Ohne Ölnachschub stockt Chinas Wirtschaft. Die Konsequenzen wären eine Katastrophe für die gesamte Welt und 1,4 Milliarden Chinesen sind unmittelbar betroffen. Wird sich China das gefallen lassen?
Von Meinrad Müller
Iran hat die Straße von Hormus tatsächlich dichtgemacht. Eine Daumenschraube, die allen bekannt war. Hunderte Riesentanker – darunter Dutzende vollbeladene Supertanker mit jeweils bis zu 2 Millionen Barrel Rohöl – stecken fest im Persischen Golf in Parkposition. Kein Schiff traut sich mehr durchzufahren. Der Iran drohte offen: Jedes Schiff, das es versucht, wird in Brand geschossen. Eine ökologische Umweltkatastrophe ersten Ranges. Der Schiffsverkehr ist deshalb auf Null zusammengebrochen.
Das ist der größte Energieschock seit Jahrzehnten – und China ist der am härtesten getroffene Spieler.
Hormus = Chinas Lebensader ist durchtrennt
Rund 40–50 % von Chinas Ölimporten laufen normalerweise durch diesen 33 km schmalen Flaschenhals. Iran allein lieferte 2025 etwa 13–17 % des chinesischen Bedarfs (bis zu 1,4 Millionen Barrel täglich), fast alles davon über Hormus. Zusammen mit Saudi-Arabien, dem Irak, den Vereinigten Arabischen Emiraten & Co. hängt die chinesische Energieversorgung an diesem Seeweg. Jetzt ist der Hahn zugedreht. Tanker brennen, Versicherungen verweigern Deckung, Reedereien ziehen sich komplett zurück.
Chinas Fabriken stehen bald still – Millionen Arbeitslose
China ist die Werkbank der Welt. Ohne durchgehende Energieversorgung bricht der Transport zusammen. Kein Diesel für Lastwagen, keine Rohstoffe in den Häfen, keine Produktion in den Fabriken. Hunderte Millionen Arbeiter – von Shenzhen bis ins tiefe Inland – sehen plötzlich keine Löhne mehr kommen. Lieferketten reißen, Exporte brechen ein, der Geldkreislauf erstirbt. Innerhalb von Wochen kann aus einem Ölengpass eine Weltwirtschaftskrise entstehen.
Dieser Krieg stranguliert China
Die Welt ist abhängig von günstigen chinesischen Produkten. Vom Smartphone über Medikamente bis zu Maschinenbauteilen stammt ein großer Teil dessen, was unseren Alltag möglich macht, aus chinesischen Fabriken. Diese Waren sind deshalb so preiswert, weil China günstig produziert und Energie bisher verlässlich verfügbar war. Wird der Strom aus Öl teurer oder knapper, steigen die Produktionskosten sofort. Lieferketten würden zusammenbrechen, ganze Industriezweige kämen ins Straucheln.
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