelle bald beginnt. Von den zahlreichen kurz- bis mittelfristig orientierten Kennzahlen, die das belegen, möchte ich Ihnen beispielhaft zwei Sentimentindikatoren vorstellen.      

     

    66% der Anleger wieder mittelfristig bullish – Das spricht für fallende Aktienkurse         

    Vorige Woche habe ich Sie an dieser Stelle schon darauf hingewiesen, dass der kurzfristig orientierte US-Optix-Sentimentindikator auf 80% Aktienbullen gestiegen war, während die mittelfristige Version dieser Kennzahl 61% Bullen zeigte. Letztere ist inzwischen auf 66% gestiegen und hat damit ein Niveau erreicht, dem fast immer eine Korrektur folgt.

     

    Diese Aussage können Sie auf dem folgenden Chart nachvollziehen, der Ihnen den Verlauf des S&P 500 Index zeigt und darunter den mittelfristig ausgerichteten Optix-Sentimentindikator. Sobald dieser die Marke von 65% Aktienbullen erreicht, lässt die nächste Korrektur normalerweise nicht mehr lange auf sich warten. In Haussezeiten fallen diese Korrekturen oft recht harmlos aus. In Baissezeiten müssen Sie jedoch damit rechnen, dass der Index unter sein zuvor erreichtes Zwischentief fällt. Das bedeutet im aktuellen Fall einen Kursrückgang von mehr als 13%, nämlich unter das Tief von Mitte Februar bei 1.810 Punkten.  

                   

    S&P 500 (oben) und Sentimentindikator, 2013 bis 2016


    Mit dem Anstieg über die Marke von 65% Aktienbullen signalisiert der Indikator eine Trendwende nach unten. Quelle: sentimentrader.com


    Ein weiterer Sentimentindikator hat sogar ein neues Hoch erreicht 

    Auf meinem nächsten Chart zeige ich Ihnen einen weiteren Stimmungsindikator. Er misst die Differenz zwischen dem US-Volatilitätsindex und einem von der Großbank Credit Suisse populär gemachten hauseigenen Sentimentindikator. Wenn diese Differenz mehr als 25 Punkte beträgt, folgt normalerweise eine Abwärtswelle an den Aktienmärkten. Die entsprechenden Signale sind im oberen Teil des Charts, der den Verlauf des S&P 500 zeigt, als Pfeile eingezeichnet.      

         

    S&P 500, Sentimentindikator, 2014 bis 2016

               
    Die Pfeile kennzeichnen Tage, an denen der Sentimentindikator Werte von mehr als 25 Punkten erreicht hat. Quelle: sentimentrader.com

     

    Wie Sie sehen, wurde die Schwelle von 25 Punkten in den vergangenen Tagen mehrmals überschritten, und es wurde sogar ein neuer Höchstwert erreicht. Damit gibt dieser Indikator ein klares Verkaufssignal. Deshalb habe ich meinen Lesern kürzlich den Kauf von drei neuen Short-Positionen empfohlen, darunter zwei Banken und die Apple-Aktie. Denn noch deutlichere Verkaufssignale gibt es selten. Das kurzfristige Chance-Risiko-Verhältnis von Short-Positionen, mit denen Sie an fallenden Aktienkursen verdienen, ist also ungewöhnlich attraktiv geworden.           

     

    Gold konsolidiert auf hohem Niveau     

    Ganz anders als an den Aktienmärkten stellt sich das große Bild bei den Edelmetallen dar. Diese Märkte befinden sich in der Frühphase einer Hausse, die vermutlich mehrere Jahre anhalten wird. Wie Sie auf dem folgenden Goldchart sehen, steigt inzwischen die 200-Tage-Durchschnittslinie (roter Kreis im Chart). Das ist eine weitere wichtige Bestätigung meiner Prognose bzw. Arbeitshypothese, dass bei Gold eine neue Hausse begonnen hat.

