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Deutsche Bank Liborgate: keine Rückstellungen

Deutsche Bank wird zu Quartalszahlen Ende Juli wohl keine Rückstellung wegen der Libor-Affäre melden – Im Rahmen interner Untersuchungen rund 5,2 Millionen E-Mails gesichtet – Prozess für Libor-Gebote im dritten Quartal 2011 umgestellt.

 

Die Deutsche Bank wird kurzfristig wohl keine Rückstellung für mögliche Strafzahlungen wegen der Libor-Affäre nennen. Das erfuhr die Tageszeitung „Die Welt“ aus Finanzkreisen. Demnach soll nicht geplant sein, schon bei Vorlage der Quartalsergebnisse Ende Juli eine konkrete Zahl zu nennen, was die Manipulation der Zinssätze am Geldmarkt kosten könnte. Es sei unüblich, in Rechtsstreitigkeiten in einem so frühen Stadium eine konkrete Zahl zu nennen, hieß es in gut informierten Kreisen. Noch lasse sich der mögliche Schaden durch die Affäre nicht annähernd beziffern. Auch andere Banken hätten noch keine Zahlen genannt, hieß es weiter. Die Deutsche Bank wollte sich auf Anfrage der Zeitung zu den Informationen nicht äußern.

 

Zuletzt hatten Wirtschaftsprüfer den Druck auf die betroffenen Banken erhöht, Rückstellungen wegen der Libor-Affäre zu bilden. Der britische Konkurrent Barclays musste bereits ein Rekordbußgeld von 450 Millionen Dollar zahlen, außerdem sind Zivilklagen von Investoren anhängig, die sich durch die Zinsmanipulationen geschädigt sehen. Die Spekulationen um die Rechtsrisiken belasteten am Montag den Aktienkurs der Deutschen Bank: Er sackte zeitweise um mehr als fünf Prozent ab, wobei aber auch Sorgen um eine Eskalation der Euro-Krise eine Rolle spielten.

 

Seit im Januar 2010 eine Anfrage der amerikanischen Börsenaufsicht SEC die Deutsche Bank erreichte, läuft eine interne Untersuchung zu den Manipulationen bei den Referenzzinssätzen Libor und Euribor. Allerdings ist sie bis heute nicht abgeschlossen. In Finanzkreisen wird dies damit erklärt, dass die Materie äußerst komplex sei und die Aufseher immer wieder neue Anfragen stellten. Eine Hundertschaft an Mitarbeitern und Juristen soll an der Untersuchung beteiligt sein, nach Informationen der „Welt“ wurden 5,2 Millionen E-Mails auf verdächtige Inhalte geprüft. Erst Mitte 2011 sei man sich sicher gewesen, dass es tatsächlich auch bei der Deutschen Bank Verfehlungen gegeben hat. Nun werde jedoch keine Bank alleine mit ihren Untersuchungsergebnissen vorpreschen und den Behörden vorgreifen, berichteten mit der Angelegenheit vertraute Personen weiter.

 

Nach Informationen der „Welt“ hat die Deutsche Bank allerdings bereits reagiert und ebenso wie andere Banken ihre internen Prozesse verändert. So werden die Zinssätze, die in die Referenzwerte Libor und Euribor einfließen, seit dem dritten Quartal 2011 nicht mehr von einzelnen Wertpapierhändlern gemeldet. Stattdessen sind dafür jeweils spezielle Komitees zuständig. Das soll eine Manipulation durch kriminelle Machenschaften einzelner Banker verhindern.

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