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AfD, gemacht für 100 Jahre in der Opposition

Ein Streitgespräch in der Kneipe „Zur Quelle“ in Berlin, abends um 21:20 Uhr. Zwei Männer, beide seit über 10 Jahren AfD-Mitglieder, plaudern offen.

Von Meinrad Müller

Erwin (38, Gabelstaplerfahrer, zwei Kinder, Mietwohnung) und Willy (63, Finanzbeamter a.D., Eigenheim, 5er BMW) sitzen am Tresen. Der Wirt poliert Gläser und hört aufmerksam zu.

Willy (hebt die BILD hoch): „28 Prozent, Erwin. Rekord. INSA hat’s heute gebracht. Vier Punkte vor der Union. Endlich.“

Erwin (nimmt einen Schluck, wischt Schaum vom Mund): „Schön. Und? Ändert sich was?“

Willy: „Na klar ändert sich was. Die Leute haben die Schnauze voll. Migration, Strompreise, und dann dieser Merz. Die Union kriegt’s langsam mit.“

Erwin (lacht kurz auf): „Die Union? Die machen doch lieber mit Grünen und SPD weiter. Brandmauer hier, Brandmauer da. Die schwören Stein und Bein, dass sie nie mit uns reden.“

Willy: „Das sagen die jetzt. Aber wenn’s richtig knallt? Wenn die Wirtschaft absäuft und die Renten nicht mehr kommen? Dann gucken die schon anders. Ein paar aus der CDU-Mitte haben doch schon leise gefragt, ob man nicht mal reden kann.“

Erwin: „Quatsch, Willy. Die haben Angst vor den Medien. Vor den eigenen Jugendorganisationen. Vor den Grünen, die ihnen den ‚Nazi‘-Stempel draufdrücken. Die bleiben bei ihrer Scheiß-Brandmauer, bis Deutschland im Graben liegt.“

Willy (etwas lauter): „Du bist immer so negativ! Wir sind bei 28 Prozent. Das ist kein Witz mehr. Bei 35 oder 40 wird’s eng für die anderen. Die können nicht ewig Dreierbündnisse machen. Irgendwann reicht’s nicht mehr.“

Erwin: „Genau deswegen. Selbst bei 44 Prozent kriegen wir keine Regierung. Die anderen schließen sich zusammen. Union, SPD, Grüne – 50 Prozent. Oder Union, SPD, Linke. Die hassen uns mehr, als sie Deutschland lieben. Das ist die Wahrheit.“

Willy (schüttelt den Kopf): „Nee. Irgendwann kommt der Punkt, wo die Vernunft siegt. Die CDU hat konservative Leute. Die sehen doch, dass die Roten das Land kaputtmachen. Ein paar Abgeordnete werden umfallen. Merz ist alt, der geht irgendwann. Dann kommt jemand, der rechnen kann, und wenn's der Spahn ist.“

Erwin (stellt das Glas hart ab): „Vernunft? Die haben seit 2015 keine Vernunft mehr gezeigt. Die lassen lieber das Land vor die Wand fahren, als mit uns zu reden. ‚Nie mit der AfD‘ – das ist ihr Mantra. Wie die Grünen mit Atomkraft. Die bleiben stur, bis alles zusammenkracht.“

Willy: „Und genau dann, wenn der Karren im Graben liegt, müssen sie uns holen. Wie nach ’45 oder nach der Wende. Das ist so ein Zeitpunkt. Wenn nichts mehr geht, kommt der Realismus.“

Erwin: „Bis dahin sind wir 100 Jahre in der Opposition, Willy. Der Headline in der BILD passt: ‚AfD, gemacht für 100 Jahre Opposition‘. Die Altparteien opfern lieber das Land, als ihre Macht zu teilen. Wir dürfen noch wählen gehen, schön. Aber regieren? Nie.“

Willy (lehnt sich vor, etwas erregt): „Du gibst schon auf, bevor’s richtig losgeht! Wir sind Mitglieder seit 2015. Ich hab Plakate geklebt, du auch. Jetzt sind wir stärkste Kraft und du jammerst. Die Leute wachen auf. Die Umfragen steigen weiter.“

Erwin (seufzt, bestellt mit Handzeichen noch zwei Bier): „Ich jammer nicht. Ich seh’s nur realistisch. Die schließen sich zusammen, bis der letzte Deutsche merkt, dass es zu spät ist. Dann kommt der große Knall. Und wir sitzen immer noch draußen und sagen ‚hab ich’s nicht gesagt‘.“

Willy: „Und wenn ein Teil der Union doch mitmacht? Sogar nur geduldet? Dann regieren wir mit.“

Erwin (lacht bitter): „Geduldet? Die spucken uns ins Gesicht und nennen uns Nazis. Die wollen uns nicht dulden, die wollen uns verbieten. Merk dir meine Worte: Selbst bei 44 Prozent für uns machen die eine GroKo mit Linken und Grünen, bevor sie uns auch nur anrufen.“

Willy (hebt das Glas): „Prost auf den Untergang. Aber ich glaub trotzdem, dass früher oder später die Vernunft kommt. Sonst ist Deutschland echt am Arsch.“

Erwin (stößt an, leise): „Deutschland ist schon am Arsch, Willy. Die Frage ist nur, wann die anderen das endlich zugeben.“

Beide trinken schweigend einen Moment. Der Wirt stellt die neuen Biere hin.

Willy (murmelt): „28 Prozent. Das ist ein Anfang.“

Erwin: „Ja. Ein schöner Anfang für die nächste 100 Jahre Opposition.“

(Stille am Tresen. Im Hintergrund läuft leise Radio mit Nachrichten.)

Meinrad Müllers Blog: www.info333.de/p

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