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Kein Bürgergeld in China – Arbeit wie auf dem Sklavenmarkt

Hunderte Frauen warten bei minus zehn Grad im Freien auf einen Tagesjob. Das zeigt: Unsere Billigwaren haben einen menschlichen Preis.

Von Meinrad Müller

Ein Video mit Millionen Aufrufen zeigt ein Bild, das wir gern verdrängen. Plätze, wo sich Tagelöhner anbieten, gibt es in China zu Tausenden. Noch vor Sonnenaufgang, um vier Uhr morgens, stehen sie da. Hunderte Frauen, dicht gedrängt, schweigend, bei minus zehn Grad. Ein Platz in der chinesischen Stadt Dingxi, Provinz Gansu. Wer genau hinsieht, erkennt schnell: Das ist kein Einzelfall, kein Zufall, kein Ausrutscher. Es ist ein Markt für Tagelöhner. Einer von Tausenden.

Diese Plätze existieren überall in China.

In Städten, Vororten, an Ausfallstraßen. Tagelöhner treffen sich dort jeden Morgen. Frauen, Männer, Alte, Junge. Sie warten darauf, ausgewählt zu werden. Wer ausgewählt wird, geht mit dem jeweiligen Auftraggeber mit, arbeitet den Tag über auf Baustellen, in der Reinigung oder in der Landwirtschaft und wird am Abend wieder genau an diese Stelle zurückgebracht. Wer nicht gebraucht wird, geht leer aus.

Gezahlt werden umgerechnet 15 bis 20 Dollar pro Tag.

Kein Vertrag. Keine Absicherung. Kein Anspruch. In China gibt es kein Bürgergeld. Wer nicht arbeitet, hat kein Einkommen. So einfach ist das im Kommunismus. Das heimlich aufgenommene Video dieses Morgens ging viral. Millionen von Aufrufen innerhalb kurzer Zeit. Millionen sahen, wie moderner Arbeitsalltag aussieht, wenn es keinen sozialen Boden gibt. Das wird der kommunistischen Partei nicht gefallen. Denn solche Bilder kratzen am Lack der Hochglanzprospekte, mit denen China sich der Welt präsentiert. Glasfassaden, Hightech, Wohlstand. Für diese Frauen gilt all das nicht.

Unser Gabentisch mit preiswerten Waren aus China

Unser Gabentisch füllt sich derweil. Das günstige Smartphone. Der Pullover im Angebot. Der Toaster. Die LED Lichterkette. Alles erschwinglich. Alles aus China. Für uns ein preiswertes Geschenk. Für andere der Grund, warum sie dort in der Kälte anstehen.

Diese Frauen kämpfen nicht um Konsum. Sie kämpfen um Einkommen für eine Schale Reis. Um Wärme. Um den nächsten Tag. Und genau deshalb ist dieses Video so brisant. Es zeigt nicht Armut im Allgemeinen. Es zeigt den Preis unserer Billigwelt. Kalt. Still. Und für Millionen plötzlich sichtbar.

Das zweiminütige Video ist hier zu sehen: https://x.com/i/status/200

Meinrad Müllers Blog: www.info333.de/p

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