Hausärzte kritisieren GMK-Beschluss zu Kinderimpfungen


Impfzentrum, über dts NachrichtenagenturDer Chef des Deutschen Hausärzteverbands, Ulrich Weigeldt, kritisiert die Entscheidung der Gesundheitsminister, das Impfangebot für Kinder und Jugendliche auszubauen. "Diese Diskussion unter Missachtung der Kompetenz der Ständigen Impfkommission kann eher zur Verunsicherung führen, als dass sie der Impfkampagne hilft", sagte er dem "Redaktionsnetzwerk Deutschland" (Dienstagausgaben). "Das Risiko liegt mehr bei den nicht impfwilligen Erwachsenen als bei den Kindern und Jugendlichen zwischen zwölf und 17 Jahren", so der Hausärztevertreter weiter.

Für Kinder und Jugendliche mit hohem Risikopotenzial gebe es ja bereits eine Impfempfehlung, so Weigeldt. "Warum eine Empfehlung der Stiko dazu zunächst nicht abgewartet werden kann, die sich auf Basis von fundierten Studien zeitnah äußern will, ist mir schleierhaft. Das Ganze klingt ein wenig nach Wahlkampfgetöse." Baden-Württembergs Gesundheitsminister Manfred Lucha (Grüne) verteidigte die Entscheidung dagegen. Er sagte dem RND, die Empfehlungen und die wissenschaftliche Beratung der Stiko sei nach wie vor extrem wichtig. "Wenn allerdings Daten und Studien aus anderen Ländern sowie die Zulassungen der Europäischen Arzneimittelbehörde nahelegen, dass die Stiko-Empfehlungen etwas großzügiger ausgelegt werden können, ist das in Zeiten, in denen die vierte Welle anrollt und Varianten auftreten, von großer Bedeutung." Ähnlich äußerte sich Niedersachsens Gesundheitsministerin Daniela Behrens (SPD). "Die Erfahrungen unserer Sonderimpfaktion zeigen, dass viele Familien sich ein entsprechendes Angebot wünschen", sagte sie dem RND. "Wir haben bereits jetzt eine im Vergleich der Länder hohe Impfquote bei den Zwölf- bis 18-Jährigen und ich würde es begrüßen, wenn wir diese noch wesentlich erhöhen können", sagte sie mit Blick auf aktuellen Zahlen des Landes: In Niedersachsen haben 27,7 Prozent der 12- bis 17-jährigen eine erste Impfung erhalten, neun Prozent sind bereits vollständig geimpft. Auch Sachsens Gesundheits-Staatssekretärin Dagmar Neukirch (SPD) unterstützte die Ausweitung des Impfangebotes für Kinder und Jugendliche. "Durch die aktuelle Empfehlung der Sächsischen Impfkommission, eine Impfung für alle ab zwölf Jahre uneingeschränkt zu empfehlen, gibt es mehr Sicherheit für die impfenden Ärztinnen und Ärzte, aber auch für die Kinder, Jugendlichen und ihre Eltern", sagte Neukirch dem RND. Die Gesundheitsminister von Bund und Ländern hatten am Montag entschieden, entgegen der Empfehlung der Ständigen Impfkommission Jugendlichen ab zwölf Jahren ein breites Angebot an Corona-Impfungen zu ermöglichen.

Foto: Impfzentrum, über dts Nachrichtenagentur

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