Silber: Angst und Gier

    Angst und Gier treiben den Silberpreis auf historisches Hoch. Der Hintergrund dieses enormen Kursanstiegs ist naheliegend: In den USA haben viele Anleger Angst vor einer ausufernden Inflation. Aus diesem Grund sind inflationssichere Anlagen gefragt. Da Gold schon weit gestiegen ist und die Anleger nicht alles auf eine Karte setzen wollen, suchen sie Alternativen.

     

    von Jochen Steffens

    Der Silberkurs nähert sich seinem historischen Hoch von 1979, das bei 48,70 Dollar lag. Über die Feiertage wurde in den Futures dieses alte Hoch sogar überwunden. Damit stellt sich die Frage, wie weit die Rally noch gehen kann.

    Der Hintergrund dieses enormen Kursanstiegs ist naheliegend: In den USA haben viele Anleger Angst vor einer ausufernden Inflation. Aus diesem Grund sind inflationssichere Anlagen gefragt. Da Gold schon weit gestiegen ist und die Anleger nicht alles auf eine Karte setzen wollen, suchen sie Alternativen.

    Doch Silber gelangte erst in den Fokus der Anleger, als bedingt durch Käufe institutioneller Anleger eine nachhaltige Rally startete. Es ist das bekannte Spiel: Die Kurse steigen, dadurch werden immer mehr Anleger auf eine Anlage aufmerksam. Diese wollen von der startenden Rally ebenfalls profitieren, wodurch die Kurse noch mehr ansteigen. Die Hausse nährt die Hausse.

    Das Angst-Potenzial

    Bei der Silber-Rally geht es jedoch nicht nur - wie bei normalen Rallys, um die Gier, Gewinne zu machen. Gold und Silber zeigen das aktuelle „Angst-Potenzial“ der Anleger an - die Angst vor einer Inflation, wie gesagt, aber auch Ängste vor einer langanhaltenden Rezession in den USA oder sogar einem Staatsbankrott.

    Und das ist der Grund, warum diese Rally derart steile, fast senkrechte Kursbewegung entwickelt, die gemeinhin als „Fahnenstange“ betitelt wird. Diese Fahnenstangen sind jedoch fast immer ein Hinweis auf eine massive Übertreibungsphase.

    Übertreibungsphase ohne Fundament

    Und da der tatsächliche „Wert“ von Silber nicht in zwei bis drei Jahren um 400 % angestiegen ist, zum Beispiel weil es plötzlich kein Silber mehr gibt oder die Industrie auf einmal aufgrund einer neuen Erfindung Unmengen von Silber benötigt, fehlt eigentlich der fundamentale Hintergrund für diesen Anstieg. Es ist demnach eine rein „emotional getriebene“ Rally. Und das ist ein weiterer typischer Hinweis auf eine Übertreibung.

    Wie weit wird diese Rally noch gehen?

    Doch, und das ist das Problem für uns Anleger, niemand kann Ihnen sagen, wohin diese Übertreibungsphase die Kurse noch treiben wird. Ich weiß, Sie wollen etwas anderes von mir hören, genaue Prognosen. Aber das ist nicht möglich, da bin ich ehrlich. Solche Phasen sind nicht zu prognostizieren – an solchen Fahnenstangen haben sich ganze Generationen von Analysten die Finger verbrannt.

    Short ist Mord

    Auch sollte man nicht gegen Übertreibungen traden, also auf fallende Kurse setzen. Dabei sind ebenfalls viele arm geworden. Letztes bekanntes, wie trauriges Beispiel war der schwäbische Großindustrielle Adolf Merckle, der Anfang 2009 nach einer Fehlspekulation gegen die Fahnenstange bei VW bis zu einer Milliarde Euro verloren hat und anschließend Selbstmord beging.

    Es ist eben die Crux an diesen Übertreibungsphasen. Wie weit diese Emotionen – Angst und Gier – Kurse treiben, ist nicht berechenbar.

