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Ungerechtigkeitsempfinden auf höchstem Stand seit 2008


Für 62 Prozent der Bürger geht es in Deutschland aktuell eher ungerecht zu (+2 im Vgl. zu Juli 2025). Das ist der höchste Wert in dieser Frage seit September 2008.

Jeder dritte Deutsche (33 Prozent) ist derzeit der Meinung, es gehe hierzulande eher gerecht zu (+/-0). Das hat eine Umfrage von Infratest unter 1.319 Wahlberechtigten für die ARD von Montag bis Mittwoch dieser Woche ergeben.

Bei Menschen mit niedrigerem Einkommen (71 Prozent) ist das Ungerechtigkeitsempfinden ausgeprägter als bei Menschen mit höherem Einkommen (52 Prozent). Auch die 18- bis 34-Jährigen (70 Prozent) sind eher der Meinung, dass es in Deutschland ungerecht zugeht, als die Menschen über 65 Jahre (57 Prozent).

Als Grund für dieses Ungerechtigkeitsempfinden wird am häufigsten die Schere zwischen Arm und Reich genannt (35 Prozent) - das sind 13 Prozentpunkte mehr als im Juli 2025. An zweiter Stelle wird die Steuer- und Abgabenbelastung genannt, die als zu hoch bzw. zu ungleich empfunden wird (13 Prozent, +/-0). 9 Prozent haben den Eindruck, Ausländer und Asylbewerber würden bevorzugt (-2). 8 Prozent sind der Meinung, zwischen Lohn- und Sozialleistungsniveau gebe es einen zu geringen Abstand (-5).

Für soziale Gerechtigkeit zu sorgen, trauen die Deutschen aktuell am ehesten der SPD zu: 24 Prozent sehen diese Kompetenz vor allem bei den Sozialdemokraten (-3 im Vgl. zu September 2025) - so niedrig war der Wert für die SPD zuletzt im Dezember 2003, bis heute ihr schwächster Wert. Dahinter folgen mit 16 Prozent die AfD (-1) und mit jeweils 15 Prozent Linke (+1) und Union (-1). 4 Prozent trauen derzeit am ehesten den Grünen zu, für soziale Gerechtigkeit zu sorgen (-3) und 3 Prozent dem BSW (+/-0). 1 Prozent sieht diese Kompetenz bei der FDP (+/-0) und 2 Prozent bei einer anderen Partei. Jeder Fünfte (20 Prozent) antwortet auf diese Frage mit "weiß nicht" oder traut es aktuell keiner Partei zu, für soziale Gerechtigkeit zu sorgen.

Ende Januar hat eine von der Bundesregierung eingesetzte Kommission zur Sozialstaatsreform ihren Bericht vorgelegt und darin verschiedene Maßnahmen vorgeschlagen. Auf breite Zustimmung (73 Prozent) stößt der Vorschlag, EU-Bürgern in Deutschland nur noch dann Sozialleistungen zu gewähren, wenn sie hier länger vollzeitnah beschäftigt waren; jeder Fünfte (21 Prozent) fände das falsch. Den Vorschlag, ein Portal aufzubauen, um alle Sozialleistungen auch digital beantragen zu können, befürworten 71 Prozent der Deutschen; 23 Prozent lehnen ihn ab. 58 Prozent sprechen sich dafür aus, dass Kindergeld nach einer Geburt automatisch ausgezahlt wird, ohne dafür einen Antrag stellen zu müssen; 38 Prozent finden das falsch. Mehrheitlich abgelehnt wird der Vorschlag, künftig mehr Sozialleistungen pauschal auszuzahlen und damit Einzelprüfungen abzubauen: 71 Prozent fänden das falsch, 23 Prozent richtig.

Foto: Eine Frau wühlt in einem Abfalleimer (Archiv), via dts Nachrichtenagentur

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