Was haben Goethe und die Europäische Zentralbank gemeinsam? Beide haben einen Zauberlehrling! - Der Geld-Tsunami, den die Notenbanken auf die Welt loslassen, wird auf jeden Fall die Preise in die Höhe treiben.
von Carsten Englert
Der Weltretter Super-Mario Draghi, im Nebenberuf Präsident der Europäischen Zentralbank, hat am Donnerstag in der Pressekonferenz zur Erläuterung der Zinsentscheidung – der Leitzins blieb wie erwartet unverändert – seine Inflations-Rhetorik leicht verschärft. Das verwundert nicht wirklich, wenn man sich die letzten Inflations-Indikatoren angeschaut hat.
Selbst in den wirtschaftlich darniederliegenden Krisenländern Spanien und Italien zogen die Produzentenpreise beziehungsweise Verbraucherpreise in der Vorwoche überraschend stark an und auch in der gesamten Eurozone ziehen die Verbraucherpreise an und notieren deutlich über dem Zielwert der EZB. Das erinnert schon etwas an Goethe´s Zauberlehrling: „Die ich rief, die Geister, werd ich nun nicht los.“ heißt es in dem berühmten Gedicht.
Den Part der Geister übernimmt in dem Fall die Inflation. Der Zauberlehrling ist natürlich Mario Draghi. Nun versucht er die Geister mit seinem letzten verbliebenen Instrumentarium, der Rhetorik, wieder einzufangen, so wie es auch der Zauberlehrling versucht hatte. Doch ich befürchte, es wird in der Realität wie in dem Gedicht enden, der Lehrling kann die herbeigezauberten bösen Geister nicht mehr kontrollieren, sie verselbständigen sich. Denn die Krux ist: Genau für diese Methode der Geldpolitik (Rhetorik) braucht die Notenbank vor allem eines: Glaubwürdigkeit.
Doch die Glaubwürdigkeit, zumindest im Kampf gegen Inflation, hat Mario Draghi wohlwissend und in voller Absicht geopfert, um den Regierungen seines Landes und Spaniens schmerzhafte Einschnitte zu ersparen. Zudem dürfen sich seine sicher noch vorhandenen Freunde bei Goldman Sachs – dort war Draghi von 2004 bis 2005 Vicepresident für Europa – und anderen Banken freuen, dass sie nun ohne Ängste die gut verzinsten Anleihen der Krisenstaaten kaufen können.
Ihr Freund Draghi kauft sie ihnen ja notfalls vollständig ab, wenn es mal eng mit der Zahlungsfähigkeit der Schuldner werden sollte. Wenn man Freunden und Landsleuten helfen kann, was interessiert einen da schon noch die eigene Glaubwürdigkeit oder auch die Glaubwürdigkeit der eigenen Institution? Man kann es anhand der Leichtfertigkeit, mit der hier unser Wohlstand aufs Spiel gesetzt wird, mit der Wut zu tun bekommen. Am liebsten würde man Draghi ein weiteres Goethe-Zitat zuwerfen. Eines aus einem anderen Werk des großen Meisters, „Götz von Berlichingen“: “Er aber sag´s ihm, er kann mich ...“
Wut kein guter Berater
Doch Wut bringt einen nicht weiter bei der Geldanlage. Dort sollte vielmehr die Vernunft walten. Vernunft bedeutet in diesen Tagen, sich nicht von den Versprechungen von Super-Mario und den Politikern einlullen zu lassen. Der Geld-Tsunami, den die Notenbanken auf die Welt loslassen, wird auf jeden Fall die Preise in die Höhe treiben. Anleger sollten sich gegen Inflation schützen, um nicht still und heimlich enteignet zu werden. Natürlich geht das über Gold. Aber es gibt noch vielfältige weitere Möglichkeiten.
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