Friedrich Merz stand beim Tag der Familienunternehmen in Berlin am Rednerpult und sagte einen Satz, der wie eine Bombe einschlug: „Eine wohlhabende Gesellschaft zu verändern ist viel schwieriger, als ein Land nach Krieg und Zerstörung wieder aufzubauen.“
Von Meinrad Müller
War das ein dummer Versprecher?
Oder hat Merz genau das versehentlich gesagt, was manche schon länger vermuten? Muss Deutschland erst richtig am Boden liegen, damit er als Retter auftreten kann?
Will Merz den Karren Deutschland erst richtig gegen die Wand fahren? Braucht er dazu ein größeres militärisches Ereignis, damit er danach alles neu aufbauen kann, wie Ludwig Erhard 1948? Man mag es nicht glauben. Aber ihm noch etwas zu glauben, ist ohnehin nicht mehr möglich.
Wie war das damals wirklich mit den 40 Mark?
Freitagabend, 18. Juni 1948
Die Radiosender brechen plötzlich ihr Programm ab. Eine amtliche Stimme kommt aus dem Volksempfänger und liest das neue Gesetz Nummer 61 der Alliierten vor: Die alte Reichsmark ist tot. Die Deutsche Mark kommt.
Samstag, 19. Juni 1948
Die Geschäfte bleiben zu. Totales Vakuum. Niemand weiß, was morgen passiert. Während die Menschen ratlos zu Hause sitzen, rollen schwer bewachte LKWs mit dem neuen Geld durchs Land. Die D-Mark war schon Monate vorher in den USA gedruckt worden. Kaum jemand ahnte, dass die neuen Scheine bereits im Land waren und jetzt still und leise zu den Banken und Ausgabestellen gebracht wurden.
Sonntag, 20. Juni
Die Menschen stehen stundenlang Schlange. Jeder bekommt 40 neue D-Mark in die Hand gedrückt – im Tausch gegen 40 alte Reichsmark. Eine vierköpfige Familie hatte also 160 Mark neues Geld. Quasi ein Begrüßungsgeld. Das war’s, genug für Brot, Kartoffeln und das Allernötigste. Mehr nicht, doch die 40 Mark reichten nicht lange.
Und wie bekamen die Arbeitgeber Geld für die Löhne?
Wenn das alte Geld plötzlich nichts mehr wert war – woher sollten die Betriebe dann das neue Geld nehmen, um die Arbeiter wöchentlich zu bezahlen? Die Firmen durften bei der Bank einen „Geschäftsbetrag“ beantragen – 60 neue Mark pro Mitarbeiter. Das war ein Vorschuss, damit die Löhne weiterhin bar bezahlt werden konnten, jeden Samstag.
Alle laufenden Verträge wurden 1:1 umgestellt.
Wer vorher 250 Reichsmark Lohn hatte, bekam jetzt 250 D-Mark. Miete, Rente, alles genau gleich. Und ab Montag, 21. Juni, passierte das Wunder: Die Läden waren plötzlich voller Produkte. Die Händler hatten die Waren gehortet und warfen es jetzt auf den Tisch, weil sie neues Geld dafür bekamen.
Straßenbahn, Bus, Briefmarke – wie lief das im Alltag?
In den ersten Tagen gab’s noch Chaos beim Kleingeld.
- Die Preise für die Straßenbahn blieben gleich. Eine Fahrt für 20 Pfennig kostete weiter 20 Pfennig – nur eben in neuem Geld.
- Weil noch zu wenig neue Münzen da waren, durfte man altes Kleingeld und kleine Scheine noch kurz benutzen – aber nur zum Zehntelwert. Eine alte 1-Mark-Münze zählte also plötzlich nur noch 10 Pfennig.
Was wollte uns Merz sagen mit „neuer Gesellschaft aufbauen“?
1948 war ein brutaler Schnitt. Die kleinen Sparer wurden fast enteignet. Wer sein Geld auf dem Sparbuch hatte, verlor fast alles (oft 100 zu 6,5 oder schlechter). Wer aber eine Fabrik, ein Haus oder volle Lager hatte, wurde über Nacht zum Gewinner. Später kam dann die Zwangshypothek.
Irgendwas ist im Busch, wir wissen es nur nicht.
Wenn Merz sagt, nach Krieg und Zerstörung sei alles leichter, dann blendet er aus, wie hart und ungerecht das damals war. Und er weckt den Verdacht, dass seine Politik erst einen echten Zusammenbruch braucht, um dann als große Retter aufzutreten. Niemand will einen Zusammenbruch wie nach der NS-Zeit.
Bei dem, was er mit diesem Ausspruch sagte, wäre es sehr löblich, wenn es eine Lüge gewesen wäre.
Was Friedrich Merz für Sätze von sich gibt, ist nicht mehr zu erklären: "Eine wohlhabende Gesellschaft zu verändern, ist viel schwieriger, als ein Land nach Krieg und Zerstörung wieder aufzubauen."
— Julian Reichelt (@jreichelt) June 12, 2026
Woher will dieser Mann, der zehn Jahre nach dem Krieg in das Wirtschaftswunder… pic.twitter.com/Li4aTQMVJf
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