Duisburg verelendet


Duisburg, über dts NachrichtenagenturIn keiner der größten deutschen Städte sind so viele Menschen von Armut bedroht wie in Duisburg. Die nordrhein-westfälische Stadt ist Spitzenreiter unter den 15 größten Städten bei der so genannten Armutsrisikoquote, geht aus einer Antwort des Bundesarbeitsministeriums auf eine schriftliche Frage der Linken-Abgeordneten Susanne Ferschl hervor, über die die "Rheinische Post" in ihrer Freitagausgabe berichtet. Demnach lag der Anteil der Menschen mit einem Einkommen von weniger als 60 Prozent des durchschnittlichen Verdienstes 2021 in Duisburg bei 28,9 Prozent der Gesamtbevölkerung.

Bundesweit betrug die Armutsrisikoquote im vergangenen Jahr auf Basis des Mikrozensus 16,6 Prozent. Auf der Rangliste der größten Städte mit den höchsten Armutsrisikoquoten folgen Bremen mit 26,8 Prozent, Dortmund mit 24,5 Prozent und Leipzig mit 23,7 Prozent. Auch in Frankfurt am Main und Hannover (beide 22,6 Prozent) und Essen (22,0 Prozent) ist das Armutsrisiko noch vergleichsweise hoch.

Im Mittelfeld bewegen sich Düsseldorf (21,3 Prozent), Köln (21,2 Prozent) und Nürnberg (20,2 Prozent). Unerwartet gut schneidet auch noch die Hauptstadt Berlin mit einer Armutsrisikoquote von 19,6 Prozent ab - das ist relativ gutes Ergebnis, da in Berlin mehr als ein Viertel aller privaten Haushalte Hartz IV beziehen. Am wenigsten armutsgefährdet sind die Menschen in Hamburg (17,3 Prozent), Dresden (16,9), Stuttgart (16,0) und München (11,3 Prozent). Die bayerische Metropole weist mit Abstand den niedrigsten Anteil armutsgefährdeter Menschen auf, obwohl in München die Preise für Wohnen besonders hoch sind. In der EU gilt als armutsgefährdet, wer über weniger als 60 Prozent des mittleren mit der neuen OECD-Skala gewichteten Einkommens verfügt. Die Quote gilt als wichtiger Indikator für wirtschafts-, struktur- oder sozialpolitische Maßnahmen, die zur Einkommensverbesserung in einer Region beitragen können.

"Armut in Deutschland nimmt deutlich zu, besonders in Großstädten", sagte Linken-Fraktionsvize Susanne Ferschl. "Betroffene Menschen leiden unter den aktuell immer weiter steigenden Lebensmittel- und Energiepreisen und haben pure Existenzängste." Die Bundesregierung müsse die Regelsätze der Grundsicherung und das Wohngeld erhöhen und Geringverdiener mit Zuschüssen unterstützen. Doch statt dessen habe Berlin mit dem Tankrabatt den Mineralölkonzernen Milliarden an Steuergeldern geschenkt, kritisierte die Linken-Politikerin. "Die Bundesregierung muss jetzt endlich wirksam handeln, um den Zusammenhalt in unserer Gesellschaft nicht weiter zu riskieren. Nötig ist ein Sondervermögen für soziale Gerechtigkeit", forderte Ferschl.

Foto: Duisburg, über dts Nachrichtenagentur

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