Viele Konservative in Deutschland hatten nach dem Wahlsieg von Péter Magyar befürchtet, Ungarn könnte als letztes „Bollwerk“ fallen. Die Sorge war unbegründet.
Von Meinrad Müller
Der neue Ministerpräsident hatte Orbán im Wahlkampf scharf wegen Korruption und Vetopolitik attackiert. Doch die Realität sieht heute anders aus. Magyar trägt Orbáns harten Kurs in den entscheidenden Fragen weiter – und das zeigte sich in Berlin besonders deutlich.
Bei der gemeinsamen Pressekonferenz mit Kanzler Friedrich Merz am 2. Juni im Kanzleramt geschah ein bemerkenswerter Moment. Merz sprach erwartungsgemäß von europäischer Geschlossenheit und Unterstützung für die Ukraine. Da griff Péter Magyar plötzlich zum Mikrofon und widersprach ihm direkt – klar, ruhig und unmissverständlich.
Merz entglitten die Gesichtszüge
Ab Sekunde 27 im Video (nur 50 Sekunden lang) greift der neue ungarische Regierungschef ein und sagt genau das Gegenteil dessen, was Merz gerade angedeutet hatte: „Ungarn wird weder Soldaten noch Waffen in die Ukraine schicken. Auch nicht unter meiner Regierung.“
Merz’ Gesicht erstarrte förmlich. Der Schockmoment war unübersehbar.
Magyar machte in Berlin und später in einem FAZ-Interview weitere Dinge unmissverständlich klar:
– Illegale Migration: „Meine Regierung wird eine sehr strenge und konsequente Politik führen.“ Orbáns Haltung 2015 sei richtig gewesen. Ungarn nehme keine illegalen Migranten auf und wolle stattdessen die Außengrenzen Europas schützen. Die EU-Strafzahlungen nennt er „ungerecht und unverhältnismäßig“.
– Russische Energie: Ein sofortiger Ausstieg sei unmöglich. Ungarn als Binnenland mit Millionen Menschen unter der Armutsgrenze könne nicht von heute auf morgen auf russisches Öl und Gas verzichten. Diversifikation ja – aber nicht über Nacht.
– Brandmauern: Er lehnt ideologische Ausgrenzung rechter Parteien ab. „Solche Schubladen mag ich nicht. Brandmauern sind keine Lösung – das stärkt diese Kräfte nur.“
Natürlich gibt es Unterschiede zu Orbán. Magyar will Korruption bekämpfen, stärker mit der EU kooperieren und das Land aus der Isolation führen. Doch in den für konservative Wähler zentralen Themen – Migration, nationale Souveränität, Energie und keine Waffen in den Ukraine-Krieg – bleibt Ungarn auf einem klaren Kurs.
Orbán ist abgewählt, doch sein Geist bleibt. Ungarn ist auch unter Péter Magyar keine Insel des bedingungslosen EU-Gehorsams geworden.
Das Video (50 Sek.) des Moments mit Merz findet sich hier:
https://x.com/Shinsho_ni/status/2062459307979862147
Meinrad Müllers Blog: www.info333.de/p



