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Gauck warnt Medien vor Überbetonung von Missständen


Altbundespräsident Joachim Gauck hat die Qualitätsmedien in Deutschland zu mehr konstruktiver Berichterstattung aufgerufen, um auch die Stärken der Demokratie zu zeigen. Journalisten seien "Teil eines Ringens um den Bestand einer Ordnung, die überhaupt garantiert, dass sie arbeiten können, wie sie arbeiten wollen", sagte Gauck am Donnerstag bei einer Veranstaltung der Madsack-Mediengruppe, zu der auch das "Redaktionsnetzwerk Deutschland" gehört.

Wenn unabhängige Medien sich allein auf die Kritik an Missständen konzentrierten, drohten sie eine "Kultur des Grundverdachtes und des Grundverdrusses" zu verstärken, so Gauck. "Viel zu häufig befällt mich der Eindruck, dass in der Medienwelt die Besichtigung der Defizite der Demokratie wichtiger sei als deren Sicherung", kritisierte der ehemalige Bundespräsident.

Er fühle "ein staatsbürgerliches Unbehagen", wenn aufgrund "der vielen investigativen Berichte über die Mängel und Fehler, die ich in den anständigen Medien tagtäglich bekomme" viele Menschen mit Gleichgültigkeit oder Wut reagierten, sagte Gauck. Es gebe bereits zu viele Bürger, "die angesichts der vielen negativen Zustandsbeschreibungen an der Qualität des Ganzen zweifeln". Wenn von kritischem Journalismus bei den Mediennutzern "vor allem die Fragwürdigkeit der Demokratien hängen bleibt, kann doch irgendetwas nicht stimmen", so der Altbundespräsident.

Er wünsche sich von den Qualitätsmedien "mehr Augenmaß oder mehr Fairness", fügte Gauck hinzu. Kritik sei vor allem nötig, wo Demokratie und Freiheit infrage gestellt würden, wie etwa in den USA durch Donald Trump. "Aber in einer Phase, wo die Akzeptanz des Guten bei einem Teil der Bevölkerung schwindet", müsse man als souveräner Journalist seiner Verantwortung für die Demokratie gerecht werden, forderte er. "Sie sind ja meine Verbündeten bei der Verteidigung der Demokratie", sagte er aus der Sicht eines Mediennutzers aus der demokratischen Mitte. "Deshalb wünsche ich mir einen größeren Respekt und eine breitere Wahrnehmung dessen, was dieses Land, diese Demokratie tatsächlich lebenswert macht."

Zwar setze sich Qualitätsjournalismus gegen alternative Fakten sowie gegen "Vernebelung und Verdunkelung von Wirklichkeit" sein, sagte Gauck. Doch das reiche nicht mehr aus. "Vor einem solchen Gefahrenhintergrund ist ein kritischer Journalismus auch herausgefordert, den Leuten mitzuteilen, was sie tatsächlich haben an diesem Land." Dafür müsse man neue Formate schaffen und das Publikum nicht nur als Medienkonsumenten ansprechen, sondern auch Motivation auslösen, die die Menschen zum Mitmachen an der Gesellschaft bewegen.

Foto: Joachim Gauck (Archiv), via dts Nachrichtenagentur

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