Der frühere US-Vizeaußenminister für politische und militärische Angelegenheiten, Lincoln Bloomfield Jr., sieht die Führung in Teheran am Ende ihrer Stabilität.
Von Meinrad Müller
In einem Interview mit dem oppositionellen Satellitensender Simay-e Azadi am Rande der Berliner Konferenz „Iran: Prospect for Change“ erklärte er, die seit Dezember 2025 anhaltenden landesweiten Proteste stellten nicht mehr nur vereinzelte Unruhen dar, sondern entwickelten sich zu einer Revolution.
Bloomfield verwies auf jahrzehntelange Unterdrückung durch die Islamische Republik, darunter Massenverhaftungen seit den frühen 1980er Jahren sowie die Hinrichtung tausender politischer Gefangener im Jahr 1988. Vier Jahrzehnte staatlicher Repression hätten zu tiefer gesellschaftlicher Ernüchterung geführt.
Auch wirtschaftlich machte er die politische Führung verantwortlich. Einnahmen aus Öl- und Gasexporten würden nach seiner Darstellung nicht zur Verbesserung der Lebensverhältnisse genutzt, sondern in Raketenprogramme, Drohnen, Nuklearaktivitäten und regionale Milizen investiert. Dies habe zur schweren wirtschaftlichen Lage im Land beigetragen.
Der ehemalige Diplomat betonte zugleich eine wachsende internationale Aufmerksamkeit für oppositionelle Gruppen, insbesondere das Umfeld des Nationalen Widerstandsrats Iran. Demonstrationen iranischer Exilgemeinschaften, etwa in Berlin, deuteten auf zunehmende Mobilisierung hin. Der Westen müsse darauf vorbereitet sein, einen politischen Übergang zu begleiten, damit die Bevölkerung künftig selbst über eine neue Verfassung entscheiden könne.
Kritisch äußerte sich Bloomfield über eine mögliche Rückkehr der Monarchie. Den im Ausland lebenden Reza Pahlavi bezeichnete er als politisch ohne relevante organisatorische Rolle und ohne klar erkennbare politische Programmatik. Seine tatsächliche Unterstützung innerhalb Irans werde überschätzt.
Bloomfield schloss mit der Einschätzung, die Vereinigten Staaten stünden grundsätzlich an der Seite der iranischen Bevölkerung und ihrer politischen Forderungen.
Zusammenfassung nach einem Interview von Lincoln Bloomfield Jr. mit dem Sender Simay-e Azadi (Bericht: Farid Mahoutchi, 18. Februar 2026).
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