Wenn sogar der regierungstreue Deutschlandfunk aktuell vor dem neuen China-Schock warnt, brennt in der Werkhalle nicht nur die Kaffeemaschine. Früher war „Made in China“ der Witz auf dem Spielzeug. Heute frisst China unsere Industrie.
Von Meinrad Müller
1.400 Millionen gegen 84 Millionen
Das ist kein Wettbewerb mehr. Das ist ein staatlich gesteuerter Raubzug auf Jobs, Fabriken und Zukunft. Früher verkaufte Deutschland Maschinen, Autos und Anlagen nach China und verschlief den industriellen Aufstiege im Land der Mitte.
China hat 1.400 Millionen Menschen, Deutschland 84 Millionen. Dazu kommt ein Staat, der Industriepolitik mit Geld, Macht und Geduld betreibt. Deutschland fesselt mit hohen Energiepreisen, Bürokratie und grüner Planwirtschaft. Doch man ersetzt keine Werkbank durch einen Arbeitskreis mit Latte.
Der zweite China-Schock rollt längst
Der neue China-Schock kommt nicht mehr als Turnschuh, Plastikspielzeug oder billiger Toaster. Er kommt als Auto, Batterie, Computer, Handy, Roboter, Chemieprodukt und Maschinenanlage. Genau dort also, wo Deutschland früher stark war. Wo sind die Siemens-Handys geblieben oder die Nixdorf-Computer?
Deutschland kauft inzwischen ungefähr doppelt so viel aus China, wie es dorthin verkauft. Das Handelsloch mit China ist seit 2019 von rund 15 Milliarden auf fast 90 Milliarden Euro gewachsen. Wer doppelt so viel kauft, wie er verkauft, verliert auf Dauer Substanz.
Während Berlin die eigene Industrie mit Strompreisen und Vorschriften stranguliert, produziert China mit billigem Kohlestrom mehr, als der eigene Markt aufnehmen kann. Der Überschuss wird mit Dumpingpreisen in die Welt gespült. In Sonntagsreden heißt das Welthandel. In der deutschen Fabrikhalle heißt es Kurzarbeit.
Die Autoindustrie wird aufgefressen
China baut längst keine Blechspielzeuge mehr, sondern Autos, Batterien, Maschinen und Roboter. Die eigene Nachfrage reicht nicht aus. Also muss die Ware raus. Nach Europa, nach Amerika, nach überall.
Wolfsburg, Stuttgart und Ingolstadt spüren es längst. Erst verlor man Marktanteile in China. Jetzt kommen chinesische Konkurrenten nach Europa zurück. Der frühere Kunde steht plötzlich als Gegner vor der Tür. Er brauchte keine Verkaufsgespräche, der günstige Preis überzeugt bereits.
KUKA zeigt den Bumerang
Jeder kennt KUKA aus Augsburg, den deutschen Roboterbauer. Das war einmal ein Name für Präzision, Werkhallen und Zukunft. Dann wurde KUKA nach China verkauft, inklusive Know-how. Damals klang das nach Geschäft. Heute klingt es nach industrieller Selbstentwaffnung.
Deutschland hat jahrzehntelang Anlagen, Roboter und Fertigungstechnik nach China verkauft. Jetzt schlägt das Pendel zurück und kickt den ehemaligen Exportweltmeister vom Siegertreppchen.
China kauft nicht mehr nur deutsche Maschinen. China baut sie selbst. Der frühere Weltmeister im Maschinenbau wird zum Importeur seiner eigenen Kernkompetenz. Das ist so, als würde der Bäcker morgens beim Discounter Brötchen kaufen, weil die eigene Backstube nur noch Formulare ausfüllt.
Berlin schläft im Schlaflabor
Hunderttausende Arbeitsplätze stehen im Feuer. Die Solarindustrie ist das Mahnmal. Dort kann man besichtigen, wie schnell eine Branche verschwindet, wenn billige Importe kommen.
Jetzt folgen Auto, Maschinenbau, Chemie, Zulieferer, Flugzeugteile. Das sind deutsche Löhne, Familien, Eigenheime und Renten in Gefahr. China subventioniert, lenkt, plant und liefert. Deutschland debattiert, prüft, vertagt und erklärt den Niedergang.
Berlin redet weiter von fairen Spielregeln. China spielt aber kein Hallenhalma. Bei uns herrscht Phantomschmerz. Wir spüren den Arm nicht mehr, den China uns abgeschnitten hat.
Jetzt wird’s ernst
Wenn Deutschland jetzt nicht aufwacht, wird aus dem einstigen Exportweltmeister ein deindustrialisiertes Museum. Dann erklären Museumsführer den Enkeln, dass hier früher Autos gebaut wurden, während draußen chinesische Fahrzeuge, mit e- oder Verbrennermotor, vorfahren.
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