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Großraum Stuttgart: Schaffe, schaffe, Häusle weg

Am 6. Mai 2026 meldete die Stuttgarter Zeitung: Beim Arbeitsgericht Stuttgart stiegen die Kündigungslagen von 3.046 auf 4.304. Hinter jeder Akte steht eine Familientragödie.

Von Meinrad Müller

Arbeitsplatzsicherheit war das alte Versprechen

Im Großraum Stuttgart sieht man jetzt, was vielen Industrieregionen noch bevorsteht. Es trifft Zehntausende, die seit Jahrzehnten zur Arbeit fuhren. Sie glaubten an das alte Versprechen: Wer fleißig ist, spart, baut und seine Raten zahlt, der bekommt sein Häusle, doch nun wackelt es. Bosch spricht von bis zu 22.000 Stellen in Deutschland. Porsche nennt rund 1.900 Stellen in Zuffenhausen und Weissach. Daimler Truck nennt rund 5.000 bis 2030, ZF bis zu 14.000 in Deutschland.

Das eigene Häusle war die Lebenswette

Der Arbeitnehmer hat nicht geprasst. Er hat geschafft, gespart und gehofft. Viele Familien kauften ihr Eigenheim im Vertrauen auf sichere Beschäftigung bei großen Namen. Bosch, Porsche oder Mercedes klangen nicht nach Risiko, sondern nach Lebensversicherung mit Werksausweis. Das Haus war kein Luxus, es war die Rente in Stein. Die Bank fragte nach Einkommen und solange der Lohn kam, passte alles.

Die Abfindung ist nur der Airbag

Eine Abfindung von 100.000 Euro klingt groß, solange man sie nicht durch Steuern, Kreditrate, Nebenkosten und Lebenshaltung teilt. Dann schrumpft der Betrag wie ein Hefekuchen im Durchzug. Wenn das Arbeitslosengeld die Hypothek nicht mehr trägt, könnte man das Haus verkaufen. Doch wer kauft noch, wenn in der Gegend Angst herrscht? Entlassene kaufen kein Reihenhaus, und verunsicherte Kollegen unterschreiben keinen neuen Kredit. Wer sich verschuldet, braucht eine gute Aussicht auf Einkommen. Genau diese Aussicht ist weg.

Dann schreitet die Bank zur Versteigerung, gnadenlos

Wenn die Raten ausbleiben, wartet die Bank nicht aus Mitgefühl. Erst kommen Mahnungen, dann wird das Darlehen gekündigt, dann kann der Versteigerungsvermerk ins Grundbuch eingetragen werden. Damit ist der Sargdeckel schon halb zu. Am Ende steht die Versteigerung. Dort zählt der Preis, den der Markt noch hergibt. Reicht der Erlös nicht für die Restschuld, bleibt ein Schuldenberg. Das Haus ist weg, der Kredit aber nicht.

Aus dem Arbeiter wird ein Sozialfall

Nach der Versteigerung kommt oft die Privatinsolvenz. Wer dort steht, bekommt kaum noch eine Wohnung, denn Vermieter prüfen Einkommen und Schufa. Nicht nur in Stuttgart, auch anderswo. Der Mann, der Jahrzehnte gearbeitet, Steuern gezahlt und sein Haus finanziert hat, steht plötzlich da wie ein Bittsteller. Erst verliert er den Arbeitsplatz, dann das Haus, dann die Kreditwürdigkeit. Dann die Chance auf eine normale Wohnung. Am Ende bleibt der Weg zum Amt. Arbeitslosengeld, Grundsicherung, Formulare, Bedürftigkeitsprüfung.

Die Firmen tragen Mitschuld

Viele Konzernlenker haben der Regierung zu lange nach dem Mund geredet und dabei ihre Arbeiter vergessen. Auch die Gewerkschaften schliefen. Jetzt kommt die Quittung. Früher hieß es: Schaffe, schaffe, Häusle baue. Heute heißt es: Arbeitsplatz weg, Haus weg, Schulden da.

Meinrad Müllers Blog: www.info333.de/p

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