Zocker-Mentalität an der Börse: Werden Trader im Aufschwung zu leichtsinnig?

Seit die Börse sich wieder im Aufschwung befindet, ist ein Schlagwort erneut in aller Munde: die Casino-Mentalität.

Die sehr risikoreiche Art an Börsengeschäfte heranzugehen, hat ihren Namen nicht umsonst dem Glücksspiel in Spielhallen zu verdanken. Nicht nur das Auf und Ab der Märkte, auch fiskalpolitische Impulse sorgen für das Aufkommen der Risikobereitschaft unter Tradern. Weshalb man an der Börse kein Glücksspiel betreiben sollte, aber durchaus von Wahrscheinlichkeiten lernen kann.

Boomende Börse sorgt für risikobereite Anleger

Die Vorzeichen stehen für Anleger aktuell gut: Bis Ende Mai stieg der DAX stark an und überschritt bereits die Marke von 12.000 Punkten. Nach einem kurzen Abflachen des Trends zeigten die Kurse Mitte Juni dann wieder nur in eine Richtung: nach oben. Dies ist besonders für Anleger attraktiv. Allerdings verbreiten sich in Zeiten des börslichen Aufschwungs auch riskantere Anlagestrategien. Ganz besonders im Fokus steht nun erneut die Casino-Mentalität, die den deutschen Tradern von der Presse gerne attestiert wird.

Was bedeutet der Begriff aber genau? Boom-Zeiten locken oft unerfahrene Anleger an die Börse. Und die über Massenmedien und Gesellschaft vermittelte Nachricht zum Thema Trading ist klar: Wer an der Börse handelt, zockt risikobereit. Anleger investieren angeblich nicht, sie spekulieren auch nicht - sie spielen prinzipiell ein Glücksspiel, mit positivem oder aber negativem Ausgang. Dass diese Sichtweise nicht akkurat, sogar in großen Teilen schlicht falsch ist, mögen erfahrene Anleger wissen und auf Konzepte wie Value-Aktien, Rendite-Strategien und defensiv ausgerichtete Investmentfonds verweisen. Für viele Neuanleger jedoch sieht die Börse aus wie eine Teilnahme beim Lotto - und mit eben dieser Mentalität wird der Aktienhandel dann auch angegangen.

Schwarz-weiß-Denken und die Hoffnung auf das schnelle Geld zeichnen Trader mit Casino-Mentalität aus. Hier steht die Aussicht im Vordergrund, „den Jackpot zu knacken“ - also mit geringem Geldeinsatz innerhalb von kurzer Zeit astronomisch hohe Renditen einzufahren. In der Vergangenheit hat dies bereits zum Platzen von Blasen wie derjenigen des Dot-Com-Booms geführt: Um die Jahrtausendwende stiegen die Kurse von Internetunternehmen rasant, Trader investierten teils Millionen von Euro in Firmen, die lediglich Konzepte aber noch keine Produkte oder Dienstleistungen vorzuweisen hatten. Der Ausgang war vorhersehbar: Die Blase platzte, viele unerfahrene Anleger verloren ihr Geld. Doch nicht alle Trader haben aus derartigen Erfahrungen gelernt. Besonders riskant ist eine Zocker-Mentalität, wenn Neuanleger zum ersten Mal an der Börse handeln - und dann prompt in sehr volatile Aktien investieren, welche von Presse oder Freunden als „Geheimtipp“ verkauft wurden. Denn die Erfahrung zeigt: Sobald ein Geheimtipp an die Ohren von Trading-Neulingen gerät, ist er eigentlich gar nicht mehr so geheim; und meistens bereits überbewertet. Die Folge: Die neuen Anleger verlieren ihr Geld. Und verbreiten danach oft die Ansicht, dass die Börse eigentlich ein Ort für Spieler ist.

Casino-Mentalität kann hilfreich sein

Dabei sollten hochspekulative Anlagen nicht generell verurteilt werden, denn es gibt durchaus Einsatzgebiete für derartige Strategien. Zum einen kann eine Casino-Mentalität beim Trading tatsächlich profitabel sein. Und zwar für gut situierte, erfahrene Trader, die einen kleinen Teil ihres Vermögens - beispielsweise zehn Prozent - in risikoreiche Anlagen stecken und dann hohe Gewinne einfahren, wenn lediglich eine dieser Anlagen sich auszahlt.

