EZB weimarisiert

    Ökonomen uneins über EZB-Reform. Es bleibe der EZB in der aktuellen Krise nicht viel anderes übrig, als auch Staatsfinanzierer und Bad Bank zu sein, um „Kettenreaktionen und Schlimmeres“ zu verhindern.

     

    Forderungen aus der Politik, die Europäische Zentralbank (EZB) vor dem Hintergrund der europäischen Schuldenkrise neu auszurichten, stoßen bei Ökonomen auf ein geteiltes Echo. Der Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft, Michael Hüther, verteidigte die Krisenpolitik der EZB, Max Otte, Wirtschaftsprofessor an der Fachhochschule Worms, äußerte scharfe Kritik.

    „Die EZB ist nicht die Bundesbank Nummer zwei“, betonte Hüther. Sie sei als Notenbank einer Währungsunion mit anderen politischen Strukturen konfrontiert und die Finanzmarktabhängigkeiten seien andere. „Als einzige wirklich funktionsfähige Institution der Euro-Zone wird sie automatisch vor andere Herausforderungen gestellt“, gab der IW-Chef zu bedenken. Das schließe auch den gelegentlichen Kauf von Staatsanleihen am Sekundärmarkt ein, wenn dadurch die Liquiditätsversorgung und die Funktionsf! ähigkeit einzelner Märkte gesichert werden könnten. „Damit wird sie noch nicht zur Bad Bank und auch nicht zum Staatsfinanzierer“, sagte Hüther.

     

    Ökonom Otte sagte Handelsblatt Online, es bleibe der EZB in der aktuellen Krise nicht viel anderes übrig, als auch Staatsfinanzierer und Bad Bank zu sein, um „Kettenreaktionen und Schlimmeres“ zu verhindern. Sie interveniere also, wenn auch in kleinerem Rahmen, wie die US-Notenbank Fed, die Bank of England und die Bank of Japan. Otte plädierte für eine Reform der EZB, die er für „juristisch relativ einfach, politisch aber sehr schwer“ umsetzbar hält. „Die Stimmgewichtung müsste sich, wie beim IWF, an der Wirtschaftskraft der einzelnen Länder orientieren“, sagte er. Zudem müsse das Problem der Target-II-Salden gelöst werden. „Bei Überschreitung gewisser Grenzwerte müssten die von den Ländern zu zahlenden Zinsen progressiv ansteigen.“ Target II dient als Verrechnungssystem der e! uropäischen Zentralbanken für grenzüberschreitende Zahlungen innerhalb des Euro-Systems

    IW-Chef Hüther sagte, da die EZB „kein dauerhaftes Mandat“ für Eingriffe am Anleihemarkt habe, dürfe die Finanzpolitik nicht aus der Verantwortung gelassen werden. „Es geht darum, dass die Staaten der Euro-Zone ihre dezentrale Verantwortung in der Haushaltspolitik ernst nehmen.“ Dabei helfe kein europäischer Finanzminister, der ja eine eigene Staatlichkeit der EU voraussetze und damit eine qualitative Verlagerung von Souveränitätsrechten auf die zentrale Ebene.
     
    „Das ist auf absehbare Zeit nicht erwartbar, und es ist auch nicht als Ausdruck der Krise wünschbar, weil es aus Sicht der Bevölkerungen kaum Legitimität beanspruchen könnte“, sagte Hüther. Notwendig sei hingegen eine europäische Finanzaufsicht mit entsprechenden Durchgriffsrechten. „Die EZB wird bei einer weiter glaubwürdigen Verpflichtung der Defizitstaaten zur Haushaltssanierung auch Spielraum haben, Staatsanleihen aufzukaufen“, fügte der Ökonom hinzu. „Allerdings darf sie dabei nicht berechenbar sein, indem sie eine feste Norm vorgibt – beispielsweise ein Zinsniveau von sieben Prozent - als Bedingung für eine Intervention.“
    Anzeige



    Wandere aus, solange es noch geht!

    Haftungsausschluss

    Diese Internet-Präsenz wurde sorgfältig erarbeitet. Der Herausgeber übernimmt für eventuelle Nachteile oder Schäden, die aus den aufgeführten Informationen, Empfehlungen oder Hinweisen resultieren, keine Haftung. Der Inhalt dieser Homepage ist ausschließlich zu Informationszwecken bestimmt. Die Informationen sind keine Anlageempfehlungen und stellen in keiner Weise einen Ersatz für professionelle Beratung durch Fachleute dar. Bei Investitionsentscheidungen wenden Sie sich bitte an Ihre Bank, Ihren Vermögensberater oder sonstige zertifizierte Experten.


    Für Schäden oder Unannehmlichkeiten, die durch den Gebrauch oder Missbrauch dieser Informationen entstehen, kann der Herausgeber nicht - weder direkt noch indirekt - zur Verantwortung gezogen werden. Der Herausgeber übernimmt keine Gewähr für die Aktualität, Richtigkeit und Vollständigkeit der bereitgestellten Informationen auf seiner Internet-Präsenz.

     

    Vorsorglicher Hinweis zu Aussagen über künftige Entwicklungen
    Die auf dieser Website zum Ausdruck gebrachten Einschätzungen geben subjektive Meinungen zum Zeitpunkt der Publikation wider und stellen keine anlagebezogene, rechtliche, steuerliche oder betriebswirtschaftliche Empfehlung allgemeiner oder spezifischer Natur dar.

    Aufgrund ihrer Art beinhalten Aussagen über künftige Entwicklungen allgemeine und spezifische Risiken und Ungewissheiten; und es besteht die Gefahr, dass Vorhersagen, Prognosen, Projektionen und Ergebnisse, die in zukunftsgerichteten Aussagen beschrieben oder impliziert sind, nicht eintreffen. Wir weisen Sie vorsorglich darauf hin, dass mehrere wichtige Faktoren dazu führen können, dass die Ergebnisse wesentlich von den Plänen, Zielen, Erwartungen, Einschätzungen und Absichten abweichen, die in solchen Aussagen erwähnt sind. Zu diesen Faktoren zählen

    (1) Markt- und Zinssatzschwankungen,

    (2) die globale Wirtschaftsentwicklung,

    (3) die Auswirkungen und Änderungen der fiskalen, monetären, kommerziellen und steuerlichen Politik sowie Währungsschwankungen,

    (4) politische und soziale Entwicklungen, einschliesslich Krieg, öffentliche Unruhen, terroristische Aktivitäten,

    (5) die Möglichkeit von Devisenkontrollen, Enteignung, Verstaatlichung oder Beschlagnahmung von Vermögenswerten,

    (6) die Fähigkeit, genügend Liquidität zu halten, und der Zugang zu den Kapitalmärkten,

    (7) operative Faktoren wie Systemfehler, menschliches Versagen,

    (8) die Auswirkungen der Änderungen von Gesetzen, Verordnungen oder Rechnungslegungsvorschriften oder -methoden,

    Wir weisen Sie vorsorglich darauf hin, dass die oben stehende Liste der wesentlichen Faktoren nicht abschliessend ist.

    Weiterverbreitung von Artikeln nur zitatweise mit Link und deutlicher Quellenangabe gestattet.

     

    © 2017 MMnews.de

    Please publish modules in offcanvas position.