Amazon Bücherkrieg

    Nele Neuhaus und Daniel Kehlmann protestieren gegen Amazon. Das Ziel von Amazon sei, Autoren direkt an sich binden und die Verlage ausschalten: „Eines düsteren Tages wird man womöglich nur noch lesen können, was Amazon genehmigt.“

     

    In scharfen Worten haben die Bestseller-Autoren Nele Neuhaus und Daniel Kehlmann die Geschäftsmethoden des Internet-Händlers Amazon kritisiert. „Empfehlungslisten auf der Homepage von Amazon werden manipuliert“, schrieb die Krimi-Schriftstellerin Neuhaus in einem Beitrag für das Nachrichtenmagazin FOCUS. „Lieferzeiten werden absichtlich verlangsamt und meine Bücher sind unfreiwillige Geiseln in einem Kampf um Macht und Geld zwischen Amazon und meinem Verlag Ullstein, der zur Bonnier-Gruppe gehört.“

    Den Amazon-Managern sei es gleichgültig, dass sie mit ihrem Vorgehen gegen Bonnier die Existenzgrundlage vieler Autoren gefährden: „Es interessiert sie nicht, dass unsere Bücher Millionen in die Kasse des Unternehmens gespült haben und aus einem kleinen Start-up einen der größten Onlinehändler der Welt gemacht haben.“ Das Ziel von Amazon sei, Autoren direkt an sich binden und die Verlage ausschalten: „Eines düsteren Tages wird man womöglich nur noch lesen können, was Amazon genehmigt.“

    Auch nach Ansicht von Kehlmann, der sich mit seinem Roman „Die Vermessung der Welt“ internationalen Ruhm erschrieb, versucht der Onlinehändler, durch den von ihm angezettelten Bücherkrieg ein Monopol zu errichten: „Das Geschäftsmodell von Amazon nimmt langfristig in Kauf, ja beabsichtigt wahrscheinlich sogar, dass die Verlage ihre Tätigkeit nicht fortführen können“, so Kehlmann zu FOCUS. „Dann kann Amazon billig alle Autorenrechte erwerben und alle neuen Bücher selbst verlegen – und dieses Ziel verfolgt der Konzern, indem er zur Etablierung seiner Marktmacht gigantische Verluste in Kauf nimmt. Es ist nicht zu begreifen, warum die Kartellbehörden nicht reagieren.“

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