    Eine verblüffende Ähnlichkeit

    Sowohl die Rally bis 1979, als auch die aktuelle Rally im Silber entstanden nach einer langen Seitwärtsphase an den Börsen. Diese Seitwärtsphasen sind in dem folgenden Chart als blaue Rechtecke gekennzeichnet:

    Die schwarzen senkrechten Linien zeigen die jeweiligen Hochs im Silber an. Damals wie heute befindet sich zudem das Vertrauen der Verbraucher (rote Linie) auf einem Tiefpunkt. Auch das belegt das Angst- beziehungsweise Sorgenlevel der US-Bürger. Je niedriger das Vertrauen, desto höher das Absicherungsbedürfnis. Die Ähnlichkeiten sind augenfällig.

    Und somit besteht zumindest die Gefahr, dass die Rally in Silber (und natürlich auch im Gold) vergleichsweise schnell wieder in sich zusammenbricht. Die entscheidende Frage ist nur: Wann und von welchem Niveau aus?

    Inflation mit eingerechnet

    Wie gesagt, Übertreibungsphasen sind nicht zu prognostizieren. Natürlich könnte man auf die Idee kommen, dass Silber an dem alten Hoch von 1979 scheitern wird. Doch diese These lässt einen relevanten Aspekt außen vor: Vor 30 Jahren war der Dollar weitaus mehr wert als heute. Das heißt, ein US-Bürger konnte mit einer Unze Silber am Hoch 1979 mehr Sachgüter erwerben als heute. Um ein vergleichbareres Bild zu schaffen, muss demnach die Inflation in den Silberpreis eingerechnet werden. Dazu folgender Chart:

    In rot sehen Sie die inflationsbereinigte Entwicklung des Silberpreise. Und Sie sehen, in diesem Chart sind wir von den Hochs aus dem Jahr 1979 noch weit entfernt. Das heißt, wenn die Situation heute mit der von 1979 vergleichbar ist, bleibt noch viel Platz für eine Fortsetzung der Rally.

    Und trotzdem: Es ist weder gesagt, dass der inflationsbereinigte Silberpreis sein Hoch aus dem Jahr 1979 erreicht, noch dass er daran in diesem Fall scheitern wird.

    Gründe für einen Zusammenbruch des Silberpreises

    Ebenso wie der Anstieg des Silberpreises Gründe hat, müsste auch ein massiver Kurseinbruch durch bestimmte Ereignisse verursacht werden.

    Einen möglichen Grund können Sie im letzten Chart erkennen: Wenn das Vertrauen der US-Verbraucher wieder deutlich zulegen wird, geht auch das Absicherungsbedürfnis der US-Anleger zurück. In diesem Fall kann es gut sein, dass Gewinne im Silber realisiert werden und es zu stärkeren Kursrückgängen kommt, die weitere Verkäufe nach sich ziehen.

    Ein weiterer Auslöser können Leitzinserhöhungen durch die amerikanische Notenbank sein. Sollte die Fed deutlich machen, dass sie die Inflation in den USA nachhaltig bekämpfen will, fällt ein Grund für die Silberrally weg, wahrscheinlich würden in diesem Fall zunächst institutionelle Anleger aussteigen.

    Ein letzter Punkt: Wenn den US-Anlegern deutlich wird, dass, wie es Obama nun angekündigt hat, in den nächsten Jahren eine massive Sparpolitik seitens der US-Regierung betrieben wird, müssen die Analysten nur noch darauf hinweisen, dass sich Sparen tendenziell deflationär auf eine Volkswirtschaft auswirkt.  Auch das wird die Ängste vor einer Inflation mildern.

    Wahrscheinlich wird es ein Mix aus mehreren Faktoren sein, darunter die hier genannten. Und so könnte diese Übertreibung tatsächlich über massive Kursverluste abgebaut werden. Wobei ich nicht glaube, dass der Silberpreis die Tiefs aus dem Jahre 2001 noch einmal sieht. Aber bis es zu diesem Einbruch kommt, kann die Übertreibung immer übertriebener und verrückter werden -  keine Frage.

    www.stockstreet.de

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