Zwei Meerengen an der arabischen Halbinsel entscheiden gerade darüber, wie teuer dein Alltag wird. Die eine kennt mittlerweile jeder. Hormus. Dort fließt das Öl. Die andere kennt kaum noch jemand. Aber das ändert sich schnell.
Von Meinrad Müller
Bab al-Mandab ist sogar noch enger, 26 km. Dort fahren die Containerschiffe Richtung Suez-Kanal. Wenn beide gleichzeitig unter Druck geraten, trifft es nicht nur Märkte. Es trifft den Supermarkt, die Werkstatt und die Heizung im Keller. Genau das beginnt sich abzuzeichnen.
Zwei Meerengen, zwei Daumenschrauben
Die Straße von Hormsz ist nur etwa 33 Kilometer breit. Dort läuft ein großer Teil des weltweiten Ölhandels. Die Bab al-Mandab-Meerenge ist noch schmaler. Sie liegt zwischen Jemen und Afrika und ist der Zugang zum Roten Meer in den Suez-Kanal. Jährlich passieren rund 20.000 Schiffe diese Route. Ein erheblicher Teil des Handels zwischen Asien und Europa läuft hier durch. Diese Strecke verbindet Fabriken mit europäischen Häfen. Wenn sie gestört wird, dann gute Nacht!
Von einem Hafen wie Shanghai bis Genua braucht ein Containerschiff über Suez grob 33 bis 38 Tage reine Reisezeit, um Afrika herum eher 42 bis 48 Tage. Die Umfahrung des Kaps kostet meist etwa 9 bis 10 Tage zusätzlich.
Der vergessene Krieg am Engpass
Im Jemen tobt seit vielen Jahren ein Krieg, der im Westen kaum noch wahrgenommen wird. Im Norden Jemens herrschen die Huthi-Rebellen. Sie kontrollieren die Hauptstadt Sanaa und große Teile der Küste. Unterstützt werden sie vom Iran. Diese Kriegspartei sitzt genau an der Einfahrt zum Roten Meer. Von dort aus können sie mit Drohnen und Raketen die Schifffahrt bedrohen. Sprecher der Huthi haben offen erklärt, dass sie diese Route angreifen können.
Wenn auch die zweite Route fällt
Erste Reedereien meiden bereits die Strecke. Schiffe fahren den langen Weg um Afrika. Das kostet Zeit und Geld. Lieferungen verzögern sich um Tage oder Wochen. Händler warten auf Ware. Preise steigen. Wenn Hormuz den Ölfluss trifft und Bab al-Mandab den Warenfluss, entsteht ein doppelter Druck. Dann wird aus einer regionalen Krise eine Belastung für jeden Haushalt.
Es braucht heute keine große Armee
Zwei schmale Meerengen reichen. Wenn sie gleichzeitig kippen, steht nicht nur der Tankwagen still. Dann fehlt die Schraube für die Maschine, das Ersatzteil für das Auto und irgendwann auch das, was täglich auf dem Tisch liegt.
Und die teuer finanzierten Armeen stehen daneben wie Schulbübchen.
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