     

    Damit ist das Chartbild eindeutig bullish, und der Kursverlauf der vergangenen Wochen muss als Konsolidierung auf hohem Niveau interpretiert werden, zumal der hier nicht gezeigte Optix-Sentimentindikator für Gold mit 50% Bullen neutral ist. Bei Gold gibt dieser Indikator übrigens erst Warnsignale bei einem Bullenanteil von mehr als 75%.

     

    Die Short-Position der Hedger ist mit 199.994 Kontrakten in Bezug auf die letzten zweieinhalb Jahre zwar hoch, in Bezug auf die Jahre davor hingegen nicht. Denn während der Haussephase der Jahre 2001 bis 2011 wurden hier auch Werte von 250.000 bis 300.000 Kontrakte erreicht. Und selbst wenn das der Fall gewesen ist, stiegen die Kurse oft noch mehrere Wochen weiter, bevor dann irgendwann eine Korrektur einsetzte. Vor diesem Hintergrund ist es ein Zeichen von Stärke, dass es bei Gold nach dem starken Kursanstieg zum Jahresanfang bisher noch nicht zu einer größeren Korrektur gekommen ist.        

     

    Goldpreis pro Unze in $, 2014 bis 2016


    Die steigende 200-Tage-Durchschnittslinie (roter Kreis) bestätigt den Beginn einer Goldhausse. Quelle: StockCharts.com

     

    Neue wichtige Chartmarke bei Gold: 1.288 $ pro Unze          

    Aus charttechnischer Sicht ist der Verlauf des Goldpreises der vergangenen Wochen faszinierend. Nach dem Ausbruch über den doppelten charttechnischen Widerstand bei rund 1.200 $ pro Unze ging es sofort weiter nach oben bis auf 1.264 $. Es folgte ein schneller Test der Ausbruchslinie und danach ein Anstieg auf 1.288 $. Dann begann eine Konsolidierung, die noch immer anhält, und in deren Verlauf die 1.200 $-Marke noch einmal getestet wurde.

     

    Inzwischen ist ausreichend Zeit vergangen, um die bereits genannte Marke von 1.288 $ pro Unze als relevantes Zwischenhoch zu interpretieren. Das erlaubt es uns, eine neue Trendlinie einzuzeichnen, die dieses Zwischenhoch berücksichtigt. In obigem Chart habe ich diese Linie fett rot-gestrichelt eingezeichnet. Dadurch ergibt sich eine neue und aufregende Perspektive: Jetzt kann nämlich der gesamte Kursverlauf seit Mitte 2014 als eine mächtige Schulter-Kopf-Schulter-Bodenformation bezeichnet werden, deren Obergrenze oder Nackenlinie bei rund 1.288 $ verläuft.

     

    Die linke Schulter entwickelte sich von Mitte 2014 bis Anfang 2015. Der Kopf dauerte von Januar 2015 bis Anfang März 2016. Seither bildet sich die rechte Schulter dieser Formation. Nun stellt der Kopf für sich genommen aber schon eine Bodenformation dar, aus der die Kurse längst nach oben ausgebrochen sind. Aus dieser Formation ergibt sich ein Minimum-Kursziel von 1.350 $. Wenn dieses Kursziel erreicht werden sollte, wovon ich überzeugt bin, würde auch die deutlich größere Bodenformation mit einem klaren Kaufsignal vollendet.  

        

    Unseriöse und verantwortungslose Geld- und Staatsschuldenpolitik sind bullish für Gold          

    Aufgrund der weltweit völlig unseriösen und verantwortungslosen Geld- und Staatsschuldenpolitik rechne ich damit, dass der Ausbruch über die jetzt sehr wichtig gewordene Marke von 1.288 $ nicht allzu lange auf sich warten lassen wird. Dafür spricht auch die relative Stärke der Goldminenaktien, die in den kommenden Monaten und wahrscheinlich sogar Jahren eine wichtige Rolle in meinem Börsenbrief Krisensicher Investieren spielen werden.

    Gerade in diesem Sektor erwarte ich im Verlauf dieser noch sehr jungen Goldhausse außergewöhnlich große Kursgewinne, die Sie sich nicht entgehen lassen sollten. Deshalb testen Sie noch heute Krisensicher Investieren 30 Tage kostenlos.

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