Das schwarze Loch von Jackson Hole

    Alljährlich treffen sich die Chefs der großen Notenbanken der Welt und anderer globaler Finanzorganisationen zu einem Symposium im idyllischen Jackson Hole, einem traditionellen Urlaubsgebiet in den USA, das in dem Ruf steht, die traditionelle Cowboy-Lebensart bewahrt zu haben.

     

    von Torsten Ewert

    Keine Impulse von der Geldpolitik

    Würde dieses Treffen dieses Jahr nicht bereits zum dreißigsten Mal stattfinden, könnte man auf die Idee kommen, ein besonders hintersinniger Zyniker hätte den Schauplatz ausgewählt: Während die Konjunktur wieder ins Tal rauscht, die Aktienkurse erdrutschartig einbrechen und die Banken erneut in einem Schwarzen Loch zu versinken drohen, treffen sich die Verantwortlichen in einem Tal im Wilden Westen, das ebenfalls als Loch bezeichnet wird (engl. hole).

    Und bei dem Ritt, den die Notenbanker derzeit unternehmen, hat man inzwischen längst den Eindruck, dass ihnen die Zügel entgleiten und die Pferde durchgehen...

    Wer jedenfalls neue Impulse von dieser Tagung erwartet hatte, wurde enttäuscht: EZB-Chef Trichet blieb blass und unkonkret, Bernanke ließ sich ebenfalls nicht aus der Reserve locken und versuchte abermals nur, die Märkte zu beschwichtigten. Einzig die neue IWF-Chefin Legarde versuchte aufrüttelnd zu wirken, ließ es aber letztlich auch nur bei den üblichen Appellen bewenden.

    Die drei wichtigsten Probleme bleiben ungelöst

    Die Achterbahnfahrt der Märkte in der vergangenen Woche nahm offensichtlich diesen ergebnislosen Ausgang vorweg. Weder verkündete Bernanke ein neues Gelddruckprogramm noch gab es andere konkrete Ansätze für eine Lösung der drei wichtigsten aktuellen Probleme:

    Das erste Problem, die Abschwächung der Konjunktur, können die Geldpolitiker nicht aufhalten. Die Zinsen sind bereits am Nullpunkt, und dass selbst gigantomanisches Gelddrucken kaum Wachstumseffekte bringt, konnte die US-Notenbank mit zwei weitgehend verpufften Programmen in den vergangenen Monaten zur Genüge erfahren.

    Das Dilemma ist: Die riesige Liquiditätsschwemme kommt einfach in der Wirtschaft nicht an. Die Gründe sind vielfältig , aber mittlerweile ist wohl entscheidend, dass die Banken aufgrund der Staatsschuldenkrise wieder mindestens genauso in der Bredouille sind wie während der Subprimekrise: Die drohenden Abschreibungen auf Staatsanleihen treffen sie erneut an ihrer empfindlichsten Stelle, nämlich da, wo sie keine Risikovorsorge trafen, sprich kein Eigenkapital vorgehalten haben.

    Eine neue Bankenkrise steht vor der Tür

    Das mussten sie auch nicht nach den gängigen Regeln, denn Staatsanleihen galten als sicher, und ausgerechnet die allerneusten Regulierungen der Politik drängten die Banken geradezu in dieses Anleihesegment. Erneut kommt also der Geldfluss unter den Banken zum Erliegen, denn wer jetzt irgendwie an Geld kommt, der hält es fest – für alle Eventualitäten.

    Die Politik, aufgrund der weltweiten Verschuldung inzwischen auf Sparen getrimmt, ist ebenfalls außerstande, die Konjunktur anzukurbeln – dafür fehlt ihr schlicht das Geld.

    Das bedeutet gleichzeitig, dass eine erneute Bankenrettung durch die Regierungen wie 2008 ebenfalls unmöglich ist. Insofern ist es beinahe ein beruhigendes Zeichen, dass die Fed nicht erneut die Geldschleusen aufgemacht hat!

    Denn neuerliche Liquiditätsspritzen kämen ausschließlich den Banken zugute, und mangels anderer Alternativen sind neue QE-Programme (QE = Quantitative Easing, also „mengenmäßige Lockerung“, sprich Gelddrucken) die Ultima Ratio bei einer Bankenrettung.

    Die Bilanz von Jackson Hole: nichts als markige Appelle

    Dass dieses letzte Mittel noch in der Hinterhand verbleibt, kann man positiv so interpretieren, dass es noch nicht ganz so schlimm um die Banken bestellt ist. Für dieses zweite große Problem halten die Notenbanker ihre Pfeile also vorerst noch im Köcher.

    Das dritte Problem, die Überschuldung, können die Damen und Herren des Geldes ebenfalls nicht lösen, denn der Aufkauf von (neuen) Staatsanleihen würde das Problem eher vergrößern, bestenfalls verlagern.

    Also bleibt es bei mehr oder weniger markigen Appellen an die Politik. Besonders hübsch formulierte das der Präsident der Fed-Zweigstelle in Dallas, Richard Fisher: „Wir haben den Tank aufgefüllt, da ist jetzt reichlich Benzin drin, jetzt muss jemand einen neuen Keilriemen einsetzen und auf das Gaspedal treten." Gemeint ist damit die Finanz- und Wirtschaftspolitik, aber – um im Bilde zu bleiben – der fehlt selbst das Kleingeld für den Keilriemen.

    Ein anderer Beobachter bezeichnete die Geldpolitik als „Brücke“ für die Politik, aber wenn die eben den Wagen nicht flott bekommt, um darüber zu fahren, dann nützt halt die schönste Brücke nichts...

    Insofern darf man gespannt sein, ob am kommenden Montag, dem Labor Day, US-Präsident Barack Obama mit der Vorstellung seines geplanten Job-Programms der große Wurf gelingt. Die Chancen – oder besser gesagt, die Mittel – dafür sind gering, und so wird für die Börsen der kommenden Donnerstag das wichtige Datum sein.

    Stehen die Märkte vor der finalen Panik?

    Dann nämlich wird der ISM-Index, der die Stimmung in der US-Wirtschaft widerspiegelt, bekanntgegeben. Zuletzt brach der ISM kräftig ein und wurde daher für den Crash im August mit verantwortlich gemacht. Allerdings könnte sich in den Werten vom Juli die Verärgerung über die Politik angesichts der unsinnigen Diskussion um die Schuldenobergrenze in den USA Bahn gebrochen haben.

    Dann wäre eine entsprechend „überraschende“ Erholung möglich, die Stimmung und Aktienkurse wieder nach oben bringen könnte. Bleibt dieser Impuls aus oder verpufft er kurzfristig wieder, dann verbleiben kaum noch positive Aussichten für Politik, Wirtschaft und Börse.

    Das nehmen einige Analysten nun natürlich zum Anlass, um die weitere Zukunft besonders schwarz zu malen. Anderseits wissen wir Börsianer: Wenn es besonders trostlos aussieht, ist die Wende nah! Denn falls es nun tatsächlich zu neuen Tiefs an den Aktienmärkten kommt, wird angesichts einer solchen Gemengelage endgültig die Panik an den Börsen regieren.

    Und Panik ist das letzte Stadium vor einer erneuten Erholung! Lassen Sie sich also nicht von der gegenwärtigen Untergangsstimmung anstecken, sondern halten Sie Ausschau nach neuen Chancen. Es wird sich – wieder einmal! – für die Besonnenen auszahlen.

    www.stockstreet.de

     

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