Union und SPD haben einen wundersamen Weg gefunden, wie der Verbrenner trotzdem überleben darf. Man verbietet ihn nicht richtig, man soll ihn nur anders füttern.
Von Meinrad Müller
Tiger im Tank, Raps im Kanister
Wie bekannt wurde, fiel der relevante Beschluss der Union und SPD gerade noch rechtzeitig vor der Wahl in Sachsen-Anhalt. Der deutsche Autofahrer liebt nun mal seinen Verbrenner. Und man will ja nicht noch mehr Wähler verlieren an eine Partei, deren Farbe so blau ist wie die der ARAL-Tankstellen.
Er liebt das Brummen, den Geruch an der Tankstelle, die Reichweite und die beruhigende Gewissheit, am Ziel auch anzukommen, ohne politische e-Gebetspausen einlegen zu müssen. Diesem Wunsch kommt die Politik nun auf ihre besondere Weise entgegen. Der Verbrenner darf bleiben, aber bitte nur mit Heiligenschein im Tank. Warf etwa der diesjährige Katholikentag etwa seine Schatten voraus?
Nach dem Willen von Union und SPD sollen also künftig auch Fahrzeuge weiter zugelassen werden können, wenn sie mit Biokraftstoffen oder E-Fuels fahren. Also nicht mehr normaler Diesel, nicht mehr normales Benzin, sondern Sprit mit moralischem Hut aus heimischem zertifiziertem Anbau.
Der eigene Acker als Tankstelle
Der Bürger bekommt damit eine ganz neue Freiheit. Er kann künftig ein Stück Land pachten, dort Raps, Hanf oder sonst etwas Öliges anbauen und abends in der Garage seinen eigenen Sprit pressen. Früher fuhr man zur Tankstelle, künftig geht man erst einmal aufs Feld. Der deutsche Autofahrer wird zum nebenberuflichen Bio-Landwirt. Mit BioSegen-Siegel.
Freizeit ade, Ölkanne ahoi
Das Problem mit der vielen Freizeit hat sich damit auch erledigt. Statt Grillen, Ausruhen oder einer kleinen Ausfahrt ins Grüne steht nun Heimarbeit im Dienst der Klimastatistik auf dem Programm. Morgens Raps ernten, mittags Öl pressen, nachmittags Filter wechseln und abends stolz den Kanister in den Familienkombi kippen.
In Berlin heißt das dann sauberer Kraftstoff.
Aber genau darum geht es: Der alte Verbrenner bekommt einen neuen Taufschein. Aus dem Diesel wird kein Sünder mehr, sondern ein ökologisch betreuter Problemfall mit Sondergenehmigung.
Und weil dieser handgemachte Sprit im Alltag so verdammt aufwändig herzustellen ist, überlegt sich der Bürger künftig dreimal, ob er für eine Anti-Regierungsdemo hundert Kilometer weit tuckert. So schlägt die Regierung – diese von uns allen allseits verehrte – gleich zwei Fliegen mit einer Klappe.
Nach der Deindustrialisierung folgt nun Schritt zwei: Die Demobilisierung der Untertanen.
Meinrad Müllers Blog: www.info333.de/p



