Hamburg: keine Wohncontainer für Obdachlose

    Hamburg: St. Michaelis lehnt Wohncontainer für Obdachlose ab. Warum die Kirche sich sperrt

     

    Die Hamburger Hauptkirche St. Michaelis hat sich gegen die Aufstellung von Wohncontainern für Hamburger Obdachlose entschieden. Das teilte der Blogger und ehemalige Obdachlose Max Bryan in einer seiner jüngsten Veröffentlichungen mit. Hauptpastor Alexander Röder sei einer der "großen Hoffnungsträger" gewesen, so Bryan in seinem Bericht.
     
    Auch die Hamburger Münzstrasse, wo bereits Wohncontainer für Obdachlose stehen, sagte ab. Am Rande des Winternotprogramms sei es - Zitat: "... nicht vorstellbar, dass ein Klient in seinem eigenen Container verweilt, während die anderen Obdachlosen die Einrichtung verlassen müssen", so ein Sprecher von "Fördern und Wohnen" gegenüber Max Bryan.
     
    Jeden Morgen müssen die Obdachlosen die Wohncontainer des Hamburger Winternotprogramms verlassen. So will es die Stadt. Max Bryan sammelte Spenden für einen eigenen Wohncontainer für Klaus (61), der nicht mehr so gut gehen kann. Ein Stellplatz für diesen Container wurde bislang nicht gefunden.
     

     
    Dass nicht mal die Hamburger Kirchen mitziehen ist eine Riesen-Schande für diese sonst so freundliche Stadt. In den Facebook-Kommentaren unterhalb des Berichts von Max Bryan finden sich dazu ein paar interessante Anmerkungen und Fundstücke, wie dieses Video zum Beispiel: https://www.youtube.com/watch?v=thsPzvBWt28
     
    Hamburgs Hauptpastor Alexander Röder erklärt darin - Zitat: "Den Willen zu entwickeln - diese Menschen von der Straße zu bekommen -und ein Obdach wenigstens für die Nacht anzubieten - finde ich - ist etwas - was wir aus unserer christlichen Verantwortung heraus unterstützen müssen" und kritisiert in dem Video, dass die Stadt keine Folge-Programme für die Zeit nach Ende des Winternotprogramms hat. Das Video wurde im Frühjahr 2016 aufgenommen. Jedes Jahr um diese Zeit werden die Container des Winternotprogramms wieder abgebaut und Röder kritisierte diesen Umstand.


     
    Scheinheiligkeit und Heuchelei
     
    An Heuchelei und Scheinheiligkeit ist dieses Statement der Kirche deshalb auch nicht zu überbieten. Dieses Statement stammt immerhin vom selben Mann, "dessen Gremium sich am Ende gegen die Unterbringung von Klaus auf einem der freien Plätze an der Hamburger Hauptkirche St. Michaelis ausgesprochen hat" - berichtet Bryan. Max Bryan bedauerte diesen Umstand außerordentlich und teilte dies in seinem Bericht auch mit. Offenbar kennen die Beiden sich schon länger und die Enttäuschung sitze "tief", so Max Bryan.
     
    Hier sein Tagebuch


     
    Film über Armut
     
    Die Enttäuschung über die vielen Absagen war offenbar so groß, dass Max Bryan sich entschloss einen ganzen Film darüber zu machen. So drehte er in der Weihnachtsnacht und an Silvester auf Hamburgs Straßen einen kompletten 30-Minüter über die Situation der Menschen ohne Obdach und traf dabei auf kluge Menschen, wie den 19-jährigen Henrik aus Bielefeld, der eine interessante Sicht auf die Dinge hat. Seiner Meinung nach, haben nicht die Obdachlosen, sondern der Kapitalismus Schuld an der Misere.
     
     
    Zitat: "Der Kapitalismus sorgt dafür, dass manche Menschen ganz ganz unten und manche Menschen ganz oben sind" (...)  "Wenn es keine „Super-Armen“ geben würde, dann gäbe es auch keine „Super-Reichen“ und weiter: "Viele Leute machen sich einfach kaum noch Gedanken über die Probleme in unserer Gesellschaft".

     

    Der 19-jährige Student wünscht sich "mehr Solidarität unter den Menschen" und "dass wir auf der ganzen Welt in unserer Gesellschaft darauf achten, dass die Wirtschaft nicht nur Mittel zum Zweck ist - sondern dass die Wirtschaft Mittel für den Menschen ist" und "die volle Entfaltung des Menschen im Mittelpunkt steht", so der 19-Jährige im Gespräch mit Max Bryan am Neujahrs-Morgen und mitten im Trubel der feiernden Menschen auf der Hamburger Reeperbahn. Ein gelungenes Stück Filmgeschichte. Die Welt braucht mehr davon und mehr Leute, die sich so selbstlos engagieren wie Max Bryan es seit Jahren schon tut. Chapeau und Hut ab!

     

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