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Stromnetzbetreiber sehen Erdverkabelung kritisch


Die deutschen Stromnetzbetreiber wollen offenbar keine Erdverkabelung mehr. Bei einer öffentlichen Anhörung des Ausschusses für Wirtschaft und Energie am Montag begrüßten die Betreiber zwar grundsätzlich den geplanten Vorrang von Freileitungen beim Ausbau des Höchstspannungsnetzes, warnten jedoch vor den geplanten Ausnahmeregelungen für Erdverkabelungen auf Teilabschnitten.

Konkret ging es um die geplante Novelle des "Bundesbedarfsplangesetzes". Nach Einschätzung der Netzbetreiber könnten die neuen Regelungen Genehmigungsverfahren erheblich verlängern. So kritisierte Amprion insbesondere den möglichen Wechsel zwischen Freileitungen und Erdkabeln entlang einer Trasse. Diese vom Unternehmen als "Nähmaschine" bezeichnete Konstruktion führe voraussichtlich zu zusätzlichen Prüfungen, Genehmigungsrisiken und Verzögerungen.

TransnetBW bewertete den Gesetzentwurf grundsätzlich positiv, äußerte jedoch Bedenken hinsichtlich der Ausnahmeregelung. Bauprojekte könnten sich dadurch um bis zu zwei Jahre verzögern. Zudem verursache jeder Wechsel von Freileitung zu Erdverkabelung zusätzliche Kosten von rund 70 Millionen Euro und erfordere umfangreiche technische Anlagen.

RheinEnergie verwies ebenfalls auf die höheren Investitions- und Betriebskosten von Erdkabeln. Diese hätten eine geringere Lebensdauer als Freileitungen und würden den Strom unnötig verteuern. Die ursprünglich erwartete höhere Akzeptanz von Erdkabeln habe sich nicht bestätigt.

Demgegenüber wies eine Rechtsanwaltskanzlei auf Ergebnisse eines Vergleichs zwischen Freileitungen und Erdkabeln hin. Demnach würde ein Wechsel von bereits geplanten Erdkabelprojekten zu Freileitungen die Inbetriebnahme untersuchter Vorhaben um vier bis sieben Jahre verzögern, da neue Planungs- und Genehmigungsverfahren erforderlich wären. Zudem verwies die Kanzlei auf Akzeptanzprobleme beim Eingriff in das Landschaftsbild durch Freileitungen. Hinsichtlich der Netzsicherheit wurde argumentiert, Angriffe auf Erdkabel seien schwieriger als auf Freileitungen.

Vor einer Umplanung bereits laufender Projekte warnte auch der Landesverband Erneuerbare Energien Niedersachsen/Bremen. Ein Wechsel von Erdkabeln zu Freileitungen würde zu Unsicherheiten, Verzögerungen und höheren Kosten führen. Besonders in stark belasteten Regionen drohten zudem Akzeptanzprobleme.

Der Gesetzentwurf zum Zweiten Gesetz zur Änderung des Bundesbedarfsplangesetzes soll den Ausbau des deutschen Höchstspannungsnetzes beschleunigen sowie bedarfsgerechter und kosteneffizienter gestalten. Geplant ist unter anderem die Aufnahme von 45 weiteren Netzausbauvorhaben in den Bundesbedarfsplan. Zudem sollen 13 Vorhaben geändert und für insgesamt 58 Projekte der vordringliche Bedarf festgestellt werden.

Foto: Ruhrgebiet (Archiv), via dts Nachrichtenagentur

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