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Neobroker drängen ETF-Anbieter zu Bestandsprovisionen


Das ETF-Depot war lange eine provisionsfreie Zone, nun wollen Neobroker offenbar an den Gebühren der ETF-Anbieter mitverdienen. Die Finanzaufsicht Bafin habe entsprechende Versuche bestätigt, berichtet die FAZ. "Der Bafin ist bekannt, dass einzelne Intermediäre versuchen, auch mit ETF-Anbietern Vereinbarungen über Bestandsprovisionen zu schließen."

Bestandsprovisionen wären ein Novum bei ETF (Exchange Traded Funds), die bislang - anders als viele aktive Fonds - keine laufenden Vertriebsvergütungen an Depotbanken und Broker zahlen. "Bestandsprovisionen sind gerade ein Riesenthema", sagte Ali Masarwah, Fondsanalyst und Geschäftsführer des digitalen Vermögensverwalters Envestor, der FAZ. "Das wäre ein Tabubruch in der ETF-Welt", fügte er hinzu und warnte: "Das wäre für die Neos der Irrweg, den Fonds vor 30 Jahren verfolgt haben." 

Auslöser ist der erwartete Wegfall einer wichtigen Einnahmequelle der Neobroker: Ab 30. Juni dürfen Broker für die Weiterleitung von Kundenaufträgen keine Zahlungen mehr von Handelsplätzen annehmen. Trade Republic erklärte, man kommentiere vertragliche Vereinbarungen nicht, "unabhängig davon fließt jegliche Form der Vergütung konsequent in die Weiterentwicklung und Qualitätsverbesserung unserer Plattform", teilte das Unternehmen mit. Große ETF-Anbieter wie DWS (Xtrackers), Blackrock (iShares) und J.P. Morgan Asset Management wollten sich dazu nicht äußern.

"Die Payments for Orderflow waren eine der wichtigsten Einnahmequellen der Neobroker. Ich weiß, dass Plattformen an ETF-Anbieter herantreten und Druck machen", sagte Vermögensverwalter Gerd Kommer, der mit der britischen Legal & General einen ETF aufgelegt hat. Kommer glaubt, dass ETF-Anbieter und Broker sich künftig die Provisionen immer öfter teilen werden. "Bei Themen-ETF oder aktiven ETF mit höheren Gesamtkostenquoten ist grundsätzlich genug zu verteilen", so Kommer. Bei bestehenden, großen Standardprodukten, die derzeit oft mit Gebühren zwischen 0,03 und 0,25 Prozent im Jahr rangieren, rechnet er indes nicht mit Erhöhungen. 

Andreas Hackethal, Professor für Finanzen am Frankfurter Leibniz-Institut SAFE, hält Befürchtungen steigender Kosten für Anleger für überzogen: "ETF-Anbieter können im harten Wettbewerb die Gesamtkostenquote nicht beliebig nach oben fahren." Neobroker könnten demnach auch andere Ertragsquellen ausbauen - etwa eigene Handelsplätze oder eigene Produkte.

Foto: Frankfurter Börse (Archiv), via dts Nachrichtenagentur

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