Zum anderen ist das Verstehen von Wahrscheinlichkeiten für Trader extrem wichtig und kann eine wertvolle Ressource sein - ähnlich wie im Casino: Denn auch bei klassischen Casinospielen wie Poker oder Blackjack ist es wichtig, die Wahrscheinlichkeitsrechnung in die eigene Strategie mit einzubeziehen. Vor allem die ausreichende Erfahrung mit dem Spiel beeinflusst den potenziellen Gewinn. Auch an der Börse ist der richtige Umgang mit Wahrscheinlichkeiten sowie Erfahrung notwendig. Außerdem kann die Auswahl eines Anbieters im Netz sowie ein Vergleich der Konditionen helfen. Während bei Casinospielen das Haus aber immer einen Vorteil hat, erhöhen Trader an der Börse durch kluge Auswahl ihrer Aktien und Fonds die Wahrscheinlichkeit auf den Gewinn - und diversifizieren dann, um in den meisten Fällen ein Plus zu erwirtschaften.

Auch in einem sogenannten „Bull-Market“ kann risikoreiches Trading eine profitable Strategie sein. Wer in einer börslichen Hochphase einen starken Wachstumsmarkt entdeckt und sich in diesem auskennt, kann oft das eigene Portfolio auf mehrere Start-ups verteilen und darauf setzen, dass eines oder zwei davon erfolgreich sein werden - in dem Fall hat der Hochrisiko-Kurs sich ausgezahlt.

Zuletzt kann eine Casino-Mentalität sich auch für Großanleger in einem Hedgefonds lohnen. Hedgefonds investieren oft in deutlich riskantere Anlagen als gewöhnliche aktiv gemanagte Fonds, sind aber auf der anderen Seite auch besser abgesichert, da sie Hedging betreiben. Allerdings kommt diese Variante lediglich für Großanleger infrage, da Hedgefonds über sehr hohe Mindestanlagewerte verfügen und für durchschnittliche Trader daher nicht zugänglich sind.

Unterschiede zwischen Investition und Spekulation wichtig

Für Neuanleger ist es zudem unabdingbar, die Unterschiede zwischen einer Investition, einer Spekulation und einer hochriskanten Casino-Mentalität zu kennen. Eine Investition zeichnet sich durch einen langen Anlagehorizont aus, sowie einer relativ hohen Chance auf eine positive Rendite. Dafür bewegen die Renditen sich meist lediglich im Bereich von rund fünf bis maximal zehn Prozent jährlich. Wer mehr als zehn Prozent Rendite pro Jahr erwirtschaften will, muss bereits spekulieren - hier sind die Ausgänge der Anlage ungewiss, jedoch darf das Wort Spekulation nicht zu wörtlich genommen werden. Wer beispielsweise Immobilien kauft und später für Gewinne verkaufen will, spekuliert ebenfalls. Denn eine Wertsteigerung ist nicht garantiert. Eine Casino-Mentalität wiederum setzt auf hochspekulative Anlagen, die einen sehr hohen und schnellen Gewinn versprechen, allerdings auch ein stark erhöhtes Risiko auf einen Verlust des eingesetzten Kapitals aufweisen. Hiervon sollten gerade Neuanleger sich fernhalten. Insbesondere in Zeiten wie der aktuellen, wo aufgrund der Nullzinspolitik in vielen Ländern bereits eine Schuldenkrise droht.

Fazit

Die Casino-Mentalität greift an der Börse um sich und könnte vielen Anlegern Geld kosten. Wer investieren möchte, sollte jedoch nicht auf das schnelle Geld oder den einen geheimen Anlagetipp hoffen. Hohe Renditen erwirtschaften Trader nämlich nach wie vor durch kluge Analysen, langfristige Anlagehorizonte und ein stark diversifiziertes Portfolio.

 

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