Das Treffen mit den USA ist heute kurzfristig von iranischer Seite abgesagt worden. Die Revolutionsgarde hat am 22. April mit Schnellbooten ein liberianisch geflaggtes Containerschiff unter Feuer genommen, beschossen und gekapert.
Von Meinrad Müller
Angriff auf Schiff in der Straße von Hormus
Die iranische Revolutionsgarde hat am 22. April ein Containerschiff mit Schnellbooten angegriffen, beschossen und gekapert. Iran spricht von Verstößen gegen die Schifffahrtsregeln. Die westliche Seite spricht von einem gezielten Angriff mit Beschuss der Brücke. Gleichzeitig laufen im Hintergrund neue Vermittlungsversuche.
Der Vorgang zeigt, wie rasch Teheran die Lage in einer der wichtigsten Schifffahrtsrouten der Welt verschärfen kann. Wer dort Schiffe aufbringt, trifft nicht nur Reeder, sondern auch Lieferketten, Versicherer und Energiepreise.
Ölpreis dennoch um bis zu 3,3 Prozent gefallen
Trotz des Säbelrasselns gab es ein auffälliges Signal an den Märkten. Der Ölpreis fiel zeitweise um bis zu 3,3 Prozent. Das deutet darauf hin, dass viele Händler derzeit noch nicht mit einer unmittelbaren Eskalation rechnen, sondern auf eine begrenzte Krise oder auf neue Gespräche setzen.
Gerade dieser Preisrückgang ist bemerkenswert.
Denn drei US Flugzeugträger sind inzwischen in der Region präsent. Präsident Trump sagte dazu: „Ich habe alle Zeit der Welt, aber der Iran nicht, die Uhr tickt.“ Der Satz ist eine Drohung mit langem Atem. Gemeint ist, dass Amerika eine längere Blockade wirtschaftlich eher aushalten kann als der Iran.
Neue Sanktionen gegen Chinas Raffinerie
Zeitgleich haben die USA neue Sanktionen gegen die große chinesische Raffinerie Hengli Petrochemical in Dalian verhängt. Die Raffinerie hat in den vergangenen Jahren große Mengen billigen iranischen Öls verarbeitet und damit dem Iran Hunderte Millionen Dollar eingebracht.
Islamabad wird zum Testfeld der Diplomatie
Der iranische Außenminister Abbas Araghchi traf bereits am Freitagabend, dem 24. April, in Islamabad ein, also einen Tag vor den US Gesandten Steve Witkoff und Jared Kushner.
Das frühe Eintreffen spricht dafür, dass Teheran gesprächsbereit ist, zumindest indirekt. Pakistan versucht, beide Seiten an einen Tisch zu bringen. Offiziell bestreitet Iran direkte Gespräche mit den Amerikanern vor Ort. Trotzdem sehen viele Beobachter darin den Versuch, über Pakistan Positionen abzustecken und eine weitere Verhandlungsrunde vorzubereiten.
Update:
Wie soeben bekannt wurde (Berlin 17 Uhr): Der iranische Außenminister Abbas Araghchi und seine Delegation haben Islamabad am Samstagabend wieder verlassen. Vor der Abreise übergab Araghchi dem pakistanischen Vermittler das iranische Positionspapier mit Teherans Forderungen und Vorbehalten für mögliche Verhandlungen mit den USA. Direkte Gespräche mit den US-Gesandten Steve Witkoff und Jared Kushner finden nicht statt. Die iranische Delegation reist planmäßig weiter nach Muscat und Moskau.
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